# taz.de -- Wahlen in Israel: Kein klarer Weg zur Mehrheit
> Erste Prognosen sehen das Anti-Netanjahu-Lager vorn, klare Mehrheiten
> gibt es aber nicht. Erst am Donnerstag ist mit einem Endergebnis zu
> rechnen.
(IMG) Bild: In Israel ist der Wahltag ein Feiertag: Frau mit israelischer Flagge in Tel Aviv
Israel wählt heute ein neues Parlament. Zum ersten Mal seit dem
Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg in Gaza.
Für Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geht es um den Machterhalt, für
das Land um eine politische Richtungsentscheidung. Umfragen deuten auf ein
knappes Rennen zwischen dem rechts-religiösen Regierungslager und der
Opposition um Gadi Eisenkot hin. Wer kann künftig regieren und was bedeutet
die Wahl für die Region? Und was sagen die Leute an den Urnen? Die
wichtigsten Entwicklungen, Ergebnisse und Reaktionen im taz-Liveticker.
## 🐾 Netanjahu vorne, Regierungsblock hinten
„Netanjahus Partei Likud gewinnt zwar die meisten Stimmen, der
Regierungsblock selbst verliert jedoch massiv. Die arabischen Parteien
gewinnen deutlich.“ Mit [1][dem Wahlbericht von Nahost-Redakteurin Lisa
Schneider] endet dieser Liveticker. Weitere Berichterstattung zur Wahl
finden Sie ab morgen früh [2][hier] und direkt auf taz.de.
## 21.30 Uhr: Kein klarer Weg zur Mehrheit
Weder das Lager Netanjahus noch das Lager seiner politischen Rivalen –
jeweils mehrere Parteien – erreichen laut Nachwahlbefragungen die absolute
Mehrheit. Damit bestätigen sich die Erwartungen der meisten Analystinnen
und Analysten. Ob es nun aber [3][zu Koalitionsverhandlungen, einer
Minderheitsregierung oder zu Neuwahlen kommt], lässt sich vorerst nicht
absehen.
Etwas werden sich die Zahlen noch bewegen: Die Stimmen Hunderttausender
israelischer Soldaten und Reservisten werden turnusmäßig erst ab Mittwoch
ausgezählt. Dieser Wählergruppe wird eine starke Unterstützung rechter
Parteien zugeschrieben.
Mit vorläufigen Endergebnissen wird dann am Donnerstag gerechnet. Die
offiziellen Ergebnisse sollen acht Tage nach der Wahl veröffentlicht
werden. Erst danach beauftragt Präsident Izchak Herzog jenen Kandidaten mit
der Regierungsbildung, dem die besten Chancen auf eine Mehrheit eingeräumt
werden. (taz/dpa)
## 21.09 Uhr: Anti-Netanjahu-Block vorn, Likud stärkste Kraft
Bei der Parlamentswahl in Israel ist vorerst kein klarer Sieger zu
erkennen. Weder Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch sein wichtigster
Herausforderer Gadi Eisenkot können mit einer klaren Mehrheit in der 120
Sitze zählenden Knesset rechnen, wie aus Wählerbefragungen großer
Fernsehsender hervorgeht. Die rechtskonservative Likud-Partei von
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist laut Prognosen stärkste Kraft.
Zweitstärkste Partei würde die Mitte-Partei Jaschar des Ex-Militärchefs
Gadi Eisenkot. Dessen Block liegt in den Nachwahlbefragungen mit 52 Sitzen
knapp vor Netanjahus Regierungsbündnis mit 50 Sitzen. Die verbleibenden 18
Sitze gingen demnach an arabische Parteien: die Joint List, die aus den
Parteien Hadash, Ta’al und Balad besteht. Und die [4][Ra’am, auf die es bei
einer Regierungsbildung jetzt ankommen könnte]. (dpa/rtr/taz, aktualisiert)
## 20.55 Uhr: Gleich gibt es erste Zahlen
In wenigen Minuten schließen die Wahllokale. Dann werden erste Prognosen
auf Grundlage von Nachwahlbefragungen veröffentlicht, die sogenannten „Exit
Polls“. Mit einem endgültigen Ergebnis ist erst am Donnerstag zu rechnen.
(taz)
## 🐾 Bleibt alles anders?
In einer Schicksalswahl geben heute Israelis einer von 36 Parteien ihre
Stimme. Lisa Schneider, Ulrich Gutmair und Tamar Ziff [5][haben sechs von
ihnen nach ihren Hoffnungen und Befürchtungen gefragt.] (taz)
20.00 Uhr: Wahlbeteiligung bereits bei 74,3 Prozent
Eine Stunde haben die Wahllokale in Israel noch geöffnet. Und bereits 74,3
Prozent der Wahlberechtigten haben laut der Wahlbehörde bereits ihre Stimme
abgegeben. Damit ist die Beteiligung bereits jetzt höher als 2022. Zur
letzten Knesset-Wahl hatten 70,6 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt.
Nur 1988 hatten zu dieser Uhrzeit mehr Menschen zu den Urnen gefunden.
(taz, haaretz)
19.43 Uhr: Wahlkommission weist Likud-Antrag ab
Die Zentrale Wahlkommission in Israel hat einen Antrag der Likud-Partei von
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf eine Verlängerung der
Öffnungszeiten der Wahllokale abgewiesen. Die hohe Wahlbeteiligung in allen
Teilen der Gesellschaft zeuge von einem starken demokratischen Engagement,
erklärte die Wahlkommission am Dienstag. Es sei keine Notwendigkeit
festgestellt worden, die Stimmabgabe über 22.00 Uhr (Ortszeit, 21.00 Uhr
MEZ) hinaus zu verlängern.
## 17.55 Uhr: Netanjahus Partei fordert länger geöffnete Wahllokale
Bei der Parlamentswahl in Israel hat die Likud-Partei von Ministerpräsident
Benjamin Netanjahu eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale
beantragt. „Wir haben einen Antrag gestellt, um die Zeiten für die
Stimmabgabe zu verlängern“, erklärte die konservative Partei am Dienstag im
Onlinedienst Telegram. Die Netanjahu-Partei versuchte zudem, ihre Wähler zu
mobilisieren: „Wählt nur Likud“, schrieb sie auf Telegram.
Die Partei Jaschar des Mitte-Rechts-Oppositionspolitikers Gadi Eisenkot
wandte sich „entschieden“ gegen verlängerte Öffnungszeiten der Wahllokale.
„Es hat sich kein außergewöhnlicher Vorfall ereignet, der die Gewährung
dieses Antrags rechtfertigen würde“, erklärte die Partei von Netanjahus
aussichtsreichstem Herausforderer. Der Antrag ziele darauf ab, „den Boden
für Anschuldigungen zu bereiten, mit denen die Integrität der Wahl infrage
gestellt werden soll“.
Die Wahllokale schließen eigentlich um 22.00 Uhr (Ortszeit, 21.00 Uhr MEZ),
danach werden erste Hochrechnungen erwartet.
## 17.20 Uhr: Wahlbeteiligung in Netanjahus Hochburgen unter Durchschnitt
Die Wahlbeteiligung in einigen der größten Städte und Gemeinden, die
Premierminister Benjamin Netanjahu 2022 mit überwältigender Mehrheit
unterstützt hatten, liegt laut den vom Zentralen Wahlausschuss
veröffentlichten Daten unter dem nationalen Durchschnitt, berichtet die
israelische Tageszeitung Ha'aretz. So etwa in der nördlichen Stadt Kiryat
Shmona, in Beer Sheva im Süden des Landes und in Bat Yam, einem Vorort von
Tel Aviv.
Netanjahu bekommt offensichtlich (erneut) kalte Füße und beantragt eine
Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale. „Wir haben einen Antrag
gestellt, um die Zeiten für die Stimmabgabe zu verlängern“, hieß es vom
Likud am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Gadi Eisenkots Yashar-Partei
hingegen lehnte den Antrag des Likud ab. Die Partei erklärte in einer
Stellungnahme:
„Der Antrag zielt darauf ab, den Boden für Behauptungen zu bereiten, die
die Integrität der Wahl infrage stellen, und knüpft an die Lügen an, die
Netanjahu seit heute Morgen verbreitet. Es ist kein außergewöhnliches
Ereignis eingetreten, das eine Genehmigung rechtfertigen würde.“ (jp, afp)
## 17.00 Uhr: Höchste Wahlbeteiligung seit Aufzeichnung
Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission liegt die landesweite
Wahlbeteiligung um 16 Uhr bei 55,7 % – der höchste Wert, der jemals zu
dieser Uhrzeit verzeichnet wurde. Vor der Wahl 1973 wurden keine
entsprechenden Daten erhoben. (haaretz, jp)
## 16.30 Uhr: Likud verbreitet Angst vor Wahlbetrug
Auf Bannern des Likud heißt es: „Lasst nicht zu, dass sie die Wahlen
manipulieren. Habt ihr gewählt? Teilt es uns mit.“ Damit wird die
Verschwörungstheorie von Wahlbetrug durch Oppositionsgruppen verbreitet und
gegen den Grundsatz des Wahlgeheimnisses verstoßen. Dies ist die erste
Wahl, bei der es Wahlhelfern während der Wahl untersagt ist, die Zahl der
Stimmen für eine bestimmte Partei zu zählen und diese an die
Parteivertreter weiterzugeben. (tz)
## 16.20 Uhr: Eindrücke aus der Masada-Straße in Haifa
Wenn man die Masada-Straße in Haifa entlanggeht, hört man fast kein
Hebräisch, sondern nur Russisch und Arabisch, und kommt an vielen
angesagten Cafés und Bars vorbei, in denen junge Leute Bier trinken.
Interessanterweise gibt es hier, anders als im Viertel Merkaz Hacarmel,
Stände und Schilder des Likud. Ultraorthodoxe Juden, säkulare Russen sowie
arabische Männer und Frauen – mit und ohne Hidschab – betreten das Gebäude,
um ihre Stimme abzugeben. Der Likud-Stand befindet sich direkt neben dem
Stand der arabisch geprägten Vereinigten Liste, wo Aktivisten Flugblätter
für den „sozialistischen Kampf“ verteilen. Eine Aktivistin der Demokraten
sagt, sie sei überrascht, wie viele ihrer Partei die Stimme geben wollten.
(tz)
## 🐾 Koalitionsmöglichkeiten in Israel
Laut Umfragen kommen weder Regierung noch zionistische Opposition auf die
zur Regierungsbildung nötigen 61 Mandate. Welche Koalitionsmöglichkeiten
gibt es? [6][Nahostredakteurin Lisa Schneider berichtet über die fünf
Szenarien für die Regierungsbildung]
## 16:01 Uhr: Hauptsache, nicht Netanjahu
Ein junger Mann aus Ramallah schreibt der taz: Er wisse gar nicht so genau,
welche Parteien in Israel an diesem Dienstag eigentlich zur Wahl antreten.
Einer Sache ist er sich allerdings sicher: „Ich wünsche mir, dass nicht
wieder Netanjahu gewinnt.“ (lks)
## 15.51 Uhr: Stürmisches Wetter erschwert Stimmabgabe in Teilen Israels
Regen und stürmisches Wetter in Teilen des Landes erschweren Israelis die
Stimmabgabe. Der Wetterdienst teilte am Dienstagmittag mit, dass sich in
mehreren Gebieten im Süden und im Zentrum des Landes Gewitter entwickelten.
Es bestehe die Gefahr von Sturzfluten. Die Polizei berichtete von mehreren
Straßensperrungen im Süden. (ap)
## 15.05 Uhr: Hoffnung bei Demokraten-Aktivist:innen
Eine Gruppe junger Demokraten-Aktivist:innen an einer Haltestelle in Haifa
ist gerade mit ihrer Schicht fertig. Sie haben den Vormittag damit
verbracht, Menschen zum Wählen zu motivieren. Sie zeigen sich
hoffnungsvoll.
Gespräch mit einem Wähler: Yuval ist Arzt und arbeitet in Haifa. Er
sympathisiert mit den Linken, hat aber Gadi Eisenkot gewählt. „Gadi muss
Premierminister werden“, sagt er. „Yair Golan ist gut, aber sollte lieber
Sicherheitsminister werden und bei den Siedlern im Westjordanland
aufräumen. Die Position muss jemand machen, der stark ist.“ (tz)
## 14.35 Uhr: Unregelmäßigkeiten in strengreligiösen Gemeinden
Berichten der israelischen Zeitung Ha'aretz zufolge hat die „Civil Election
Guard“, eine Organisation, die landesweit mehr als 20.000 Wahlbeobachter in
Wahllokalen einsetzt, eine Reihe von Störungen in ultraorthodoxen Gemeinden
beobachtet: Stimmzettel der Partei „Haredi Public“ seien entwendet worden.
Die frisch gegründete Partei „Haredi Public“ will eine moderatere
Alternative zu den etablierten ultraorthodoxen Parteien „United Torah
Judaism“ und „Shas“ bieten und stellt auch Frauen auf ihrer Liste auf.
Jüngsten Umfragen zufolge wird die Partei den Sprung über die
3,25-Prozent-Hürde nicht schaffen.
Die Störungen sollen sich in 20 verschiedenen Wahllokalen abgespielt haben,
unter anderem in Jerusalem und Bnei Brak. Dabei wurden Stapel von
Stimmzetteln der Partei aus den Wahlkabinen entfernt oder unter denen
anderer Parteien versteckt. (haaretz, jp)
## 14.25 Uhr: Stundenlanges Warten hier, gähnende Leere dort
Anders als in zahlreichen Wahllokalen des Landes ist an einer der
Wahlstationen im Zentrum von Jaffa fast nichts mehr los. Eine ältere Dame
mit buntem Kopftuch verlässt das Gebäude; neben ihr gähnt ein
Sicherheitsmann. Am Zaun vor der Schule hängen Plakate der Joint List, aber
auch Plakate der Likud, auf denen diese vor einer Koalition der arabischen
Parteien mit den Oppositionsparteien von etwa Eisenkot warnen. (lks)
## 14.20 Uhr: Höchste Wahlbeteiligung seit 1973
Bei der Parlamentswahl in Israel verzeichnet die zentrale Wahlkommission
nach eigenen Angaben die höchste Beteiligung seit 1973. Bis 13.00 Uhr MEZ
haben demnach bereits 44,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme
abgegeben. (dpa)
## 12.35 Uhr: Urnengang verschoben
Eine junge Frau in ihren Dreißigern aus Ajami, südlich des Tel Aviver
Zentrums, erzählt, sie wollte bereits um 7.30 Uhr zu ihrem Wahllokal gehen
– doch es sei noch geschlossen gewesen. Um 7 Uhr hätte es eigentlich öffnen
sollen. „Israel eben“, witzelt sie. Ihre Stimme hat sie noch nicht
abgegeben, die Schlangen sind ihr nun zu lange. Am Abend will sie es noch
mal versuchen.
Die zentrale Wahlkommission kündigte angesichts der hohen Wahlbeteiligung
und der langen Schlangen an, dass sämtliche Wahllokale bis 22 Uhr geöffnet
bleiben. Normalerweise sind die Wahllokale in kleineren Ortschaften nur bis
20 Uhr geöffnet. (lks, jp)
## 12.30 Uhr: Netanjahu wiegelt gegen arabische Parteien auf
Netanjahu macht weiter gegen arabische Parteien und Wähler*innen
Stimmung. Auf X twittert er: „Busse fahren zu den Wahllokalen, und aus den
arabischen Ortschaften werden riesige Warteschlangen gemeldet. Und
unterdessen rühren sich die Hochburgen der Rechten nicht! Wenn wir jetzt
nicht zur Wahl gehen, werden wir eine Regierung der arabischen Parteien
bekommen. Man darf nicht zu Hause bleiben. Jede Stimme zählt! Geht jetzt
wählen.“
Der Tweet erinnert an einen Facebook-Post Netanjahus aus dem Jahr 2015.
Ebenfalls am Wahltag hatte er damals von „arabischen Wählern“, die „in
Scharen in die Wahllokale“ ziehen, geschrieben: „Linksorientierte
Organisationen bringen sie in Bussen dorthin.“ Der Post hatte für Aufruhr
gesorgt und ihm Rassismusvorwürfe eingebracht. Nach den Wahlen hatte
Netanjahu sich dafür entschuldigt. (jp)
## 12.30 Uhr: Mutmaßlicher Angriff auf Yair Golan
Bei einer Wahlkampftour von Yair Golan, Parteivorsitzender der Demokraten,
in Tel Aviv wurde ein Mann festgenommen. Berichten der Zeitung Ha'aretz
zufolge hatte er ein Messer bei sich getragen und sich Golan in
bedrohlicher Weise genähert.
Zuvor hatte die Polizei Golans Gefahrenstufe auf vier von sechs angehoben.
Am Montag übernahm der Sicherheitsdienst Shin Bet nach einem langwierigen
Rechtsstreit die Verantwortung für seinen Personenschutz. (Ha'aretz, jp)
## 11.15 Uhr: Mangel an arabischsprachigen Stimmzetteln
Es gibt Berichte über einen Mangel an arabischsprachigen Stimmzetteln in
Wahllokalen in mehreren gemischt bevölkerten oder mehrheitlich arabischen
Städten im Norden, darunter auch Jerusalem. Derweil wurden laut der
israelischen Tageszeitung Ha’aretz drei Beduinen aus dem Negev wegen des
Verdachts der Bestechung festgenommen. Bei ihnen sollen Umschläge mit Geld
und Stimmzetteln für die Ra’am-Partei gefunden worden seien. Die drei
wurden zur Vernehmung mitgenommen. Der Likud und die rechten Parteien
werfen den [7][arabischen Parteien] bei Wahlen regelmäßig Betrug vor.
Ha’aretz berichtete außerdem, dass [8][Eisenkots] Yashar-Partei und die
kleinere Partei Amcha Israel sich an die Wahlkommission gewandt hätten und
behaupteten, Stimmzettel seien verschwunden oder auf andere Weise
manipuliert worden. Diese Berichte wurden bislang nicht bestätigt. (tz)
## 11.00 Uhr: Lange Schlangen vor den Wahllokalen
Ich gebe meine Stimme im Merkaz Hacarmel in Haifa ab, wo sich ältere
Aschkenasim (aus Europa stammende Juden) und Russen sowie vereinzelt junge
Familien mischen. Diese Gegend in Haifa ist durchweg liberal und eher
säkular. Vor dem Wahllokal stehen Stände von Yashar (Gadi Eisenkots
Partei), Beyachad (Bennetts Partei) und den Demokraten unter Yair Golan.
Keine Stände von noch weiter rechts stehenden oder religiösen Gruppen.
Die Menschen in den Warteschlangen sagen, sie hätten noch nie so lange auf
die Stimmabgabe gewartet, die Warteschlangen seien überall unglaublich
lang. Wir warten nun schon seit etwa einer Stunde, und ähnliche Berichte
kommen von Bekannten in anderen Städten. (tz)
## 10.00 Uhr: Wahlbeteiligung die höchste seit 45 Jahren
Die ersten Zahlen deuten auf eine hohe Wahlbeteiligung hin. Laut der
zentralen Wahlkommission liegt die Wahlbeteiligung um 10.00 Uhr bei über 16
Prozent, damit liegt sie Medienberichten zufolge so hoch wie seit 45 Jahren
nicht. (jp)
## 9.45 Uhr: Eindrücke auf den Straßen von Tel Aviv
Im Zentrum des liberalen Tel Aviv vor einem Café. Vier Frauen
offensichtlich marokkanischer Herkunft: „Wenn Bibi verliert, wird es hier
bald so aussehen wie in Frankreich mit den Arabern, die alles bestimmen.“
[9][Tausende Israelis sind in den letzten Tagen aus dem Ausland nach Hause
geeilt, um an der Schicksalswahl teilzunehmen.] Denn man muss im Land sein,
um in Israel wählen zu können. „Ist Joel aus Berlin gekommen?“, fragt eine.
„Nein. Gut so, er würde eh eine der arabischen Parteien wählen.“ (mm)
## 08.00 Uhr: Die Ruhe vor dem Sturm?
Der Wahltag in Israel beginnt mit einer für einen Wochentag ungewöhnlichen
Ruhe. Die Straßen sind um acht Uhr morgens noch leer, die Stadtbusse in Tel
Aviv kommen ausnahmsweise pünktlich. Auch an den Bahnhöfen ist es recht
leer. Denn der Wahltag ist ein öffentlicher Feiertag in Israel; viele Büros
bleiben geschlossen.
Am späteren Vormittag in Jaffa rufen Aktivisten der Bewegung Standing
Together auf Arabisch in ein Megafon: Geht wählen! In einem Café sitzen
Aktivisten der arabischen Joint List und telefonieren beschäftigt. Die
Straße entlang fährt ein Auto, behängt mit Fahnen der anderen arabischen
Wahlliste, Ra'am.
Auch weiter nördlich, im hippen Zentrum Tel Avivs, hängen Fahnen
verschiedener Parteien an den Balkonen, Parteimitglieder laufen durch die
Straßen und verteilen Flyer. (lks)
## 07.00 Uhr: Die Wahllokale sind geöffnet
In Israel hat die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Überfall begonnen. Am
Dienstagmorgen um 07.00 Uhr (Ortszeit, 06.00 Uhr MEZ) öffneten die
Wahllokale des Landes. Die Abstimmung gilt als Wahl über die künftige
Ausrichtung Israels. Zwar hat die Opposition gute Chancen, die amtierende
Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu abzulösen. Allerdings
wird ein enges Rennen erwartet. Mit ersten Hochrechnungen wird nach
Schließung der Wahllokale um 22.00 Uhr (Ortszeit, 21.00 Uhr MEZ) gerechnet.
Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.
Mehr als eine halbe Million junge Menschen sind als Erstwähler registriert.
Umfragen zufolge ordnen sie sich mehrheitlich dem Mitte-rechts-Spektrum
oder dem rechten politischen Lager zu. Schätzungen zufolge sind zudem
zehntausende Israelis aus dem Ausland angereist, um an dieser wichtigen
Wahl teilzunehmen. (afp)
27 Oct 2026
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