# taz.de -- Vorauseilender Jahresrückblick: Es geht voran!
       
       > VW übernimmt Bobby-Car und Cristiano Ronaldo wechselt zum FC St. Pauli:
       > Die taz blickt darauf zurück, was 2023 in Norddeutschland gewesen sein
       > wird.
       
 (IMG) Bild: Die Verkehrswende naht: Bobbycar-Geschwindigkeitsrekordfahrt im hessischen Schotten im Mai 2022
       
       ## 
       
       ## Januar
       
       2. „Wir dürfen bei der neuen Deutschlandgeschwindigkeit nicht zu spät
       kommen.“ So kündigt [1][Bahn-Chef Richard Lutz] eine „erhöhte Taktzahl“ an:
       „Wir waren schon ziemlich allegro unterwegs, aber jetzt schalten wir um auf
       presto.“ Deshalb werde der Testbetrieb der seit Mitte November gesperrten
       Strecke Hannover–Berlin subito unterbrochen, um dann „am 4. April zur Feier
       von Louis Spohrs Geburtstag wieder zur Verfügung zu stehen“. Außerdem
       ziehe man die für 2025 geplante Ertüchtigung der Strecke Hamburg–Berlin und
       die damit verbundene halbjährige Generalpause dort um fast drei Jahre vor.
       Auf Nachfrage, warum man sich zeitlich an einem Braunschweiger Komponisten
       orientiere, erklärt Lutz, das diene der Einstimmung auf den künftigen
       Deutschlandtakt: „Unsere Zukunftsorientierung mahnt, die Vergangenheit zu
       bewahren.“
       
       6. Explosion in Wilhelmshaven: Beim Andockmanöver des ersten
       Flüssiggastankers an das [2][schwimmende LNG-Terminal] kommt es „zu einer
       lichtinduzierten radikalischen Kettenreaktion mit beim Reinigungsprozess
       freigesetztem Chlorgas“, wie die spätere Analyse ergibt. Ein Feuerstoß
       zerstört die gesamte Pipeline bis ans Festland. „So hatten wir uns das
       nicht vorgestellt“, kommentiert Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).
       Es sei aber kein Grund, in Schockstarre zu verfallen. „Ich kann ja schlecht
       sagen: Okay, das ist schiefgegangen, das war’s, jetzt mache ich nicht mehr
       weiter“, sagt Habeck der FAZ. In der Folge werden bundesweit alle
       Neujahrsempfänge ausgesetzt. „Wie soll denn mein Sohn so jemals Hamburg
       kennenlernen?“, klagt Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) als
       verhinderte Star-Gästin des [3][Blankeneser Neujahrsempfangs].
       
       31. Der FC St. Pauli gibt um 23.59 Uhr die Verpflichtung von Cristiano
       Ronaldo bekannt. Der [4][Vertrag des portugiesischen Starfußballers] mit
       dem saudischen Klub al-Nassr Riad hatte sich zwei Tage nach Schließen des
       örtlichen Transferfensters als ungültig erwiesen, weil mit einem im
       Wahabiten-Reich verbotenen Vornamen unterzeichnet. Der Kiez-Klub hat ihm
       deshalb Asyl gegeben. „Ich freue mich, künftig für São Paulo zu spielen“,
       wird der 38-Jährige auf der Vereinswebsite zitiert.
       
       ## Februar
       
       2. In der [5][neuen Landleben-Ausgabe] lobt Verkehrsminister Volker Wissing
       (FDP) die Bauern, die im Januar mit ihrer Traktorsternfahrt zur Grünen
       Woche sämtliche Autobahnen Richtung Hauptstadt unpassierbar gemacht hatten
       – und seither auf dem Rückweg „ebenfalls auf friedliche Weise diese für
       unser Land so wichtigen Straßen für terroristische Klimakleber unattraktiv
       machen“.
       
       8. Die beliebte Bremer Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) eröffnet eine
       Kinderwippe in der Vahr. „Spielen und Toben sind wichtig“, sagt sie und
       strubbelt dem kleinen Mert durchs Haar.
       
       16. „Wir wollten nicht länger warten“, räumt zerknirscht
       Landes-Energiewende-Minister Tobias Goldschmidt (Grüne) ein, als in
       Brunsbüttel beim Testbetrieb des schwimmenden LNG-Terminals die gesamte
       Anlage in die Luft fliegt. Robert Habeck eilt zum Unglücksort. „So hatten
       wir uns das nicht vorgestellt“, sagt er mit bekümmertem Blick. Die Antwort
       auf derartige Rückschläge müsse lauten: „Mehr Terminals, mehr Resilienz,
       mehr Deutschland und mehr Geschwindigkeit.“ Er sei sich mit Olaf Scholz
       (SPD) einig, dass für jedes zerstörte LNG-Terminal sofort zwei neue
       entstehen müssen. „Das ist dann der nächste Gang der neuen
       Deutschlandgeschwindigkeit“, so der Bundeswirtschaftsminister. „Der
       Deutschlandturbo.“
       
       ## März
       
       2. Die Zeit berichtet, dass Hamburg zwar den Schlick der
       Instandhaltungsbaggerungen [6][wie vereinbart vor Helgoland] verklappt,
       aber inoffiziell bereits die zehnte Elbvertiefung begonnen habe. Der auf
       der Fläche zwischen Brokdorf und Sankt Margarethen ausgebrachte Aushub
       häufe sich zu einem beachtlichen Berg. Senatorin Melanie Leonhard (SPD)
       bestreitet nichts. Keinesfalls habe man jedoch den nördlichen Nachbarn
       einfach vor vollendete Tatsachen stellen wollen. Es sei halt notwendig
       gewesen und „wir setzen das nun in Hamburggeschwindigkeit um“.
       
       6. Von der Auffahrt Meppen-Nord bis zum Kreuz Schüttorf blockieren
       Landwirte mit Traktoren die A 31. „Wohin jetzt mit dem Scheiß?“, steht in
       roten Buchstaben auf ihren Jauchetanks. Wegen winterlicher Witterung dürfen
       die Felder nicht gegüllt werden. Landesagrarministerin Miriam Staudte
       (Grüne) spricht von einem „beeindruckenden Zeichen“. Man werde miteinander
       reden, „ohne dass wir uns erpressen lassen“. Nach Solidaritätskundgebungen
       und einer massiven Social-Media-Kampagne verfügt Staudte am 10. 3. eine
       Dünge-Sondererlaubnis bei Minusgraden. Landvolk-Präsident Holger Hennies
       lobt diese professionelle Haltung: „Mit so einer Ministerin arbeiten wir
       gern zusammen.“
       
       9. Herbeigerufene Polizeibeamt*innen treffen nachts erneut den
       Hamburger Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi an der Außenalster
       umherirrend an: Gefragt, was ihn denn so um den Schlaf bringe, soll der
       Sozialdemokrat im Schlafrock irgendetwas von „Hut“ und „Filzweste“ geäußert
       haben. Die Frage steht im Raum: Sollte es der Geist von Fluxus-Künstler
       Joseph Beuys sein, der den spitzzüngigen Hanseaten aus dem eigenen Haus
       treibt – exakt 40 Jahre, nachdem der Hamburger Senat Beuys eingeladen
       hatte, ein [7][„Gesamtkunstwerk“ im öffentlichen Raum] zu schaffen? Dass
       daraus nichts wurde, lag schließlich am damaligen Bürgermeister: Beuys’
       Idee, den wohl größten ökologischen Problemfall der Stadt zu entgiften, die
       Spülfelder im plattgemachten Fischerdorf Altenwerder, sei von Dohnanyi
       zufolge keine Kunst.
       
       Am 13. gelingt der niedersächsischen Landespolizei ein Schlag gegen den
       Klimaterror! 127 zumeist jugendliche Teilnehmer*innen eines als
       Nachhilfe-Forum getarnten Onlineportals im Großraum Wolfsburg können dank
       eines Haftbefehls festgenommen werden, „der aus unserer Sicht gültig
       bleibt, auch wenn er von dem betreffenden Richter des OLG Celle im Eifer
       des Gefechts mit deutschem Gruß unterzeichnet wurde“, gibt sichder LKA-Chef
       zuversichtlich. Die Polizei hatte einem Verhafteten nachgewiesen, Bekannte
       zu haben, die verwandt sind mit Angehörigen der Gruppe Letzte Generation.
       Zudem waren bei Auswertung der Chatprotokolle eindeutige Äußerungen
       festgestellt worden: „Ich habe total Angst, kleben zu bleiben.“ Das zeige:
       „Hier wurde die Selbstfixierung an der Leitplanke der BAB-Auffahrt
       Wolfsburg-West vorbereitet.“
       
       14. Dass der Protest der Letzten Generation beinahe in Wolfsburg hätte
       ankommen können, überschattet die Jahres-PK der Volkswagen AG:
       Vorstands-Chef Oliver Blume widerspricht Darstellungen, die den Verzicht
       auf die Fabrik für die E-Limousine Trinity auf aktivistischen Druck statt
       auf konzerninterne Gründe zurückführen. Vor allem, seit Kultusministerin
       Julia Willie Hamburg (Grüne) den Aufsichtsrat mit eiserner Hand regiere,
       habe man den Weg zur Abkehr vom motorisierten Individualverkehr gefunden.
       So widme sich das Werk in Emden künftig der Fahrradherstellung, in
       Wolfsburg selbst solle der Einstieg in den Straßenbahnbau erprobt werden.
       Vor allem aber wolle man die eigene Rutschautosparte massiv ausbauen,
       „vielleicht sogar durch Übernahme des Marktführers Bobbycar“.
       
       ## April
       
       4. Die Eröffnung der Strecke Hannover–Berlin wird verschoben „auf Brahms’
       Geburtstag“, teilt die Deutsche Bahn mit. Johannes Brahms sei halt der
       wichtigere Komponist, so Bahnchef Lutz.
       
       14. Anja Stahmann lädt zur Einweihung einer Picknickbank am Sodenmattsee.
       „Essen bringt alle zusammen“, so die sympathische Grünen-Politikerin.
       
       19. In Lubmin explodiert das LNG-Terminal. Robert Habeck schickt eine
       Videobotschaft: „Dieses Ereignis ist sehr, sehr traurig.“ Man sieht es ihm
       an!
       
       ## Mai
       
       7. Beim Besuch der Feier zum 190. Geburtstag von Johannes Brahms in Hamburg
       verrät Bahnchef Lutz einem Reporter der neuen musik zeitung, dass es sich
       bei der neuen Orientierung des Konzerns an Lebensdaten von Musikern „nicht
       um eine bloße Laune“ handele, sondern „um eine ausdifferenzierte
       Klangoffensive“. Man arbeite an einem ehrgeizigeren Melodiedesign. „Wir
       nennen es intern den neuen Deutschland-Sound.“
       
       18. Weil sich der Zustand der Hamburger Brücken verschlechtert hat, werden
       50 mehr gesperrt als geplant. „Das heißt auch, über 90 Prozent bleiben
       befahrbar“, beschwichtigt Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne).
       
       21. Eine Woche nach der Bremer Wahl liegt ein Ergebnis vor: Mit 28 Prozent
       wird die komplett zerstrittene AfD, deren Spitzenkandidat Eimar Scheiße vor
       seiner Aufstellung unbekannt war und der auch im Wahlkampf keinen
       öffentlichen Termin wahrgenommen hatte, stärkste Kraft. Nur knapp im
       zweistelligen Bereich landen CDU, SPD und Grüne. Mit der MLPD (8,8
       Prozent), die nicht alle ihre Mandate besetzen kann, Neuer Anarchistischer
       Pogopartei (7,3 Prozent), Die Partei (6,7 Prozent) und Volt (5,01 Prozent)
       sowie einem Bremerhavener FDP-Abgeordneten ziehen mehr politische Kräfte
       denn je in die Bürgerschaft ein, obwohl Die Linke die Fünfprozenthürde
       reißt. „Es scheint, als würde sie für ihre konstruktive Arbeit bestraft“,
       versucht Wahlforscher Lothar Probst eine Einschätzung. „Auch die Werte der
       Kaspertruppe AfD deuten darauf hin, dass hier der Unterhaltungswert
       ausschlaggebend war: Wenn den Bremern Demokratie keinen Spaß mehr macht,
       machen sie halt Späße mit der Demokratie.“
       
       28. Beim HSV heißt es: Wieder kein Aufstieg! Man hat einfach kein Tor mehr
       geschossen, seit Mäzen Klaus Michael Kühne sein Engagement intensiviert
       hat. Nach einer furiosen Rückrunde landet dagegen der FC St. Pauli auf
       Platz 2 – dank der 25 Treffer von Cristiano Ronaldo. Allerdings teilt
       Präsident Oke Göttlich mit, man habe sich – Unschuldsvermutung hin oder
       her – vom Edeljoker getrennt und entschieden, „seine Treffer aus
       moralischen Gründen zurückzugeben“. Der Gang in die 3. Liga sei
       „schmerzhaft, aber unvermeidlich“.
       
       31. Bei Vorstellung ihres Jahresberichts blickt die Deutsche Flugsicherung
       auch auf den rasanten Zuwachs im laufenden Jahr: Erstmals überhaupt
       verzeichne man im ersten Quartal mehr als anderthalb Millionen
       Instrumentenflüge. Der Boom betreffe vor allem norddeutsche
       Inlandsstrecken, etwa zwischen Lübeck und Berlin oder Bremen und Osnabrück.
       Die extremste Wachstumsrate ergebe sich bei Helikopterflügen.
       
       ## Juni
       
       1. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) erklärt, das 49-Euro-Ticket
       nachjustiert zu haben. Fast alle Käufer hätten das Pflichtabo „gleich bei
       Erwerb, sozusagen in Deutschlandgeschwindigkeit, gekündigt“. Deshalb werde
       es ab 1. Juli „mit einer Art Eintrittsgeld“ versehen: Wer ein Abo erwirbt,
       muss gleichzeitig ein iPhone 14 Plus DB SE zum Sonderpreis von 750 Euro
       kaufen, auf dem allein sich das Ticket anzeigen lasse. „Damit sorgen wir
       dafür, dass es nicht weiter zur Benachteiligung von Autofahrern kommt,
       die ja auch ein Endgerät benötigen.“
       
       2. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) fliegt nach Katar, um den
       wichtigsten VW-Anteilseigner zu beschwichtigen: Das Emirat droht wegen des
       Konzernumbaus mit einer Klage. Baerbocks Versprechen, künftig bei Trams
       auch auf dieselbetriebene Lokomotiven zu setzen, „als Brückentechnologie“,
       beruhigt Scheich Chalid bin Chalifa bin Abdulasis al-Thani zwar zunächst.
       Als Julia Willie Hamburg Baerbocks Vorschläge im Interview mit der taz nord
       als „realitätsfern und nicht mit Niedersachsen abgestimmt“ bezeichnet,
       lässt der Scheich Baerbock verhaften. Erst anlässlich des Nationalfeiertags
       im Dezember wird sie begnadigt.
       
       15. Auf Geheiß von Verkehrssenator Tjarks sperrt Hamburg alle Tunnel. „Die
       waren einfach mal dran“, erläutert er.
       
       17. Nachdem Nancy Faeser als SPD-Spitzenkandidatin für die Hessenwahl
       feststeht, zieht es Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) gen
       Berlin. Er muss jedoch auf halber Strecke umkehren: Ab der Talbrücke
       Scheppau besetzen Landwirte die A 2 mit Traktoren, „um ein Zeichen gegen
       Klimaterror zu setzen“. Pistorius lobt das Engagement der Bauern, die nach
       zwei Tagen auch zufrieden die Demo auflösen, aber inzwischen hat Kanzler
       Olaf Scholz bereits Heike Hofmann ins Kabinett berufen. In der Neuen
       Osnabrücker widerspricht Pistorius der Annahme, er wäre gern im
       Bundeskabinett gelandet: „Ich habe als niedersächsischer Innenminister eine
       erfüllende Aufgabe.“
       
       20. Bremens Sechs-Parteien-Koalition steht: Sie wird auch fortgeführt,
       nachdem der Staatsgerichtshof die AfD-Liste insgesamt für ungültig und
       nichtig erklärt hatte, was die Mehrheitsverhältnisse im Landtag grundlegend
       verändert: Mit Eimar Scheiße habe die Partei zwar einen nach Maßgabe ihrer
       Möglichkeiten überdurchschnittlich seriösen, wohlriechenden und inhaltlich
       qualifizierten Bewerber auf Listenplatz eins nominiert, so die
       Urteilsbegründung. Auch scheitere seine Wahl nicht bereits an der
       konsequenten Fehlschreibung als Eimar Scheiße. Ausschlaggebend sei, dass
       „bei ihm nicht zu ermitteln ist, ob es sich um tote Materie, ungeborenes
       oder geborenes Leben handelt“: Da ein Alter und damit auch die
       Volljährigkeit als Kriterium für die Erlangung des passiven Wahlrechts nur
       vom Stichtag der Geburt her bestimmt werden könne, sei der gesamte
       Vorschlag unheilbar korrumpiert und müsse entsorgt werden.
       
       ## Juli
       
       15. Wie jedes Jahr verteilt die Bremer Sozialsenatorin gemeinsam mit der
       PSD-Bank 250 Schulranzen an bedürftige Familien. „Die Bank hat die Armen im
       Blick“, freut sich Anja Stahmann und reckt die sechsjährige Lea in die
       Kamera.
       
       27. Der Frachter „Panta Rhei“ ist bei der Einfahrt in den Hamburger Hafen
       festgefahren: Das Schiff der Supersaimax-Klasse mit einem Tiefgang von
       gerade einmal 5,41 wird vom BUND als „klarer Beweis fürs Scheitern der
       Baggerpolitik“ gewertet. „Die Maßnahme hatte nicht den Erfolg, den wir uns
       vorgestellt hatten“, räumt Senatorin Leonhard ein, als sie den gesamten
       Hafenbetrieb bis auf Weiteres für gesperrt erklärt. Aber immerhin habe
       Schleswig-Holstein profitiert. Stimmt: Der Schmodderberg ist mit 211 Metern
       mittlerweile die höchste Erhebung des Landes und ein Touristenmagnet.
       Ehrgeizige Alpinisten, darunter auch Altstar Reinhold Messner, scheitern an
       der Erstbesteigung. „Es geht mir nie um die Geschwindigkeit oder die Höhe,
       sondern darum, ob das Problem auch lösbar ist“, sinniert Messner in Geo.
       „Dieses Problem scheint mir unlösbar.“
       
       ## August
       
       14. Hamburg, nahezu nur noch mit Fluggerät passierbar, setzt Zeichen: Mit
       einem symbolischen Knopfdruck schaltet Anjes Tjarks die letzte Bettelampel
       ab. „Künftig haben hier Fußgänger Vorrang“, sagt er an der Sülldorfer
       Landstraße. „So geht Verkehrswende.“
       
       ## September
       
       13. Bremens Sozialsenatorin weiht (presseöffentlich) eine Computerecke für
       Senioren in der Begegnungsstätte Haferkamp ein. „Das Internet wird grau!“,
       prophezeit Anja Stahmann und streicht Karin F. (78) über den Rücken.
       
       29. In der Hamburgischen Bürgerschaft zerlegt sich die Regierungskoalition
       bezüglich der Frage, ob das Elbtower-Grundstück vom in Wien inhaftierten
       Bauherrn René Benko zurückgekauft werden soll: Das sei „die feste Absicht
       des Senats“, verkündet der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD),
       woraufhin die aufgeschreckten Grünen-Senator*innen protestieren, das habe
       ihnen bislang noch keiner mitgeteilt. Tschentscher: „Na, dann wissen Sie’s
       halt jetzt!“ Protestierend verlassen Katharina Fegebank, Jens Kerstan und
       Anjes Tjarks die Regierungsbank und Anna Gallina fällt vor Schreck das
       Hummerbrötchen aus der Hand: „Das haben Sie absichtlich getan!“, fährt Andy
       P. Grote sie an, dessen Schoß jetzt voll Majonäse ist. Der Bruch ist nicht
       mehr zu kitten, es werden Neuwahlen für das kommende Jahr angekündigt.
       
       ## Oktober
       
       3. Zum Tag der Deutschen Einheit eröffnet Robert Habeck in Greetsiel
       Deutschlands 20. LNG-Terminal. „Langsam gehen uns die Seehäfen aus“,
       scherzt der Wirtschaftsminister. „Das ist ein guter Tag für Deutschland“,
       sagt er in der Einweihungsrede, „zumal wir mit den fünf oder sechs
       explodierten Teilen im ersten Halbjahr echt eine Pechsträhne hatten.“ Aber
       Deutschland sei nicht nur schnell, sondern auch schnell lernfähig. „Und bei
       aller berechtigten Kritik: Ich sehe das als wichtigen Schritt, der mich Mut
       schöpfen lässt, dass wir die Energiewende wuppen können.“ Bewiesen habe man
       nämlich, „dass wir aus einem beliebigen Energieträger, das war hier
       russisches Pipelinegas, komplett raus können und schaffen, ihn in nicht mal
       einem Jahr vollständig durch einen anderen zu ersetzen.“ Klar, Flüssiggas
       das sei noch nicht das Ende vom Lied. „Aber ich muss euch sagen, ganz
       ehrlich, das macht mir total Mut für die Erneuerbaren.“
       
       4. „Wir sind froh über die Bilder, um etwas gegen diese quälerische
       Massentierhaltung unternehmen zu können“, teilt Andrea Zaldivar Maestro,
       Sprecherin der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte,
       der Bild mit: Geheime Videoaufnahmen aus einem Großstall in Ostfriesland
       hatten miststarrende Kühe mit großteils hochgradig entzündeten Eutern
       gezeigt. „Irre: Regierungssprecherin kämpft Seit an Seit mit
       Stalleinbrechern!“, startet die Bild-Kampagne. Die wird zur Belastungsprobe
       für die Landesregierung, als sich herausstellt, dass der beschuldigte
       Landwirt Patenkind des ehemaligen SPD-Agrarministers Karl-Heinz Funke ist.
       Innenminister Pistorius (SPD) stellt klar, dass „in unseren Ministerien
       kein Platz sein darf für Terror-Helferinnen.“ Staudte entschärft den
       Konflikt: Zaldivar Maestro übernimmt eine innendienstliche Aufgabe ohne
       Sprechbefugnis im Referat 407 (Moorverwaltung).
       
       22. Zum Jubiläum des westfälischen Friedens macht die niedersächsische
       Landesregierung auf Anregung von Julia Willie Hamburg einen Bobbycar-Korso
       durch Osnabrück. „Wir zeigen damit unsere wirtschaftliche
       Leistungsfähigkeit“, sagt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).
       
       ## November
       
       9. Der Erlass von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), nach dem
       Schwarze Kinder grundsätzlich Waisen sind, wird vom Flüchtlingsrat als
       „zutiefst rassistisch“ gerügt. „Unsinn“, weist Mäurer solche
       Unterstellungen von sich. „Wenn ich gegen Schwarzarbeit vorgehe, ist das ja
       auch nicht rassistisch.“ Er habe einfach handeln müssen, sagt er dem
       Weser-Kurier. „Diese Drogendealer, die Mütter, die behaupten, die deutschen
       Männer, die sich als Väter ausgeben, seien die Väter der Kinder und müssten
       in die Geburtsurkunde eingetragen werden, und dieses Geknatsche, weil wir
       den Kindern die Geburtsurkunde verweigern – das schadet dem Ansehen unserer
       Stadt.“ Im Kommentar lobt ihn Weser-Kurier-Redakteur Ralf Michel: Nicht
       alle müssten Mäurers Linie teilen. Aber keiner könne leugnen, dass er eine
       klare Linie hat. „Das mit Rassismus zu verwechseln, ist unterste Schublade,
       Cancel-Kultur.“
       
       ## Dezember
       
       6. Ein geplanter Hubschrauberlandeplatz bringt die Bremer Multi-Koalition
       an den Rand des Scheiterns: Die SPD weigert sich, höhere
       Landelizenzgebühren einzuführen, doch die Anarchistische Pogopartei mahnt
       zur Haushaltsdisziplin: „Der Bremen-Fonds 3.0 darf kein Fass ohne Boden
       sein.“ Von einem Tag auf den anderen wirft daraufhin SPD-Bürgermeister
       Andreas Bovenschulte hin: „Ich hab jetzt endlich Zeit für Rockmusik“,
       verrät er Radio Bremen TV. Zum Glück einigt sich die Koalition auf eine
       Nachfolge: „Aufgrund ihrer vielfältigen Verdienste“ wird die
       Sozialsenatorin Anja Stahmann zur Bürgermeisterin gewählt, denn sie ist
       beliebt.
       
       31. Gegen den Trend hat Sylt auf Betreiben gut zahlender Gäste das
       Böllerverbot aufgehoben: Zum „großen Knall von Kampen“ geladen hat ein
       blonder, extrem lässiger, 1,86 Meter großer Podcaster, von seinen
       Followern respektvoll „Der Finanzminister“ genannt, der bei der Party auch
       selbst auflegt: „Bis Mitternacht warten ist nicht Syltgeschwindigkeit“,
       shoutet er um 22.30 Uhr in die koksgeschwängerte Luft. „My God, ich habe
       hier geheiratet, jetzt kann ich es hier auch krachen lassen!“ Ein Gedanke,
       den viele mit ihm teilen: Schon hat sich die Insel in einen pfeifenden,
       funkensprühenden und glitzernden Planeten aus Flammen und Rauch verwandelt,
       der völlig außer Kontrolle gerät. Privatjets und Hubschrauber verlassen die
       glühende Insel. Um 23.59 Uhr steht nur noch Jörg Otto, der letzte Punk des
       Sommers 2022, vor den rauchenden Trümmern seiner geliebten Wahlheimat, die
       er versucht hat zu retten. Aber vergebens: Kampen, das ist eine schlimme
       Geschichte mit einem traurigen Ende. Genau wie das Jahr 2023.
       
       31 Dec 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Deutsche-Bahn-ohne-Klimakurs/!5841281
 (DIR) [2] /LNG-Terminal-geht-in-Betrieb/!5900874
 (DIR) [3] /!397742
 (DIR) [4] /Saudi-Arabien-und-seine-Sportstrategie/!5895579
 (DIR) [5] http://www.landleben-magazin.de/start/
 (DIR) [6] /!5900824
 (DIR) [7] https://de.wikipedia.org/wiki/Gesamtkunstwerk_Freie_und_Hansestadt_Hamburg
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Schirrmeister
 (DIR) Alina Götz
 (DIR) Jan Kahlcke
 (DIR) Gernot Knödler
 (DIR) Lotta Drügemöller
 (DIR) André Zuschlag
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 (DIR) Vorauseilender Jahresrückblick 2025: Alte reiche Männer tun Gutes. Wir sagen Danke! Danke! Danke!
       
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       zurück: Was hat uns 2022 inspiriert? Unterhalten? Genervt?
       
 (DIR) Vorauseilender Jahresrückblick 2021: Helmut statt Otto
       
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