# taz.de -- Proteste nach Wahlen in Sachsen-Anhalt: Zwischen Enttäuschung und Entschlossenheit
> Vor der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Berlin demonstrieren am
> Sonntagabend mehrere hundert Menschen – sie fordern erneut ein Verbot der
> AfD.
(IMG) Bild: Entttäuschung und ein „Jetzt erst recht“: Kundgebung vor der Landesvertretung Sachsen-Anhalts
Einmal pro Woche erklingt mitten im Regierungsviertel ein Mix aus Bachata,
Salsa und Cumbia. [1][Auch an diesem Sonntagabend] tanzen vor dem
erleuchteten Bundestag an der Marschallbrücke mehrere Dutzend Paare.
Diesmal hat sich ein Mannschaftswagen der Polizei dazugesellt.
Denn nur wenige hundert Meter weiter haben sich laut Angaben des
Veranstalters 300 bis 400 Menschen vor der Landesvertretung Sachsen-Anhalt
versammelt. Auf dem Weg dorthin mischt sich die lateinamerikanische Musik
mit „Alerta“-Sprechchören. Ein großes Polizeiaufgebot hat einen Teil der
Luisenstraße abgesperrt.
Zur Kundgebung aufgerufen hat die [2][Vereinigung der Verfolgten des
Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)].
Zwischen „Refugees Welcome“-Schildern und schwarzen Antifa-Fahnen wird ein
großes Banner gehalten, das ein sofortiges AfD-Verbot fordert. „An so einem
Abend ist es ganz schwierig, alleine zu Hause zu sitzen“, sagt Cornelia
Kerth, die Vorsitzende der VVN-BdA. „Wir wollen ein Zeichen senden, dass
dieses Wahlergebnis nicht das Ende des Antifaschismus bedeutet.“
Auch Sprecherinnen von „Widersetzen“ und „AfD-Verbot jetzt“ halten Reden,
spontan kommt auch jemand aus der LGBTQIA+-Community mit einer großen
Trans-Flagge zu Wort. Gestört werden sie dabei vom Rattern der S-Bahn und
zwei lauten und aufgeregten rechten Streamern, die mit Kameras und unter
viel Polizeischutz die Demonstrantinnen filmen. Neben ihnen hat auch der
Axel-Springer-Verlag ein Kamerateam vor Ort.
Regenschirme werden aufgespannt, um sich vor den rechten Bloggern zu
verstecken, die ein oder andere Corona-Maske erhält eine neue Verwendung.
„Die wollen unsere Gesichter abfilmen und uns als Feinde markieren“, sagt
Cornelia Kerth. „Der Tenor bei uns allen ist heute Abend eine Mischung aus
Enttäuschung darüber, dass so viele Menschen einer im Kern rechtsextremen
Partei ihre Stimme gegeben haben“, so Kerth, „und aus der Überzeugung, dass
es jetzt gilt, den Faschismus entschlossener zu bekämpfen.“
## Forderung eines sofortigen AfD-Verbots
Die Kundgebung endet mit lauter Punkmusik direkt vor der Polizeikette. Die
rechten Blogger und das Springer-Team filmen noch etwas. Als die
Transparente eingerollt werden, haben auch sie keine Lust mehr. Auch die
letzten Antifas machen sich auf den Heimweg, die Polizei räumt ihre Zäune
zusammen.
Cornelia Kerth beendet den Abend mit einem Zitat von Hape Kerkeling. Der
könne es besser sagen als irgendwelche Politiker*innen: „Eigentlich strebt
doch der Mensch danach, dass es ihm besser geht. Im Moment scheint es mir
aber, dass es vielen Menschen reicht, wenn es den anderen schlechter geht.
Dass sie sich dann besser fühlen. Und das ist eine ganz schlimme Tendenz.
Da fängt Faschismus an.“ Genau das sei heute Abend bei der Wahl in
Sachsen-Anhalt passiert.
7 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Gustav Cattapan
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