# taz.de -- Wahlen in Israel: Kein klarer Weg zur Mehrheit
       
       > Erste Prognosen sehen das Anti-Netanjahu-Lager vorn, klare Mehrheiten
       > gibt es aber nicht. Erst am Donnerstag ist mit einem Endergebnis zu
       > rechnen.
       
 (IMG) Bild: In Israel ist der Wahltag ein Feiertag: Frau mit israelischer Flagge in Tel Aviv
       
       Israel wählt heute ein neues Parlament. Zum ersten Mal seit dem
       Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg in Gaza.
       Für Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geht es um den Machterhalt, für
       das Land um eine politische Richtungsentscheidung. Umfragen deuten auf ein
       knappes Rennen zwischen dem rechts-religiösen Regierungslager und der
       Opposition um Gadi Eisenkot hin. Wer kann künftig regieren und was bedeutet
       die Wahl für die Region? Und was sagen die Leute an den Urnen? Die
       wichtigsten Entwicklungen, Ergebnisse und Reaktionen im taz-Liveticker. 
       
       ## 🐾 Netanjahu vorne, Regierungsblock hinten
       
       „Netanjahus Partei Likud gewinnt zwar die meisten Stimmen, der
       Regierungsblock selbst verliert jedoch massiv. Die arabischen Parteien
       gewinnen deutlich.“ Mit [1][dem Wahlbericht von Nahost-Redakteurin Lisa
       Schneider] endet dieser Liveticker. Weitere Berichterstattung zur Wahl
       finden Sie ab morgen früh [2][hier] und direkt auf taz.de.
       
       ## 21.30 Uhr: Kein klarer Weg zur Mehrheit
       
       Weder das Lager Netanjahus noch das Lager seiner politischen Rivalen –
       jeweils mehrere Parteien – erreichen laut Nachwahlbefragungen die absolute
       Mehrheit. Damit bestätigen sich die Erwartungen der meisten Analystinnen
       und Analysten. Ob es nun aber [3][zu Koalitionsverhandlungen, einer
       Minderheitsregierung oder zu Neuwahlen kommt], lässt sich vorerst nicht
       absehen.
       
       Etwas werden sich die Zahlen noch bewegen: Die Stimmen Hunderttausender
       israelischer Soldaten und Reservisten werden turnusmäßig erst ab Mittwoch
       ausgezählt. Dieser Wählergruppe wird eine starke Unterstützung rechter
       Parteien zugeschrieben.
       
       Mit vorläufigen Endergebnissen wird dann am Donnerstag gerechnet. Die
       offiziellen Ergebnisse sollen acht Tage nach der Wahl veröffentlicht
       werden. Erst danach beauftragt Präsident Izchak Herzog jenen Kandidaten mit
       der Regierungsbildung, dem die besten Chancen auf eine Mehrheit eingeräumt
       werden. (taz/dpa)
       
       ## 21.09 Uhr: Anti-Netanjahu-Block vorn, Likud stärkste Kraft
       
       Bei der Parlamentswahl in Israel ist vorerst kein klarer Sieger zu
       erkennen. Weder Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch sein ‌wichtigster
       Herausforderer Gadi Eisenkot können mit einer klaren Mehrheit in der 120
       Sitze zählenden Knesset rechnen, wie aus Wählerbefragungen großer
       Fernsehsender hervorgeht. Die rechtskonservative Likud-Partei von
       Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist laut Prognosen stärkste Kraft.
       Zweitstärkste Partei würde die Mitte-Partei Jaschar des Ex-Militärchefs
       Gadi Eisenkot. Dessen Block liegt in den Nachwahlbefragungen mit 52 Sitzen
       knapp vor Netanjahus Regierungsbündnis mit 50 Sitzen. Die verbleibenden 18
       Sitze gingen demnach an arabische Parteien: die Joint List, die aus den
       Parteien Hadash, Ta’al und Balad besteht. Und die [4][Ra’am, auf die es bei
       einer Regierungsbildung jetzt ankommen könnte]. (dpa/rtr/taz, aktualisiert)
       
       ## 20.55 Uhr: Gleich gibt es erste Zahlen
       
       In wenigen Minuten schließen die Wahllokale. Dann werden erste Prognosen
       auf Grundlage von Nachwahlbefragungen veröffentlicht, die sogenannten „Exit
       Polls“. Mit einem endgültigen Ergebnis ist erst am Donnerstag zu rechnen.
       (taz)
       
       ## 🐾 Bleibt alles anders?
       
       In einer Schicksalswahl geben heute Israelis einer von 36 Parteien ihre
       Stimme. Lisa Schneider, Ulrich Gutmair und Tamar Ziff [5][haben sechs von
       ihnen nach ihren Hoffnungen und Befürchtungen gefragt.] (taz)
       
       20.00 Uhr: Wahlbeteiligung bereits bei 74,3 Prozent 
       
       Eine Stunde haben die Wahllokale in Israel noch geöffnet. Und bereits 74,3
       Prozent der Wahlberechtigten haben laut der Wahlbehörde bereits ihre Stimme
       abgegeben. Damit ist die Beteiligung bereits jetzt höher als 2022. Zur
       letzten Knesset-Wahl hatten 70,6 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt.
       Nur 1988 hatten zu dieser Uhrzeit mehr Menschen zu den Urnen gefunden.
       (taz, haaretz)
       
       19.43 Uhr: Wahlkommission weist Likud-Antrag ab 
       
       Die Zentrale Wahlkommission in Israel hat einen Antrag der Likud-Partei von
       Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf eine Verlängerung der
       Öffnungszeiten der Wahllokale abgewiesen. Die hohe Wahlbeteiligung in allen
       Teilen der Gesellschaft zeuge von einem starken demokratischen Engagement,
       erklärte die Wahlkommission am Dienstag. Es sei keine Notwendigkeit
       festgestellt worden, die Stimmabgabe über 22.00 Uhr (Ortszeit, 21.00 Uhr
       MEZ) hinaus zu verlängern.
       
       ## 17.55 Uhr: Netanjahus Partei fordert länger geöffnete Wahllokale
       
       Bei der Parlamentswahl in Israel hat die Likud-Partei von Ministerpräsident
       Benjamin Netanjahu eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale
       beantragt. „Wir haben einen Antrag gestellt, um die Zeiten für die
       Stimmabgabe zu verlängern“, erklärte die konservative Partei am Dienstag im
       Onlinedienst Telegram. Die Netanjahu-Partei versuchte zudem, ihre Wähler zu
       mobilisieren: „Wählt nur Likud“, schrieb sie auf Telegram.
       
       Die Partei Jaschar des Mitte-Rechts-Oppositionspolitikers Gadi Eisenkot
       wandte sich „entschieden“ gegen verlängerte Öffnungszeiten der Wahllokale.
       „Es hat sich kein außergewöhnlicher Vorfall ereignet, der die Gewährung
       dieses Antrags rechtfertigen würde“, erklärte die Partei von Netanjahus
       aussichtsreichstem Herausforderer. Der Antrag ziele darauf ab, „den Boden
       für Anschuldigungen zu bereiten, mit denen die Integrität der Wahl infrage
       gestellt werden soll“.
       
       Die Wahllokale schließen eigentlich um 22.00 Uhr (Ortszeit, 21.00 Uhr MEZ),
       danach werden erste Hochrechnungen erwartet.
       
       ## 17.20 Uhr: Wahlbeteiligung in Netanjahus Hochburgen unter Durchschnitt
       
       Die Wahlbeteiligung in einigen der größten Städte und Gemeinden, die
       Premierminister Benjamin Netanjahu 2022 mit überwältigender Mehrheit
       unterstützt hatten, liegt laut den vom Zentralen Wahlausschuss
       veröffentlichten Daten unter dem nationalen Durchschnitt, berichtet die
       israelische Tageszeitung Ha'aretz. So etwa in der nördlichen Stadt Kiryat
       Shmona, in Beer Sheva im Süden des Landes und in Bat Yam, einem Vorort von
       Tel Aviv.
       
       Netanjahu bekommt offensichtlich (erneut) kalte Füße und beantragt eine
       Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale. „Wir haben einen Antrag
       gestellt, um die Zeiten für die Stimmabgabe zu verlängern“, hieß es vom
       Likud am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Gadi Eisenkots Yashar-Partei
       hingegen lehnte den Antrag des Likud ab. Die Partei erklärte in einer
       Stellungnahme:
       
       „Der Antrag zielt darauf ab, den Boden für Behauptungen zu bereiten, die
       die Integrität der Wahl infrage stellen, und knüpft an die Lügen an, die
       Netanjahu seit heute Morgen verbreitet. Es ist kein außergewöhnliches
       Ereignis eingetreten, das eine Genehmigung rechtfertigen würde.“ (jp, afp)
       
       ## 17.00 Uhr: Höchste Wahlbeteiligung seit Aufzeichnung
       
       Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission liegt die landesweite
       Wahlbeteiligung um 16 Uhr bei 55,7 % – der höchste Wert, der jemals zu
       dieser Uhrzeit verzeichnet wurde. Vor der Wahl 1973 wurden keine
       entsprechenden Daten erhoben. (haaretz, jp)
       
       ## 16.30 Uhr: Likud verbreitet Angst vor Wahlbetrug
       
       Auf Bannern des Likud heißt es: „Lasst nicht zu, dass sie die Wahlen
       manipulieren. Habt ihr gewählt? Teilt es uns mit.“ Damit wird die
       Verschwörungstheorie von Wahlbetrug durch Oppositionsgruppen verbreitet und
       gegen den Grundsatz des Wahlgeheimnisses verstoßen. Dies ist die erste
       Wahl, bei der es Wahlhelfern während der Wahl untersagt ist, die Zahl der
       Stimmen für eine bestimmte Partei zu zählen und diese an die
       Parteivertreter weiterzugeben. (tz)
       
       ## 16.20 Uhr: Eindrücke aus der Masada-Straße in Haifa
       
       Wenn man die Masada-Straße in Haifa entlanggeht, hört man fast kein
       Hebräisch, sondern nur Russisch und Arabisch, und kommt an vielen
       angesagten Cafés und Bars vorbei, in denen junge Leute Bier trinken.
       Interessanterweise gibt es hier, anders als im Viertel Merkaz Hacarmel,
       Stände und Schilder des Likud. Ultraorthodoxe Juden, säkulare Russen sowie
       arabische Männer und Frauen – mit und ohne Hidschab – betreten das Gebäude,
       um ihre Stimme abzugeben. Der Likud-Stand befindet sich direkt neben dem
       Stand der arabisch geprägten Vereinigten Liste, wo Aktivisten Flugblätter
       für den „sozialistischen Kampf“ verteilen. Eine Aktivistin der Demokraten
       sagt, sie sei überrascht, wie viele ihrer Partei die Stimme geben wollten.
       (tz)
       
       ## 🐾 Koalitionsmöglichkeiten in Israel
       
       Laut Umfragen kommen weder Regierung noch zionistische Opposition auf die
       zur Regierungsbildung nötigen 61 Mandate. Welche Koalitionsmöglichkeiten
       gibt es? [6][Nahostredakteurin Lisa Schneider berichtet über die fünf
       Szenarien für die Regierungsbildung]
       
       ## 16:01 Uhr: Hauptsache, nicht Netanjahu
       
       Ein junger Mann aus Ramallah schreibt der taz: Er wisse gar nicht so genau,
       welche Parteien in Israel an diesem Dienstag eigentlich zur Wahl antreten.
       Einer Sache ist er sich allerdings sicher: „Ich wünsche mir, dass nicht
       wieder Netanjahu gewinnt.“ (lks)
       
       ## 15.51 Uhr: Stürmisches Wetter erschwert Stimmabgabe in Teilen Israels
       
       Regen und stürmisches Wetter in Teilen des Landes erschweren Israelis die
       Stimmabgabe. Der Wetterdienst teilte am Dienstagmittag mit, dass sich in
       mehreren Gebieten im Süden und im Zentrum des Landes Gewitter entwickelten.
       Es bestehe die Gefahr von Sturzfluten. Die Polizei berichtete von mehreren
       Straßensperrungen im Süden. (ap)
       
       ## 15.05 Uhr: Hoffnung bei Demokraten-Aktivist:innen
       
       Eine Gruppe junger Demokraten-Aktivist:innen an einer Haltestelle in Haifa
       ist gerade mit ihrer Schicht fertig. Sie haben den Vormittag damit
       verbracht, Menschen zum Wählen zu motivieren. Sie zeigen sich
       hoffnungsvoll.
       
       Gespräch mit einem Wähler: Yuval ist Arzt und arbeitet in Haifa. Er
       sympathisiert mit den Linken, hat aber Gadi Eisenkot gewählt. „Gadi muss
       Premierminister werden“, sagt er. „Yair Golan ist gut, aber sollte lieber
       Sicherheitsminister werden und bei den Siedlern im Westjordanland
       aufräumen. Die Position muss jemand machen, der stark ist.“ (tz)
       
       ## 14.35 Uhr: Unregelmäßigkeiten in strengreligiösen Gemeinden
       
       Berichten der israelischen Zeitung Ha'aretz zufolge hat die „Civil Election
       Guard“, eine Organisation, die landesweit mehr als 20.000 Wahlbeobachter in
       Wahllokalen einsetzt, eine Reihe von Störungen in ultraorthodoxen Gemeinden
       beobachtet: Stimmzettel der Partei „Haredi Public“ seien entwendet worden.
       
       Die frisch gegründete Partei „Haredi Public“ will eine moderatere
       Alternative zu den etablierten ultraorthodoxen Parteien „United Torah
       Judaism“ und „Shas“ bieten und stellt auch Frauen auf ihrer Liste auf.
       Jüngsten Umfragen zufolge wird die Partei den Sprung über die
       3,25-Prozent-Hürde nicht schaffen.
       
       Die Störungen sollen sich in 20 verschiedenen Wahllokalen abgespielt haben,
       unter anderem in Jerusalem und Bnei Brak. Dabei wurden Stapel von
       Stimmzetteln der Partei aus den Wahlkabinen entfernt oder unter denen
       anderer Parteien versteckt. (haaretz, jp)
       
       ## 14.25 Uhr: Stundenlanges Warten hier, gähnende Leere dort
       
       Anders als in zahlreichen Wahllokalen des Landes ist an einer der
       Wahlstationen im Zentrum von Jaffa fast nichts mehr los. Eine ältere Dame
       mit buntem Kopftuch verlässt das Gebäude; neben ihr gähnt ein
       Sicherheitsmann. Am Zaun vor der Schule hängen Plakate der Joint List, aber
       auch Plakate der Likud, auf denen diese vor einer Koalition der arabischen
       Parteien mit den Oppositionsparteien von etwa Eisenkot warnen. (lks)
       
       ## 14.20 Uhr: Höchste Wahlbeteiligung seit 1973
       
       Bei der Parlamentswahl in Israel verzeichnet die zentrale Wahlkommission
       nach eigenen Angaben die höchste Beteiligung seit 1973. Bis 13.00 Uhr MEZ
       haben demnach bereits 44,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme
       abgegeben. (dpa)
       
       ## 12.35 Uhr: Urnengang verschoben
       
       Eine junge Frau in ihren Dreißigern aus Ajami, südlich des Tel Aviver
       Zentrums, erzählt, sie wollte bereits um 7.30 Uhr zu ihrem Wahllokal gehen
       – doch es sei noch geschlossen gewesen. Um 7 Uhr hätte es eigentlich öffnen
       sollen. „Israel eben“, witzelt sie. Ihre Stimme hat sie noch nicht
       abgegeben, die Schlangen sind ihr nun zu lange. Am Abend will sie es noch
       mal versuchen.
       
       Die zentrale Wahlkommission kündigte angesichts der hohen Wahlbeteiligung
       und der langen Schlangen an, dass sämtliche Wahllokale bis 22 Uhr geöffnet
       bleiben. Normalerweise sind die Wahllokale in kleineren Ortschaften nur bis
       20 Uhr geöffnet. (lks, jp)
       
       ## 12.30 Uhr: Netanjahu wiegelt gegen arabische Parteien auf
       
       Netanjahu macht weiter gegen arabische Parteien und Wähler*innen
       Stimmung. Auf X twittert er: „Busse fahren zu den Wahllokalen, und aus den
       arabischen Ortschaften werden riesige Warteschlangen gemeldet. Und
       unterdessen rühren sich die Hochburgen der Rechten nicht! Wenn wir jetzt
       nicht zur Wahl gehen, werden wir eine Regierung der arabischen Parteien
       bekommen. Man darf nicht zu Hause bleiben. Jede Stimme zählt! Geht jetzt
       wählen.“
       
       Der Tweet erinnert an einen Facebook-Post Netanjahus aus dem Jahr 2015.
       Ebenfalls am Wahltag hatte er damals von „arabischen Wählern“, die „in
       Scharen in die Wahllokale“ ziehen, geschrieben: „Linksorientierte
       Organisationen bringen sie in Bussen dorthin.“ Der Post hatte für Aufruhr
       gesorgt und ihm Rassismusvorwürfe eingebracht. Nach den Wahlen hatte
       Netanjahu sich dafür entschuldigt. (jp)
       
       ## 12.30 Uhr: Mutmaßlicher Angriff auf Yair Golan
       
       Bei einer Wahlkampftour von Yair Golan, Parteivorsitzender der Demokraten,
       in Tel Aviv wurde ein Mann festgenommen. Berichten der Zeitung Ha'aretz
       zufolge hatte er ein Messer bei sich getragen und sich Golan in
       bedrohlicher Weise genähert.
       
       Zuvor hatte die Polizei Golans Gefahrenstufe auf vier von sechs angehoben.
       Am Montag übernahm der Sicherheitsdienst Shin Bet nach einem langwierigen
       Rechtsstreit die Verantwortung für seinen Personenschutz. (Ha'aretz, jp)
       
       ## 11.15 Uhr: Mangel an arabischsprachigen Stimmzetteln
       
       Es gibt Berichte über einen Mangel an arabischsprachigen Stimmzetteln in
       Wahllokalen in mehreren gemischt bevölkerten oder mehrheitlich arabischen
       Städten im Norden, darunter auch Jerusalem. Derweil wurden laut der
       israelischen Tageszeitung Ha’aretz drei Beduinen aus dem Negev wegen des
       Verdachts der Bestechung festgenommen. Bei ihnen sollen Umschläge mit Geld
       und Stimmzetteln für die Ra’am-Partei gefunden worden seien. Die drei
       wurden zur Vernehmung mitgenommen. Der Likud und die rechten Parteien
       werfen den [7][arabischen Parteien] bei Wahlen regelmäßig Betrug vor.
       Ha’aretz berichtete außerdem, dass [8][Eisenkots] Yashar-Partei und die
       kleinere Partei Amcha Israel sich an die Wahlkommission gewandt hätten und
       behaupteten, Stimmzettel seien verschwunden oder auf andere Weise
       manipuliert worden. Diese Berichte wurden bislang nicht bestätigt. (tz)
       
       ## 11.00 Uhr: Lange Schlangen vor den Wahllokalen
       
       Ich gebe meine Stimme im Merkaz Hacarmel in Haifa ab, wo sich ältere
       Aschkenasim (aus Europa stammende Juden) und Russen sowie vereinzelt junge
       Familien mischen. Diese Gegend in Haifa ist durchweg liberal und eher
       säkular. Vor dem Wahllokal stehen Stände von Yashar (Gadi Eisenkots
       Partei), Beyachad (Bennetts Partei) und den Demokraten unter Yair Golan.
       Keine Stände von noch weiter rechts stehenden oder religiösen Gruppen.
       
       Die Menschen in den Warteschlangen sagen, sie hätten noch nie so lange auf
       die Stimmabgabe gewartet, die Warteschlangen seien überall unglaublich
       lang. Wir warten nun schon seit etwa einer Stunde, und ähnliche Berichte
       kommen von Bekannten in anderen Städten. (tz)
       
       ## 10.00 Uhr: Wahlbeteiligung die höchste seit 45 Jahren
       
       Die ersten Zahlen deuten auf eine hohe Wahlbeteiligung hin. Laut der
       zentralen Wahlkommission liegt die Wahlbeteiligung um 10.00 Uhr bei über 16
       Prozent, damit liegt sie Medienberichten zufolge so hoch wie seit 45 Jahren
       nicht. (jp)
       
       ## 9.45 Uhr: Eindrücke auf den Straßen von Tel Aviv
       
       Im Zentrum des liberalen Tel Aviv vor einem Café. Vier Frauen
       offensichtlich marokkanischer Herkunft: „Wenn Bibi verliert, wird es hier
       bald so aussehen wie in Frankreich mit den Arabern, die alles bestimmen.“
       
       [9][Tausende Israelis sind in den letzten Tagen aus dem Ausland nach Hause
       geeilt, um an der Schicksalswahl teilzunehmen.] Denn man muss im Land sein,
       um in Israel wählen zu können. „Ist Joel aus Berlin gekommen?“, fragt eine.
       „Nein. Gut so, er würde eh eine der arabischen Parteien wählen.“ (mm)
       
       ## 08.00 Uhr: Die Ruhe vor dem Sturm?
       
       Der Wahltag in Israel beginnt mit einer für einen Wochentag ungewöhnlichen
       Ruhe. Die Straßen sind um acht Uhr morgens noch leer, die Stadtbusse in Tel
       Aviv kommen ausnahmsweise pünktlich. Auch an den Bahnhöfen ist es recht
       leer. Denn der Wahltag ist ein öffentlicher Feiertag in Israel; viele Büros
       bleiben geschlossen.
       
       Am späteren Vormittag in Jaffa rufen Aktivisten der Bewegung Standing
       Together auf Arabisch in ein Megafon: Geht wählen! In einem Café sitzen
       Aktivisten der arabischen Joint List und telefonieren beschäftigt. Die
       Straße entlang fährt ein Auto, behängt mit Fahnen der anderen arabischen
       Wahlliste, Ra'am.
       
       Auch weiter nördlich, im hippen Zentrum Tel Avivs, hängen Fahnen
       verschiedener Parteien an den Balkonen, Parteimitglieder laufen durch die
       Straßen und verteilen Flyer. (lks)
       
       ## 07.00 Uhr: Die Wahllokale sind geöffnet
       
       In Israel hat die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Überfall begonnen. Am
       Dienstagmorgen um 07.00 Uhr (Ortszeit, 06.00 Uhr MEZ) öffneten die
       Wahllokale des Landes. Die Abstimmung gilt als Wahl über die künftige
       Ausrichtung Israels. Zwar hat die Opposition gute Chancen, die amtierende
       Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu abzulösen. Allerdings
       wird ein enges Rennen erwartet. Mit ersten Hochrechnungen wird nach
       Schließung der Wahllokale um 22.00 Uhr (Ortszeit, 21.00 Uhr MEZ) gerechnet.
       
       Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.
       Mehr als eine halbe Million junge Menschen sind als Erstwähler registriert.
       Umfragen zufolge ordnen sie sich mehrheitlich dem Mitte-rechts-Spektrum
       oder dem rechten politischen Lager zu. Schätzungen zufolge sind zudem
       zehntausende Israelis aus dem Ausland angereist, um an dieser wichtigen
       Wahl teilzunehmen. (afp)
       
       27 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Vorlaeufige-Wahlergebnisse-in-Israel/!6225565
 (DIR) [2] /Israel/!t5007708
 (DIR) [3] /Israel-waehlt/!6224719
 (DIR) [4] /Wahl-in-Israel/!6222304
 (DIR) [5] /Wahl-in-Israel/!6225277
 (DIR) [6] /Israel-waehlt/!6224719
 (DIR) [7] /Israels-Vorgehen-im-Westjordanland/!6220368
 (DIR) [8] /Israelischer-Oppositionsfuehrer/!6197371
 (DIR) [9] /Israel-waehlt/!6224719
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tamar Ziff
 (DIR) Lisa Schneider
 (DIR) Maimon Maor
 (DIR) Judith Poppe
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Israel
 (DIR) Parlamentswahlen
 (DIR) Benjamin Netanjahu
 (DIR) GNS
 (DIR) Gaza-Krieg
 (DIR) Gaza
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Knesset-Wahl in Israel: Es bleibt kompliziert
       
       Premier Benjamin Netanjahu hat die meisten Stimmen geholt, aber keine
       Mehrheit. Ein neuer Irankrieg dürfte die Regierungsbildung begleiten.
       
 (DIR) Stimmauszählung nach der Wahl in Israel: Netanjahus Block weiterhin in Führung
       
       Nach der Auszählung von knapp 80 Prozent aller Stimmen liegt Netanjahus
       Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Wer künftig Israel regieren wird,
       bleibt offen.
       
 (DIR) Wahl in Israel: Bleibt alles anders?
       
       An diesem Dienstag geben Israelis in einer Schicksalswahl einer von 36
       Parteien ihre Stimme. Wir haben sechs von ihnen nach ihren Hoffnungen und
       Befürchtungen gefragt.
       
 (DIR) Israel wählt: Fünf Szenarien für die Regierungsbildung
       
       Laut Umfragen kommen weder Regierung noch zionistische Opposition auf die
       zur Regierungsbildung nötigen 61 Mandate. Welche Koalitionsmöglichkeiten
       gibt es?
       
 (DIR) Kurz vor den Wahlen in Israel: Netanjahu setzt im Wahlkampf nochmal einen drauf
       
       Am Dienstag wählt Israel ein neues Parlament; der Premier macht mit
       Aussagen zu Sanktionen Furore. In Hebron verlieren derweil Palästinenser
       den Zugang zu ihren Häusern.
       
 (DIR) Wahlen in Israel: Wenn wirklich jede Stimme zählt
       
       Netanjahus rechtsextreme Regierung hat trotz allem weiterhin treue
       Anhänger. Was steht bei der Wahl alles auf dem Spiel?