# taz.de -- Der „Spiegel“ und Elif Eralp: Wer ist Ibrahim Ibrahim?
       
       > Der Berliner lobte das Massaker der Hamas am 7. Oktober und spricht oft
       > bei Demonstrationen. Doch wie viel Gefahr geht von ihm aus? Eine
       > Annäherung.
       
 (IMG) Bild: Ibrahim Ibrahim auf einer Protestveranstaltung von Pro Palästina Aktivisten am 7. Oktober in Berlin
       
       Das Gefährliche an Boulevard ist nicht, wenn die Nachrichten falsch sind,
       sondern wenn sie ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Denn genau dieses
       Fünkchen kann dazu führen, dass die gesamte Darstellung für wahr gehalten
       wird. So ist das auch bei der Causa Ibrahim Ibrahim, die die Republik seit
       Donnerstagfrüh in Atem hält.
       
       Der Hamas-Sympathisant war Thema eines Spiegel-Interviews mit Elif Eralp,
       der Berliner Spitzenkandidatin der Linkspartei, die bald Regierende
       Bürgermeisterin werden soll. Das Magazin veröffentlichte eine interne Notiz
       zu dem Interview, in der Eralp schreibt, sie und ihr Mann hätten „Angst vor
       diesen Leuten“.
       
       Verantwortlich für die Sicherheit in Berlin ist aktuell die schwarz-rote
       Regierung. Doch weder Innensenatorin Iris Spranger (SPD) noch die Polizei
       haben der taz Auskunft darüber gegeben, wie gefährlich Ibrahim aus ihrer
       Sicht ist.
       
       ## Wer ist Ibrahim Ibrahim?
       
       Der circa 70 Jahre alte Deutsche palästinensischer Herkunft weist in einem
       [1][Statement von Mitte Oktober] für die Tageszeitung Junge Welt den
       Vorwurf, Terrorismus zu unterstützen, entschieden zurück. Auf eine Anfrage
       der taz antwortet er nicht.
       
       Laut Medienberichten soll er Vorsitzender des Demokratischen Komitees
       Palästina sein. Dieser Verein richtet etwa Jubiläumsfeiern für die PFLP
       aus, die Volksfront zur „Befreiung Palästinas“. Mitglieder der PFLP
       beteiligten sich unter anderem am Massaker des 7. Oktober 2023 in Israel.
       Den Drahtzieher und Hamas-Chef Jahia Sinwar nannte Ibrahim Ibrahim einen
       „Märtyrerhelden“, dem er seine „Hochachtung“ zolle.
       
       Auf Facebook postete er gewaltverherrlichende Bilder, wie das von einem
       Mann mit Kufija, Maschinengewehr und PFLP-Logo, auf dem steht: „All guns
       against the enemy, glory to the freedom fighters.“ Im April 2025 feierte er
       bei einer Demo Terroristen, die er „Märtyrer“ nennt und die „ihr Leben“
       gegeben hätten, damit „ganz Palästina ‚vom Fluss bis zum Meer‘ befreit“
       werde. Für viele stellt seine Aussage israelbezogenen [2][Antisemitismus]
       dar. Andere meinen den Spruch als eine legitime Forderung nach einer
       Einstaatenlösung.
       
       Während die einen, auch palästinasolidarische Linke, mit Leuten wie Ibrahim
       nichts zu tun haben wollen, grenzen andere sich nicht von ihm ab. So durfte
       Ibrahim etwa auf einer [3][Kundgebung von Amnesty International] vor dem
       Außenministerium in Berlin auftreten, als im Juni 2025 der israelische
       Außenminister Gideon Sa’ar zu Besuch war.
       
       In aller Munde war Ibrahim dann nach der Wahlparty der Berliner Linken am
       20. September. Denn er war dort aufgetaucht und [4][der
       Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak] sowie die frisch ins Abgeordnetenhaus
       gewählte [5][Vanessa „Vedi“ Emde] haben mit Ibrahim für Selfies posiert.
       
       ## Sollte man Angst vor ihm haben?
       
       „Ach was“, sagt ein Neuköllner Linken-Funktionär der taz. „So wie ich
       Ibrahim kenne, kann ich nicht nachvollziehen, dass man Angst vor ihm hat.“
       Aus Sicht des Linken werde um Ibrahim ein „unnötiger Aufstand“ gemacht.
       „Tricky ist seine Beziehung zur Hamas, deshalb werde ich bei ihm immer
       vorsichtiger“, erklärt der Neuköllner, der seinen Namen nicht in der
       Zeitung haben will, um die Bündnisarbeit seiner Partei nicht zu gefährden.
       
       Zu einer gänzlich anderen Einschätzung kommt die Landesarbeitsgemeinschaft
       (LAG) Shalom, die sich in der Linkspartei für den [6][Schutz jüdischen
       Lebens] einsetzt. „Die letzten drei Jahre haben gezeigt, dass von Akteuren
       wie Ibrahim Ibrahim eine reale Gefahr ausgeht“, schreibt der
       Sprecher*innenrat der taz. Ibrahim unterhalte „erwiesenermaßen Kontakte
       zur Terrororganisation PFLP, die an den Pogromen des 7. Oktober beteiligt
       war“, betonen diese Linken. Wenn Elif Eralp Angst vor Ibrahim Ibrahim und
       seinem politischen Umfeld habe, sei das keinesfalls unbegründet.
       
       Auch Journalist*innen machten schon negative Erfahrungen mit Ibrahim.
       [7][Erst kürzlich ging er den Springer-Mann Iman Sefati an]. Laut
       [8][Reporter ohne Grenzen] gibt es aus diesem Milieu regelmäßige Angriffe
       auf Medienschaffende – und das auch auf linke.
       
       Unterm Strich mag Ibrahim ein fanatischer Israelhasser und unangenehmer
       Demagoge sein, dessen Umfeld weder vor Psychoterror noch vor physischer
       Gewalt zurückschreckt. Davor kann man Angst haben. Doch auch wenn [9][der
       Spiegel den Eindruck erwecken will]: Der gefährlichste Mann Deutschlands
       ist Ibrahim selbst sicher nicht.
       
       29 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.jungewelt.de/artikel/531489.ibrahim-ibrahim-weder-meine-herkunft-noch-meine-haltung-zur-pal%C3%A4stina-frage-rechtfertigen-einen-generalverdacht.html
 (DIR) [2] /FAQ-Was-ist-Antisemitismus/!6219493
 (DIR) [3] https://democ.de/artikel/pflp-amnesty-kundgebung/
 (DIR) [4] /Antisemitismus-Streit-in-der-Linken/!6215665
 (DIR) [5] /Streit-um-Berliner-Linken-Abgeordnete/!6225627
 (DIR) [6] /Wie-Berliner-Juden-und-Juedinnen-auf-die-Linke-schauen/!6216148
 (DIR) [7] https://www.youtube.com/watch?v=8jxwmfznkfQ
 (DIR) [8] https://media.reporter-ohne-grenzen.de/production/6016/01KMJTRG6JPCQ6PR6Q5645S6CS.pdf
 (DIR) [9] /Bericht-des-Spiegel/!6225931
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lotte Laloire
       
       ## TAGS
       
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