# taz.de -- Bundeskongress der Grünen Jugend: Höflicher Applaus für die Mutterpartei
       
       > Bei den Grünen und ihrem Jugendverband knallt es oft. Aber beim 60.
       > Bundestreffen bleibt großer Streit aus. Das freut auch den Grünen-Chef
       > Banaszak.
       
 (IMG) Bild: Gute Stimmung beim Kongress der Grünen Jugend in Leipzig: Luis Bobga (2. v. l.) und Henriette Held (r.)
       
       Als sich Henriette Held und Luis Bobga erneut für die Posten der
       Bundessprecher:innen der Grünen Jugend (GJ) bewerben, gehen beide die
       Bundesregierung hart an. Erst kritisiert Held am Samstag in Leipzig auf der
       Bühne des 60. Bundeskongresses des grünen Jugendverbandes, Bundeskanzler
       Friedrich Merz biete keine Lösungen für die Klimakrise. Wenig später
       bezeichnet Bobga die komplette Regierung in Zeiten von tausenden Hitzetoten
       und finanzieller Ungleichheit als „unfähig“.
       
       Ihre Mutterpartei erwähnen beide dagegen jeweils nur einmal: Die Grünen
       sollten sich von der CDU abgrenzen und stattdessen den Menschen Hoffnung
       auf die Zukunft geben. Verglichen mit früheren Jahren ist das eher zahme
       Kritik – der Jugendverband gilt traditionell als linker als die
       Mutterpartei. In der Turnhalle nahe dem Leipziger Zentrum, in der die GJ
       tagt, kommt das trotzdem gut an. Die rund 500 anwesenden Mitglieder wählen
       die beiden 24-Jährigen für eine weitere Amtszeit – [1][Henriette Held]
       bekommt 86 Prozent der Stimmen, Luis Bobga 73 Prozent.
       
       Neben der Vorstandswahl beschließt der Bundeskongress an diesem Wochenende
       unter anderem eine „Oststrategie“ und die Erhöhung der Altersgrenze des
       Jugendverbandes von 28 auf 30 Jahre. Die Debattenbeiträge drehen sich
       wiederkehrend um die Klimakrise, das AfD-Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt und
       die mögliche Koalition der Grünen mit Linken und SPD in Berlin.
       
       Rot-Grün-Rot in der Hauptstadt treibt auch Parteichef Felix Banaszak um.
       Der 36-Jährige war von 2013 bis 2014 selbst Bundessprecher des
       Jugendverbands. Anders als die GJ [2][äußerte sich Banaszak zuletzt
       kritisch zu den Sondierungsgesprächen in Berlin]. Er habe sich von der
       Linken gewünscht, dass die ihr Antisemitismus-Problem ernsthaft angehen
       würden, sagt er am Sonntag in Leipzig. Differenzen zwischen Parteien
       müssten geklärt werden, bevor sie eine Regierung bilden können, nur dann
       sei diese stabil. Dass er das öffentlich anspreche, bedeute nicht, dass er
       eine Koalition mit der CDU vorziehe, so Banaszak.
       
       ## Und dann geht es wieder um Israel
       
       Jede Zusammenarbeit mit der CDU von vornherein auszuschließen, halte er
       aber ebenfalls unklug. Innerhalb der Union laufe ein „Richtungskampf“
       darüber, ob man gemeinsame Sache mit der AfD machen könne. Die Grünen
       müssten denen, die sich für eine Brandmauer gegen Rechtsextreme einsetzen,
       Optionen anbieten und sie dadurch unterstützen, erklärt Banaszak. Dafür
       bekommt er höflichen Applaus, nur eine Handvoll GJ-Mitglieder steht dafür
       auf.
       
       Nach seiner Rede nimmt Banaszak vorn zwischen den GJ-Vorsitzenden Held und
       Bobga Platz und hört weiter zu. Er sei froh über die Pluralität in der GJ,
       sagt er etwas später der taz. Dass er am Rande des Bundeskongresses eine
       gute halbe Stunde lang mit mehreren GJ-Mitgliedern, die Kufijas über den
       Schultern trugen, die [3][Position der Grünen zu Israels Krieg in Gaza
       diskutierte], sei etwa ein Gewinn. Sie forderten, die Grünen sollten von
       einem „Genozid in Gaza“ sprechen, statt unbestimmter von
       „Kriegsverbrechen“.
       
       Banaszak hörte zu, blieb aber bei der Position, dass er das ablehne. „Es
       lohnt sich immer, im Gespräch zu bleiben.“ Dafür habe er wiederum von
       anderen GJ-Mitgliedern Zuspruch erhalten, sagt er der taz.
       
       Die unterschiedlichen Positionen innerhalb der GJ hatten diesen Sommer
       kurzzeitig besondere Aufmerksamkeit erhalten, als es um das lose Netzwerk
       der Jungen Realos innerhalb der Nachwuchs-Grünen ging. Nach Informationen
       der taz sind das rund 400 der insgesamt 19.000 Mitglieder, die sich analog
       zum Realo-Flügel in der Partei im Jugendverband für weniger linke
       Perspektiven einsetzen.
       
       Für Ämter im Jugendverband kandidieren an diesem Wochenende keine Jungen
       Realos. Aber sie bringen sich mit mehreren Änderungsanträgen ein. Einer
       davon, der von den Jungen Realos stammen soll, steht am Anfang des am
       Samstag beschlossenen Leitantrags. Dort hieß es ursprünglich, eine mögliche
       Regierung von Rot-Rot-Grün in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sei ein
       Hoffnungsschimmer. In der Beschlussfassung ist nun statt von Rot-Rot-Grün
       von „progressiven Koalitionsbündnissen“ die Rede.
       
       Ebenfalls am Samstag beschloss der Bundeskongress eine neue „Oststrategie“,
       um die mitgliederschwachen Landesverbände in Ostdeutschland zu stärken. Es
       solle mehr Vernetzung mit lokalen Strukturen geben und aus Westverbänden
       personelle Unterstützung. Das sei ein wichtiger Schritt, erklärt Jasper
       Hitz, einer der beiden Sprecher:innen der Grünen Jugend Sachsen-Anhalt,
       am Rande des Bundeskongresses. Es schaffe „echte Gleichberechtigung“ und
       zeige eine Weiterentwicklung in der Grünen Jugend. „Der Osten ist ein Thema
       und wird es bleiben“, sagt Hitz.
       
       18 Oct 2026
       
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