# taz.de -- Widersetzen Magdeburg über Protest: „Die antifaschistische Bewegung zusammenführen“
> Ziviler Ungehorsam wird wichtig beim Protest in Sachsen-Anhalt, sagt Fe
> Schultz von Widersetzen Magdeburg. Eine AfD-Regierung dort wäre „ganz
> klar faschistisch“.
(IMG) Bild: Für den Widerstand gegen eine solche Regierung wird ziviler Ungehorsam eine wichtige Rolle spielen
taz: Am vergangenen [1][Dienstag wurde in Sachsen-Anhalt der erste
rechtsextreme Parlamentspräsident seit 1945] gewählt. [2][Widersetzen] hat
kurzfristig die große Mobilisierung zu dem Termin abgesagt. Warum?
Fe Schultz: Wir waren am Dienstag in Magdeburg. Nicht nur mit
Aktivist:innen von Widersetzen aus Sachsen-Anhalt, auch aus Leipzig,
Dresden und anderen Städten waren Angehörige von uns bei der Kundgebung auf
dem Domplatz dabei. Trotzdem haben wir die erste große
Widersetzen-Mobilisierung nach Sachsen-Anhalt verschoben. Der Grund dafür
ist, dass die Wahl eines faschistischen Ministerpräsidenten für uns noch
wichtiger ist als die eines faschistischen Landtagspräsidenten.
taz: Was bedeuten die Ereignisse in Sachsen-Anhalt?
Fe Schultz: Das BSW hat mit der Wahl von Tobias Rausch zum
Landtagspräsidenten historische Schuld auf sich geladen. Eine Partei, die
Faschist:innen an die Macht hilft, ist für uns ein legitimes
Aktionsziel. Aber nicht nur das BSW hat Tobias Rausch unterstützt, sondern
auch Abgeordnete aus der CDU. Für die Wahl [3][des sachsen-anhaltischen
Chef-Ideologen der AfD] zum Vizepräsidenten des Landtags mit Stimmen vom
BSW beziehungsweise der CDU will niemand Verantwortung übernehmen. Es ist
eine riesige Shitshow!
taz: [4][Widersetzen] will am 15. Dezmeber mit Tausenden Menschen am
Magdeburger Landtag demonstrieren. Voraussichtlich wird aber auch das nicht
einen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund verhindern können. Was sagen Sie
zu der Kritik, dass solche Großereignisse zum Scheitern verurteilt sind?
Fe Schultz: Ich würde nicht sagen, dass diese Großereignisse gescheitert
sind. In [5][Essen], [6][Riesa] und [7][Gießen] konnten die
AfD-Veranstaltungen teilweise massiv verzögert werden. Und auch in Erfurt
wurden viele Tausend Haustürgespräche geführt. Außerdem sind starke
aktivistische Netzwerke gewachsen. Auch deswegen sind dort viele Menschen
mit zivilem Ungehorsam und Antifaschismus in Kontakt gekommen, bei denen
das sonst nicht passiert wäre. Insgesamt ist das wohl eine der zentralen
Stärken von Widersetzen: die antifaschistische Bewegung stärker als
Bewegung zusammenzuführen. Und das bedeutet mehr Handlungsfähigkeit in
einer Zeit, in der faschistische Kräfte stärker werden.
taz: Wie will Widersetzen den Widerstand gegen die erste faschistoide
Regierung in Deutschland seit 1945 auch längerfristig aufbauen?
Fe Schultz: Aus unserer Sicht wäre eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt
nicht nur faschistoid, sondern ganz klar faschistisch. Das AfD-Personal in
Sachsen-Anhalt und das von Hans-Thomas Tillschneider geschriebene
„Regierungsprogramm“ lassen da wenig Spielraum für Interpretation. Für den
Widerstand gegen eine solche Regierung wird ziviler Ungehorsam eine
wichtige Rolle spielen – aber auch mehr als das. Darüber hinaus spielen bei
den Widersetzen-Ortsgruppen in Sachsen-Anhalt Organizing-Ansätze eine immer
wichtigere Rolle. Was das für die Gesamtstrategie von Widersetzen bedeutet,
wird aber noch diskutiert.
13 Oct 2026
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(DIR) Timm Kühn
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