# taz.de -- Angriffe auf „Gen Z regelt“-Proteste: Gewalt ist nicht das Problem
       
       > Wenn es nach der Union geht, sollten die „Gen Z regelt“-Proteste verboten
       > und die Bundeswehr eingesetzt werden. Was ist das für ein
       > Demokratieverständnis?
       
 (IMG) Bild: Noch bevor die „Gen Z regelt“-Proteste auf die Straßen gezogen sind, werden sie von politischer Seite angegriffen
       
       Eine jede kennt doch die alte Leier: Angriff ist die beste Verteidigung.
       Und wenn man als Partei nichts zu bieten hat, dann lieber angreifen. Getreu
       diesem Motto begegnen allen voran die Union und teils auch die SPD den
       Demonstrationen von [1][„Gen Z regelt“, die am Samstag in 24 Städten
       bundesweit demonstrieren wollen].
       
       Noch bevor die Farbe auf den Plakaten getrocknet ist oder ein*e
       Demonstrant*in die erste Parole gebrüllt hat, überschlagen sich die
       Ängste vor Gewaltexzessen und die Forderungen, mit aller Härte dagegen
       vorzugehen. Dabei ist der Diskurs von Anfang an rassistisch vergiftet.
       Immer wieder schwingt der Rassismus mit, den die Rechten in Frankreich und
       Deutschland seit den Ausschreitungen nur noch mehr befeuern.
       
       Immer wieder wird vor der kriminellen Energie, die von Migrant*innen
       ausgehe, gewarnt. Die Vorstellung, dass junge Menschen in großen Massen auf
       die Straße gehen und aber anders als Fridays for Future nicht nur ein
       weißes Bildungsbürgertum abbilden, wird als Bedrohung verstanden. So können
       migrantisch gelesene Personen mal wieder nur verlieren. Sie bleiben
       entweder stumm oder werden als potenzielle Gewaltquelle abgestempelt.
       
       Es scheint, als könne die Union nicht anders, als sich weiter und weiter an
       links abzuarbeiten und in roter Angst um sich zu schlagen. So, wie sie es
       unaufhörlich seit den Landtagswahlen tut, und so, als könnte sie sich damit
       aus der eigenen Affäre winden, den Rechtsrutsch in den eigenen Reihen
       aufzuarbeiten. Also schlägt die Junge Union etwa vor, direkt die Bundeswehr
       einzusetzen – was verfassungswidrig wäre. Die CDU in Stuttgart würde am
       liebsten die Demonstration ganz verbieten.
       
       ## Das lenkt von den eigentlichen Problemen ab
       
       Was ist das für ein Demokratieverständnis, wenn lieber [2][die Stimme von
       jugendlichen Menschen] gänzlich ungehört bleiben soll, weil es in
       Frankreich zu gewaltvollen Ausschreitungen kam? Dabei hat sich das Bündnis
       „Gen Z regelt“ von Anfang an von Gewalt distanziert – und ist seitdem mit
       nichts anderem beschäftigt, als sich von jeder Form des Extremismus
       abzugrenzen. Aber all das scheint nicht genug zu sein. Man glaubt den
       Organisator*innen schlichtweg nicht oder gibt ihrem Bekenntnis
       unzureichenden Wert, weil sie unterwandert werden könnten.
       
       Auch die Bundesschülerkonferenz distanziert sich: „Gewalt und Gewaltaufrufe
       lenken von den eigentlichen Problemen im Bildungssystem ab.“ Gerne möchte
       man erwidern, dass auch der unaufhörliche Diskurs, ob es zu Gewalt kommen
       könnte, von den tatsächlichen Problemen ablenkt.
       
       Die „Gen Z regelt“-Demonstrationen werden bereits jetzt schon in eine Ecke
       gedrängt, aus der nur noch Verteidigung möglich ist. Damit soll verhindert
       werden, dass sich möglichst viele den Protesten anschließen. All jene
       Menschen, die in Deutschland mit den maroden Schulen unzufrieden sind, die
       Angst vor einer Wehrpflicht haben, die sich ihre Miete kaum noch leisten
       können und mit ihrem Nachnamen erst recht eine Absage nach der nächsten
       kassieren. [3][Im Grunde alle Menschen, die die Ungleichverteilung der
       Eigentumsverhältnisse besonders stark zu spüren bekommen.]
       
       Junge Menschen haben das Gefühl, ihnen wird die Zukunft verbaut. Und was
       macht die Partei, die bei den drei jüngsten Landtagswahlen bei den unter
       30-Jährigen nicht mal auf 10 Prozent kam? Die Union hat der jungen
       Generation nichts zu bieten. Nicht mal die Anerkennung, dass man ihre
       Probleme sieht, ernst nimmt und ihr zuhören möchte.
       
       27 Oct 2026
       
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