# taz.de -- Debatte um „Spiegel“-Text zu Elif Eralp: Am Ende sind alle so schlau wie vorher
> Der „Spiegel“ skandalisiert interne Äußerungen der Berliner Linken Elif
> Eralp über die Palästinabewegung. Zur Aufklärung trägt der Text kaum bei.
(IMG) Bild: Ein Skandal ist schnell herbeigeschrieben, Elif Eralp am 29. Oktober im Berliner Abgeordnetenhaus
Der [1][„Skandal“ um Elif Eralp] und ihre internen Äußerungen ist auch ein
Skandal der deutschen Medienlandschaft. Weil es hier viele verschiedene
Facetten gibt, sollte man vorab vielleicht kurz festhalten, was er aus
medienethischer Sicht nicht ist.
So wäre es deplatziert, daraus eine Debatte um die Praxis deutscher
Journalisten zu machen, sich Zitate von Politikern [2][autorisieren zu
lassen]. Ja, man kann es aus gutem Grund erbärmlich finden, dass deutsche
Medien es sich gefallen lassen, dass Politiker ihre Antworten in Interviews
umschreiben oder gar – so hier der Vorwurf – eine ganze Frage streichen
wollen.
Die eigentliche Essenz des [3][Spiegel-Artikels] hat mit der Autorisierung
aber gar nichts zu tun. Dort geht es vielmehr um die Kommentare, die Eralp
und Linken-Verantwortliche aus ihrem engen Umfeld in dem Word-Dokument
hinterlassen haben. Darin schreibt Eralp zu einer Frage über den wohl
PFLP-nahen Palästinaaktivisten Ibrahim Ibrahim, sie habe „Angst vor diesen
Leuten“ und sie könne sich und ihre Familie „nicht für den Spiegel in
Gefahr bringen“.
Diese aus Versehen verschickte internen Kommentare sollte man also eher wie
andere vertrauliche Kommunikation behandeln, die auf dem ein oder anderen
Wege in die Hände von Journalisten gerät. Diese Infos müssen Journalisten
dann prüfen, nachrecherchieren und sich nach reiflicher Abwägung
entscheiden, ob sie sie veröffentlichen wollen.
## Offene Fragen
Also, sollte man das öffentlich machen? Im Fall Eralp schließen sich hier
eine Reihe von Fragen an: Hält man es für eine Nachricht, dass sich die
Berliner Bürgermeisterkandidatin um das Wohlergehen ihrer Familie sorgt?
Wovor hat Eralp eigentlich genau Angst? Wie begründet ist diese Angst? Und
ist das öffentliche Interesse, diese internen Abwägungen zu erfahren, so
groß, dass man dafür womöglich in Kauf nimmt, dass Eralp sich danach noch
unsicherer fühlen muss?
Wenn der Spiegel diese Fragen klären wollte, dann wäre der logische Schritt
ja gewesen, Eralp erneut zu kontaktieren. Das Magazin hätte es Eralp
ermöglichen müssen, zu diesen offenen Fragen Stellung zu beziehen. Im Text
selbst ist von solchen Rückfragen nicht die Rede.
Eralp selbst, so viel sollte hier zur Einordnung gesagt sein, ist in der
Palästinafrage keineswegs auf Linie des Neuköllner Bezirksverbandes. Sie
ist vielmehr – wie der Rest der Linkenführung in Berlin – eher im moderaten
Lager der Partei zu verorten, das immer wieder auf Distanz zu radikalen
Elementen in der Bewegung geht.
Dass sie mit diesen im Clinch liegt, ist also wahrlich keine große
Nachricht. Der Spiegel dreht daraus jetzt einen Skandal, der Eralp als
Kronzeugin gegen die eigene Bewegung anführt, offenbar aber, ohne sie vorab
ihre eigenen Aussagen erklären zu lassen.
## Vieles durcheinander
Beim Lesen des Artikels fällt dann auch direkt der aufgeregt-dramatische
Ton auf, in dem er geschrieben ist. Verschiedene Anschuldigungen und Themen
werden wild durcheinandergeworfen: Clankriminalität; der Goldmünzenraub im
Bode-Museum; brennende Israel-Fahnen; gewisse „Straßenzüge“ und „Milieus“;
die „türkisch-kurdische Gen-Z-Mafia“; Berlin als „Hauptstadt des
Verbrechens“; umstrittene „Gaza-Influencer“; die PFLP und die Hamas;
Israelfeindlichkeit und Antisemitismus.
Der Text im Spiegel verfolgt damit kein Interesse an Aufklärung. Er reiht
sich vielmehr ein in den Kampagnenjournalismus gegen die Linkspartei der
letzten Monate. Nicht nur die bürgerlichen Parteien, sondern auch Stimmen
aus den etablierten Medien verleumden die Linke immer wieder als
antisemitisch. Das ging so weit, dass ein [4][Kommentator in den
Tagesthemen] die Partei in die Traditionslinie der Täter des Holocausts
setzte.
Diese Welle reitet der Spiegel bis ins Absurde, wenn er Ibrahim Ibrahim im
Text mit „Voldemort“ vergleicht, dessen Namen auszusprechen man sich
fürchte. Jemand, der hierzulande politisch absolut nichts zu melden hat,
wird so auf infantile Weise als das absolute Böse gezeichnet.
Ein Skandal ist so schnell herbeigeschrieben. Aber am Ende eines langen
Artikels sind eigentlich alle so schlau wie vorher.
29 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Elif-Eralp-und-Ibrahim-Ibrahim-Mehr-Distanz-als-Angst-geht-nicht/!6226084
(DIR) [2] /korrekturen-und-klarstellungen/!6087621&s/
(DIR) [3] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/linkenpolitikerin-elif-eralp-offenbart-angst-vor-terrorsympathisanten-a-94a0c067-ce3d-4435-9e5d-0d2dc2fbb81e
(DIR) [4] /Kampagne-nach-der-Berlin-Wahl/!6215733
## AUTOREN
(DIR) Leon Holly
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