# taz.de -- Knesset-Wahl in Israel: Es bleibt kompliziert
       
       > Premier Benjamin Netanjahu hat die meisten Stimmen geholt, aber keine
       > Mehrheit. Ein neuer Irankrieg dürfte die Regierungsbildung begleiten.
       
 (IMG) Bild: Ein Bild mit klarer Aussage: Premier Benjamin Netanjahu macht Wahlwerbung mit US-Präsident Donald Trump
       
       Die gute Nachricht zuerst: Die rechte bis rechtsextreme Koalition von
       Premier Benjamin Netanjahu, die Regierung des 7. Oktober 2023 und des
       darauffolgenden Gazakriegs wurde in dieser Wahl abgestraft. Komfortable 64
       Sitze hatte sie bislang. Etwas über die Hälfte der Wahlzettel sind an
       diesem Morgen ausgezählt, der Regierungsblock liegt bei etwa 55 Sitzen –
       also deutlich weniger.
       
       Nun die schlechte Nachricht: [1][Netanjahu und seine Likud-Partei haben, so
       die Hochrechnungen, die höchste Zahl an Einzelstimmen gewonnen.] Derzeit
       haben sie etwa 5 Sitze Vorsprung vor dem Zweitplatzierten, [2][Gadi
       Eisenkot von der Partei Jaschar. Damit sind zwei Dinge abzusehen]. Erstens:
       Die Koalitionsbildung wird kompliziert. Beiden Blöcken – der derzeitigen
       Regierung und der zionistischen Opposition – fehlen die nötigen Mehrheiten
       von 61 aus 120 Sitzen in der Knesset. Die Blöcke, mit denen jeweils
       Wahlkampf gemacht wurde, dürften – Stand jetzt – nicht zu halten sein.
       Zweitens: Netanjahu wird versuchen, an der Macht zu bleiben. Dass er die
       meisten Stimmen gewonnen hat, dürfte ihm dabei helfen.
       
       Die wohl naheliegenste Lösung aus Netanjahu-Perspektive ist nun zu
       versuchen, eine Einheitsregierung zu erzwingen: der Likud gemeinsam mit dem
       zionistischen Oppositionsblock. Viele der Oppositionspolitiker, unter
       anderem Eisenkot, hatten sich gegen eine solche Koalition ausgesprochen. In
       der Wahlnacht – als die Nachwahlbefragungen den Regierungsblock noch
       deutlicher abgestraft sahen – machte er seine Sicht noch einmal richtig
       deutlich: „Ich werde sofort die Entscheidung der Menschen umsetzen und die
       Netanjahu-Regierung ersetzen.“
       
       Können Eisenkot und die anderen Oppositionsparteien das durchhalten?
       Netanjahu hat in den finalen Zügen des Wahlkampfs gezeigt, worauf er setzt:
       auf sein Verhältnis zum US-Präsidenten Donald Trump, gerade im Kontext des
       Irankriegs. Und dass es zu einer erneuten Runde im Krieg zwischen Iran, USA
       und Israel kommen wird, scheint kaum einer zu bezweifeln, die Anzeichen für
       einen baldigen Ausbruch mehren sich.
       
       Der [3][Irankrieg könnte Netanjahus Eintrittskarte] in eine
       Einheitsregierung sein. Bricht der Krieg wieder aus, könnten die
       Beziehungen zu den USA zu genau dem Ass im Ärmel werden, das Netanjahu
       braucht. Auch weil die Mehrheit der Bevölkerung in Israel hinter dem Krieg
       gegen Iran stand; viele erachten ihn als nötig für die langfristige
       Sicherheit Israels. Der echte Wahlkampf um eine Regierungsmehrheit mit den
       abgegebenen Stimmen der Israelis hat nun erst begonnen. Und Netanjahu,
       angezählt, aber nicht geschlagen, dürfte in diesem Fight zur Höchstform
       auflaufen.
       
       28 Oct 2026
       
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