# taz.de -- Vergesellschaftung in Berlin: Ende des neoliberalen Mantras
       
       > Linke, Grüne und SPD haben sich geeinigt: Große Wohnungskonzerne werden
       > vergesellschaftet. Trotz offener Fragen ist das ein wahres
       > Hoffnungsprojekt.
       
 (IMG) Bild: Entscheidung in Berlin: Ende der Profitlogik beim Wohnen
       
       Der eigentliche Hammer ging Elif Eralp auf der Pressekonferenz zu den
       Sondierungsergebnissen von Linken, Grünen und SPD ganz unaufgeregt über die
       Lippen: Die [1][größten Immobilienkonzerne Berlins sollen
       vergesellschaftet] und damit 160.000 Wohnungen der Marktlogik entzogen
       werden. Die jahrelange Blockadehaltung der SPD ist gefallen. Es wurden
       Namen genannt: Vonovia, Heimstaden, Covivio, Adler und DVI. Namen, über die
       fast alle Berliner:innen Horrorgeschichten kennen.
       
       Es ist ein Meilenstein, dass die Vergesellschaftung damit erstmals
       konkretes politisches Programm geworden ist. Das gilt, obwohl fraglich
       bleibt, warum offenbar die SPD die Vergesellschaftungsschwelle von 3.000
       auf 10.000 Wohnungen anheben konnte, womit andere, hart renditeorientiert
       arbeitende Konzerne der Stadt durch die Lappen gehen. Oder welche
       Fallstricke der SPD noch im kommenden Jahr einfallen werden, wenn ein
       Finanzierungsplan erarbeitet werden soll.
       
       Trotzdem: Die Vergesellschaftung war noch nie so nahe. Für Berlins
       Mieter:innen bedeutet das die Aussicht auf einen Wohnungsbestand, der zu
       über 50 Prozent nicht mehr nach Profitlogik verwaltet wird. Die Macht der
       privaten Wohnungsunternehmen, die die Stadt seit Jahren als Beute
       begreifen, würde damit spürbar zurückgedrängt. Kombiniert mit den anderen
       mietenpolitischen Regulierungsvorhaben von Rot-Grün-Rot könnte das eine
       tatsächliche Trendwende bedeuten.
       
       Doch die Bedeutung der Vergesellschaftung geht über die Stadtgrenzen und
       sogar über das Mietenthema hinaus. Denn von einzelnen Rekommunalisierungen
       abgesehen, kannte die Neuordnung von Wirtschafts- und Lebensbereichen nur
       eine Richtung: die Privatisierung. Hat die Vergesellschaftung nun aber
       Erfolg, [2][ist dieses neoliberale Mantra Geschichte]. Es könnte wieder
       eine demokratische Frage werden, welche Bereiche des Lebens eigentlich dem
       Markt überlassen – und welche demokratisch organisiert und kontrolliert
       werden sollten.
       
       18 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://gruene.berlin/fileadmin/user_upload/Sondierungspapier_Gruene_Linke_SPD_2026.pdf
 (DIR) [2] /Ende-der-Wohnungsgesellschaft-GSW/!5213180
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Timm Kühn
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Elif Eralp
 (DIR) Schwerpunkt Rot-Grün-Rot in Berlin
 (DIR) Berliner Senat
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Grünen-Parteitag stimmt für Rot-Grün-Rot: Warten auf die Linkspartei
       
       Grüne und SPD stimmen für Koalitionsgespräche über Rot-Grün-Rot – und
       müssen jetzt 12 Tage warten, ob das auch ein Parteitag der Linken so
       beschließt.
       
 (DIR) DW Enteignen über Vergesellschaftung: „Man muss den Miethaien nicht noch ein Geschenk machen“
       
       Nach fünf Jahren endlich beschlossen: Die Initiative freut sich über die
       Vergesellschaftung. Dennoch gibt es Kritik an dem Kompromiss mit der SPD.
       
 (DIR) Einigung auf Vergesellschaftung: Drei Sieger für Berlin
       
       Was Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt vorhaben, macht Hoffnung: auf
       eine sozialere Stadt und einen Politikwechsel, der über Berlin
       hinausstrahlt.
       
 (DIR) Einigung auf Enteignungen in Berlin: Vom Sondieren zum Sozialismus?
       
       Strahlende Gesichter bei Berliner Linken, Grünen und SPD. Die drei Parteien
       werden Koalitionsverhandlungen starten. Was genau sie vereinbart haben.
       
 (DIR) Die gefährlichste Frau Deutschlands: Wer hat Angst vor Elif Eralp?
       
       Seit dem Sieg der Linken in Berlin bebt die politische Landschaft. Die
       Furcht vor Enteignungen geht um – und die Hoffnung, dass die Partei
       scheitert.