# taz.de -- Wohngipfel von Mieterbund und DGB: Könnte eine Mietpreisregulierung der Wirtschaft helfen?
       
       > Auf dem Wohngipfel wird über Mietenpolitik und Vergesellschaftung
       > diskutiert. Ökonom Sebastian Dullien ist dafür, die Justizministerin
       > dagegen.
       
 (IMG) Bild: Wohnen ist ein Grundrecht und darf kein Spekulationsobjekt werden
       
       Melanie Weber-Moritz, Präsidentin des deutschen Mieterbundes, wagt gleich
       zu Beginn des Wohngipfels einen Blick nach Spanien. Sie erinnert an die
       [1][87-jährige Rentnerin Maricarmen], die zwei Wochen nach ihrer
       Zwangsräumung verstorben ist. Ihr Fall hatte riesige Proteste im Land
       ausgelöst. „Maricarmen ist kein Einzelfall“, sagt Weber-Moritz,
       Zwangsräumungen [2][fänden schließlich auch jeden Tag in Deutschland
       statt.] Laut [3][einer neuen Umfrage] befürworte auch eine überwältigende
       Mehrheit der Mieter*innen in Großstädten schärfere Maßnahmen zur
       Mietpreisregulierung – sogar unabhängig von der Parteipräferenz. Dennoch
       tut sich auf bundespolitischer Ebene angesichts der Größe der Wohnungsnot
       ziemlich wenig.
       
       Der von Mieterbund und vom Deutschen Gewerkschaftsbund organisierte
       Wohngipfel fand am Donnerstag in Berlin statt. Also in der Stadt, die
       derzeit darum ringt, ob sie eine rot-rot-grüne Regierung bilden kann. Ein
       Knackpunkt in den Sondierungen betrifft die Frage, ob [4][große
       profitorientierte Wohnungskonzerne vergesellschaftet] werden können. Eine
       Mehrheit der Berliner*innen befürwortet das. Trotzdem versucht die
       schwarz-rote Bundesregierung diese Pläne aus Angst vor Kommunismus durch
       ein [5][neues Bundesgesetz zu verhindern.]
       
       Immerhin befand der eingeladene SPD-Bundestagsabgeordnete Hakan Demir:
       „Unser Grundgesetz ist nicht kommunistisch.“ Die Bundesjustizministerin
       Stefanie Hubig spricht sich aber klar gegen eine Vergesellschaftung aus:
       Sie koste viel, aber bringe wenig. Dennoch, das gibt sie zu, sei das
       geplante Antivergesellschaftungsgesetz „verfassungsrechtlich nicht
       trivial“.
       
       ## Der Privatsektor baut nur teure Wohnungen
       
       Der Ökonom Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und
       Konjunkturforschung (IMK) mahnt an, sachlich über Vergesellschaftung zu
       diskutieren. Sie könne sehr wohl den [6][Mietpreisanstieg abbremsen] und
       ein „komplementäres Element der Wohnungspolitik sein“. Dullien beobachtet
       in der Mietenfrage eine Kluft zwischen „publizierter Expertenmeinung und
       dem, was die Bevölkerung glaubt“. Er argumentiert, dass staatliche
       Mietpreisregulierung auch ökonomisch sinnvoll ist. Ein Problem sei, dass
       viele Ökonomen im Studium das Gegenteil lernten. Oft werde argumentiert,
       dass Regulierung zu einem geringeren Angebot führe, weil dann niemand mehr
       in Wohnungsbau investiere. Dabei baue gerade der Privatsektor wenn
       überhaupt vor allem hochpreisige Wohnungen.
       
       Der Wohnungsmarkt funktioniere laut Dullien generell [7][nicht wie andere
       Märkte]. Durch zu hohe Mieten verschärfe sich der Arbeitskräftemangel, es
       gebe höhere Pendelzeiten, es schwäche die Wirtschaft, „weil kein Geld
       bleibt, um in die Bar zu gehen“, zudem werde die wachsende Vermögens- und
       Einkommensungleichheit befeuert. Neben Mietenregulierungen müsse es deshalb
       mehr öffentlichen Wohnungsbau geben. Die derzeit geplante [8][Kürzung des
       Wohngeldes] nennt er in der aktuellen Situation „eine Schweinerei.“
       
       Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) bedauert zwar die Kürzungspläne
       beim Wohngeld, hält aber daran fest. Dabei betrifft die Kürzung viele
       Rentner*innen, Alleinerziehende und Kinder. Derzeit hat sie [9][eine
       Mietrechtsreform auf den Weg] gebracht, mit der möbliertes Wohnen,
       Kurzzeitvermietungen und Indexmieten strenger reguliert werden sollen. Auch
       der Kündigungsschutz soll verbessert werden.
       
       Derzeit befasst sich laut Hubig auch eine [10][Kommission, „in der zwei
       Welten aufeinander prallen“,] mit der Frage, wie man besser gegen
       Mietwucher vorgehen kann und ob Verstöße gegen die Mietpreisbremse künftig
       sanktioniert werden sollen. Hubig hofft da auf gute Kompromisse. Die
       Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorliegen und dann zeitnah in Gesetze
       gegossen werden. In der anschließenden Diskussion unter
       Fachpolitiker*innen von CDU, SPD, Linke und Grüne hatte insbesondere
       CDU-Politiker Jan-Marco Luczak einen schweren Stand, der mehr Mitleid mit
       Vermieter*innen zu haben schien als mit Mieter*innen. Dem Publikum
       konnte er nur schwer vermitteln, warum illegal hohe Mieten nicht bestraft
       werden sollten.
       
       15 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Wohnungsverlust-in-Berlin/!6140657
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 (DIR) [4] /Professorin-ueber-Vergesellschaftung/!6195012
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 (DIR) [7] /Experte-ueber-Wohnungspolitik/!5863156
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 (DIR) [9] /Mietrechtsnovelle-von-Union-und-SPD/!6174994
 (DIR) [10] /Start-einer-Mietrechtskommission/!6110355
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jasmin Kalarickal
       
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