# taz.de -- Gen-Z-Proteste in Deutschland: Bambule, Randale, Linksradikale?
       
       > In schrillen Tönen warnt nun auch Hessens CDU-Innenminister vor einer
       > linksextremen Unterwanderung der Gen-Z-Proteste. Man werde konsequent
       > durchgreifen.
       
 (IMG) Bild: Demonstration gegen die Wehrpflicht im September in Frankfurt
       
       Hessens Innenminister Roman Poseck muskelt noch einmal auf. „Wir werden es
       nicht zulassen, dass gewaltbereite Linksradikale unsere Innenstadt in einen
       Ort der Zerstörung verwandeln und dabei Sachschäden oder Schlimmeres in
       Kauf nehmen“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in Frankfurt am Main
       mit Blick auf die angekündigten Gen-Z-Proteste.
       
       Für diesen Samstag hat die Initiative „Gen Z regelt“ [1][bundesweit zu
       Protesten aufgerufen]. Nach eigenen Angaben sollen in über 30 Städten
       Demonstrationen mit über 150.000 Teilnehmer*innen stattfinden, darunter
       auch in Frankfurt. Allein hier werden rund 10.000 Menschen erwartet, die
       vom Mainkai durch die Innenstadt ziehen.
       
       Roman Poseck hält die Zahl zwar für übertrieben. Er gehe von einer
       niedrigen vierstelligen Zahl an Demonstranten aus, so der Innenminister.
       Gleichwohl bestehe durch die erwartete Anreise von etwa 80 Linksextremen
       die Gefahr, dass der Protest von Personen mit Gewaltpotenzial unterwandert
       werde, die die Anliegen von „Gen Z regelt“ für ihre Zwecke nutzen könnten.
       Die Polizei werde konsequent und rechtzeitig eingreifen, um Sicherheit zu
       gewährleisten und Schäden abzuwenden, sagte Poseck.
       
       Auch Frankfurts Polizeipräsident Stefan Müller erklärte, seine Kräfte
       bereiteten sich „derzeit intensiv auf den Einsatz vor, um friedlichen
       Protest zu ermöglichen, aber auch konsequent auf mögliche Straftaten zu
       reagieren“. Gefahr gehe dabei nicht nur von den vermuteten 80 Linksextremen
       aus, sondern auch von „erlebnisorientierten Jugendlichen“ ohne politische
       Botschaft.
       
       ## Frankfurts Einzelhandel gibt sich entspannt
       
       Die Initiative „Gen Z regelt“ fordert unter anderem ein bezahlbares Leben
       sowie Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt Kürzungen.
       Ähnliche Demonstrationen fanden zuletzt in Frankreich, Spanien, Italien und
       Albanien statt. Nicht zuletzt Frankreich machte [2][Schlagzeilen mit
       Bildern von gewalttätigen Ausschreitungen und Plünderungen].
       
       Zumindest der Frankfurter Einzelhandel fühlt sich dabei offenbar gar nicht
       so bedroht wie der hessische Innenminister. Die Geschäfte in Frankfurt
       werden jedenfalls am Samstag geöffnet bleiben. „Unsere Innenstädte sind
       Orte des Handels, der Begegnung und des gesellschaftlichen Lebens“, sagte
       Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbandes Hessen. „Unser gemeinsames
       Ziel ist ein friedlicher Samstag, an dem die Menschen Frankfurt wie gewohnt
       zum Einkaufen und Verweilen besuchen können.“
       
       Wie zuvor bereits die Bundesschüler*innenkonferenz hat sich
       unterdessen nun auch die Landesschüler*innenvertretung Hessen (LSV)
       von den angekündigten Protesten distanziert. Bei den zahlreichen geplanten
       Kundgebungen bleibe intransparent, wer genau dahinterstehe. Außerdem gingen
       die Forderungen weit über die Zuständigkeit der LSV hinaus. Man distanziere
       sich von Gewalt, hieß es zur Begründung.
       
       Ob die Angst vor Gewaltausbrüchen berechtigt oder übertrieben ist? Man
       beobachte sehr wohl, dass sich auch Teile der linksradikalen Szene und
       vereinzelt Gruppierungen aus dem Spektrum des auslandsbezogenen Extremismus
       an der Mobilisierung beteiligten, sagte bereits am Mittwoch ein Sprecher
       des Bundesinnenministeriums in Berlin.
       
       ## Warnungen vor Panikmache
       
       Den Sicherheitsbehörden des Bundes lägen allerdings „keine weitergehenden
       Erkenntnisse zu konkreten Gewaltaufrufen oder zu geplanten gewalttätigen
       Ausschreitungen“ vor. Im Gegenteil: „Die bisher bekannt gewordenen
       Mobilisierungsaufrufe betonen vielmehr den friedlichen Charakter dieser
       Proteste“, so der Sprecher von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU)
       weiter.
       
       Scharfe Kritik an [3][der allgemeinen Panikmache] kam am Donnerstag auch
       von Grünen-Bundeschef Felix Banaszak. „Ich halte es für einen Fehler, auf
       die sehr berechtigten Anliegen, die da formuliert werden, jetzt nur mit
       Warnungen vor Gewalt zu reagieren“, sagte Banaszak dem Redaktionsnetzwerk
       Deutschland. „Es ist klar, dass Gewalt keine Rolle spielen darf. Aber die
       Unzufriedenheit und die Frustration junger Menschen sind aus meiner Sicht
       absolut nachvollziehbar.“
       
       29 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Jugendproteste-Wer-ist-Gen-Z-regelt-und-was-wollen-sie/!6225282
 (DIR) [2] /Proteste-in-Frankreich/!6225097
 (DIR) [3] /Polizei-ohne-Gnade-bei-den-Gen-Z-Protesten-Was-richten-solche-Drohungen-der-Politik-an/!6225351
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yağmur Ekim Çay
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Gen Z regelt
 (DIR) Polizei Hessen
 (DIR) Hessen
 (DIR) Felix Banaszak
 (DIR) Sozialproteste
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Soziologe zu „Gen Z regelt“-Demos: „Was die CDU macht, ist gemeingefährlich“
       
       Gen-Z-Proteste drücken das Gefühl von Zukunftslosigkeit aus, sagt der
       Protestsoziologe Simon Teune. Rassismus und Repression vertieften die
       Entfremdung.
       
 (DIR) Der Politik-Podcast der taz: Wütende Jugend: Was ist los in Europa?
       
       Frankreich erlebt eine Protestwelle, die sich in andere Länder ausbreitet.
       Auch in Deutschland sind Proteste geplant. Woher kommt die Wut der jungen
       Leute?
       
 (DIR) „Gen Z regelt“-Proteste: Keiner muss an Halloween auf die Straße gehen
       
       Nach den Unruhen von Paris und Mailand fragte die Presse unablässig nach
       hiesigen Protesten. Niemand muss diese Erwartungshaltung erfüllen.
       
 (DIR) Jurist über Gen-Z-Proteste: „Politiker nehmen Einschüchterung bewusst in Kauf“
       
       CDU und Polizeigewerkschaft drohen bei den Gen-Z-Protesten mit einer
       Polizei ohne Gnade. Der Jurist Michael Plöse erklärt, was solche Äußerungen
       anrichten.