# taz.de -- Echter Horror an Halloween: Nadeln und Nägel in Süßigkeiten
> In ganz Deutschland tauchen nach der Gruselnacht manipulierte Süßigkeiten
> auf. Ein Kind wird verletzt. Wie groß die Gefahr wirklich ist.
(IMG) Bild: Ein Vater hatte dieses Bonbon bei der Halloween-Ausbeute seiner Tochter entdeckt, Kreis Lippe
dpa | Nach Halloween sind in zahlreichen Bundesländern Nadeln, Nägel und
andere Metallgegenstände in gesammelten Süßigkeiten entdeckt worden. Im
niedersächsischen Bremervörde verletzte sich eine Neunjährige an einer fünf
Zentimeter langen Stecknadel in einem Schokoriegel an der Zunge. Andere
Kinder blieben – teils trotz Bisses in präparierte Süßigkeiten –
unverletzt. Die Polizei meldet immer mehr dieser Fälle.
Vielerorts gehen die Beamten davon aus, dass die Süßigkeiten absichtlich
manipuliert wurden – und ermitteln wegen des Verdachts der versuchten
gefährlichen Körperverletzung. Die Polizei warnt vor dem Verzehr
verdächtiger Süßwaren und ruft Eltern zur Kontrolle der Halloween-Ausbeute
auf. Hintergründe und mögliche Zusammenhänge der Taten sind bislang unklar.
## Fälle im ganzen Bundesgebiet – und in Österreich
In zahlreichen Bundesländern wurden Polizeiberichten zufolge Süßigkeiten
mit Nadeln, Nägeln, Schrauben und anderen Metallteilen manipuliert.
Betroffen sind Schokoriegel, Kaubonbons, Weingummi und Waffelschnitten.
Fälle wurden etwa gemeldet in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen,
Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt,
Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen. Selbst in Österreich wurden
Funde öffentlich.
Im bayerischen Landshut etwa steckten Schrauben in Kaubonbons und
Schokoriegeln. Eine Neunjährige aus Hannover fand in drei einzeln
verpackten Süßigkeiten – einem Schokoriegel und zwei Kaubonbons – jeweils
eine Nähnadel. In Essen bemerkte ein Vater verdächtige Einstichlöcher in
der Verpackung eines Schokoriegels, den sein 13-jähriger Sohn bekommen
hatte. Er entdeckte eine spitze Nadel.
## „Das ist einfach nur krank!“
In Garbsen bei Hannover meldete eine Frau eine Nähnadel in einem
Schokoriegel, den sie nach eigenen Angaben am Freitag bei einem
Lebensmittelhändler gekauft hatte. Auch hier sind die Hintergründe unklar.
„Das ist einfach nur krank. Wer macht so etwas?“, sagte eine Passantin in
Hannover der dpa. „Was sind das für Menschen, was geht in deren Kopf vor?“
Von den Gegenständen kann große Gefahr ausgehen. In den meisten Fällen
wurden die Metallteile aber noch rechtzeitig entdeckt. Im pfälzischen
Mackenbach etwa bemerkte ein neunjähriger Junge beim Hineinbeißen in eine
Fruchtgummistange einen darin steckenden Metallnagel. Er blieb unverletzt.
Auch im oberbayerischen Gräfelfing biss ein Neunjähriger in ein Kaubonbon
mit einer Nadel. Er spuckte es sofort wieder aus und blieb unverletzt.
Auf Fehmarn entdeckte eine Elfjährige noch während ihrer Halloween-Tour
eine Nähnadel, als sie einen Schokoriegel in zwei Teile brach. Außerdem
klagte eine der beiden 11-Jährigen über Übelkeit und Bauchschmerzen,
nachdem sie seltsam schmeckende Weingummis probiert hatte. Die andere
berichtete von Kopfschmerzen. In Schönberg in Mecklenburg-Vorpommern wurden
ebenfalls Nadeln in Schokoriegeln gefunden.
## Mutter scannt Süßigkeiten mit Magneten – und wird fündig
In Filderstadt bei Stuttgart meldeten zwei Familien am späten Samstagabend
Nadeln in Milch-Haselnuss-Schnitten. Eine Mutter aus der Stadt verfolgte
die Berichte über die präparierten Süßigkeiten und scannte die
Halloween-Ausbeute ihrer Tochter mit einem Magneten. Sie wurde fündig: In
einem verpackten Kaubonbon steckte ebenfalls eine Nähnadel.
Auch in Thüringen laufen Ermittlungen zu mehreren Funden. In mehreren Orten
wurden nach Polizeiangaben drei bis sechs Zentimeter lange Nadeln in
Schokoriegeln, Schokowaffeln und Kaubonbons entdeckt. In einem Ort im
Landkreis Eichsfeld steckte zudem eine Nadel in einem Apfel. In Umpferstedt
im Kreis Weimarer Land fanden elf und zwölf Jahre alte Geschwister
Kaubonbons mit Tacker-Nadeln.
## Viele Haustüren, wenige Anhaltspunkte
Ob zwischen den ganzen Fällen in unterschiedlichen Regionen ein
Zusammenhang besteht, ist nicht geklärt. Die Herkunft einzelner Süßigkeiten
lässt sich nur schwer rekonstruieren: Die Kinder klingeln an zahlreichen
Haustüren und wissen später nicht mehr, woher welcher Riegel stammt.
Auch in früheren Jahren gab es ähnliche Funde. 2025 entdeckte etwa eine
Mutter in Mittelfranken einen zwei Zentimeter langen Nagel in einer
Süßigkeit ihrer Tochter. Die aktuelle Häufung von Fällen im Bundesgebiet
ist aber sehr auffällig. Inwieweit etwa ein Trend in sozialen Medien
dahinterstehen könnte, ist noch völlig unklar. Das Bundeskriminalamt machte
zunächst keine Angaben.
## Kontrollieren und mögliche Spuren erhalten
Eltern sollten gesammelte Süßigkeiten vor dem Essen sorgfältig prüfen, rät
die Polizei. Warnzeichen sind Einstichstellen, beschädigte Verpackungen
oder ein ungewöhnlicher Geruch. Verdächtige Süßigkeiten sollten samt
Verpackung aufbewahrt und der Polizei gemeldet werden. „Mögliche
Fremdkörper sollten nach Möglichkeit nicht selbst entfernt werden, um
vorhandene Spuren zu erhalten“, heißt es etwa von der Polizei Konstanz.
Besteht der Verdacht, dass ein Kind eine Nadel verschluckt hat, ist sofort
ärztliche Hilfe erforderlich: Spitze Gegenstände können schwere innere
Verletzungen verursachen. Zugleich warnen die Behörden aber vor Panik.
„Nicht jeder Kopfschmerz oder jede Übelkeit muss auf den Verzehr von
möglicherweise manipulierten Süßigkeiten zurückzuführen sein“, schreibt
etwa die Polizei Bad Segeberg.
2 Nov 2026
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