# taz.de -- Tod der Mieterin Maricarmen: Wohnraum darf keine Ware sein
> Die 87-Jährige ist zwei Wochen nach ihrer Räumung gestorben. Das zeigt,
> welch brutale Folgen eine profitorientierte Wohnungspolitik haben kann.
(IMG) Bild: Maricarmen vor ihrem Wohnhaus am 22. September
Kapitalismus tötet. Selten ist dieser Zusammenhang so klar, so
unübersehbar, so unerträglich wie jetzt beim Fall von Maricarmen Abascal in
Madrid. Die 87-Jährige wurde am 23. September brutal aus ihrer Wohnung
geräumt. Sie konnte die Miete für ihre Wohnung, in der sie über 70 Jahre
gewohnt hatte, nicht mehr zahlen – und [1][flog raus]. [2][Am Mittwoch ist
sie in einem Krankenhaus gestorben]. Zwei Wochen nachdem ihr das Grundrecht
auf Wohnen genommen wurde.
Welche brutalen Folgen eine profitorientierte Wohnungspolitik haben kann,
ist bekannt. Seit mehr als 100 Jahren. „Man kann mit einer Wohnung einen
Mensch genauso gut töten wie mit einer Axt!“ – [3][den Satz schrieb] der
[4][SPD-Politiker Albert Südekum] im Jahr 1908.
Seither hat sich viel getan in Sachen Mietrecht. Zum Glück. Zwangsräumungen
von Mieter:innen, die nicht mehr zahlen können, sind trotzdem auch
hierzulande kein Einzelfall. [5][32.000 gab es in Deutschland im Jahr
2024]. Neuere Zahlen liegen nicht vor. Sie werden aber vermutlich ebenso
wie die Mieten gestiegen sein.
Das Mietrecht in Spanien ist ungleich brutaler als in Deutschland.
Unbefristete Mietverträge zum Beispiel gibt es dort nicht. Die linke
Regierung will sie zwar endlich einführen, [6][hat aber keine Mehrheit im
Parlament]. Das ist auch ein Grund dafür, warum nur 20 Prozent der
Spanier:innen zur Miete wohnen. In Deutschland sind es rund 55 Prozent.
So müssen sich viele Spanier:innen langfristig verschulden, um ihr Recht
auf Wohnen abzusichern. Das klingt wie der Traum von Extrem-FDPlern und
Immobilienlobbyisten anderer Parteien, die Eigentum für alle als Lösung der
Wohnungskrise predigen.
Wohin das führt, konnte man aber auch schon in Spanien sehen. Bei der
Immobilienkrise vor rund 15 Jahren verloren Hunderttausende ihre Wohnungen,
weil sie die Hypotheken nicht mehr zahlen konnten. [7][Nur die Schulden
durften sie behalten].
Solange Wohnraum eine Ware bleibt, stehen die Rechte der Menschen, die ihn
bewohnen, den Profiten der Investoren entgegen. Der Tod von Maricarmen
Abascal ist da leider nur die brutalste Konsequenz.
Anm. der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung des Textes hieß es, der
Satz „Man kann mit einer Wohnung einen Mensch genauso gut töten wie mit
einer Axt!“, stamme vom SPD-Politiker Südekum. Es soll aber noch ältere
Quelle für das Zitat geben. Wir haben die Textstelle daher leicht
korrigiert. Wichtig ist ja vor allem, dass die Debatte belegbar schon seit
über 100 Jahren geführt wird.
8 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mieten-Kampf-in-Spanien/!6216495
(DIR) [2] /Mietenproteste-in-Spanien/!6219880
(DIR) [3] https://heinrich-zille.info/man-kann-mit-einer-wohnung-einen-mensch-genau-so-gut-toeten-wie-mit-einer-axt
(DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_S%C3%BCdekum
(DIR) [5] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/armut-zahl-der-zwangsraeumungen-wieder-gestiegen/100183736.html
(DIR) [6] /Abstimmung-im-spanischen-Parlament/!6218477
(DIR) [7] /Krise-in-Spanien/!5069094
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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