# taz.de -- 55 Festnahmen in Portugal: Polizei räumt Protestlager gegen Wohnungsnot in Lissabon
       
       > In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon demonstrierten Menschen gegen
       > hohe Mieten und richteten ein Protestcamp ein. Nun ging die Polizei
       > dagegen vor.
       
 (IMG) Bild: Protestcamp in Lissabon: Die Polizei gab an, „228 Zeltstrukturen“ beschlagnahmt zu haben
       
       afp | In Portugal hat die Polizei ein [1][Protestcamp gegen die
       Wohnungskrise] geräumt und 55 Menschen festgenommen. Im Morgengrauen seien
       Dutzende Zelte auf dem Rossio-Platz im Herzen von Lissabon beschlagnahmt
       worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Die Protestteilnehmer bildeten
       eine Menschenkette, um den Einsatz zu verzögern. Dabei kam es den Aufnahmen
       örtlicher Fernsehsender zufolge zu Zusammenstößen. Zwei Menschen wurden
       leicht verletzt.
       
       Die Polizei erklärte, die „Anwendung von Gewalt“ sei „durch die konkreten
       Umstände des Einsatzes gerechtfertigt gewesen“, da sich einige
       Demonstranten geweigert hätten, den Ort zu verlassen. Die Gewaltanwendung
       habe sich jedoch „auf das notwendige Minimum beschränkt“.
       
       „Die festgenommenen Personen wurden auf Polizeireviere gebracht und werden
       so bald wie möglich der zuständigen Justizbehörde vorgeführt“, teilte die
       Polizei mit. Die Ordnungskräfte hätten „228 Zeltstrukturen“ beschlagnahmt.
       
       Die Aktivisten verkündeten jedoch, ihren Protest fortzusetzen und kündigten
       an, sich in den nächsten Stunden erneut auf dem zentralen Platz
       niederzulassen.
       
       ## 124 Prozent Mietpreisanstieg innerhalb von zehn Jahren
       
       Offiziellen Zahlen zufolge sind die [2][Mieten in Portugal] binnen zehn
       Jahren um 124 Prozent angestiegen. Das ist etwa doppelt so stark wie der
       EU-Durchschnitt. Besonders betroffen sind junge Menschen – und Bewohner von
       Lissabon. Proteste hat es auch in der nordportugiesischen Großstadt Porto
       gegeben. Dort war ebenfalls ein Protestcamp errichtet worden.
       
       In Porto räumten Demonstranten am Dienstag jedoch angesichts der Aussicht
       auf eine Räumung durch die Polizei ihr Lager selbst. Nach dem Eintreffen
       der Polizei „haben die Demonstranten ihre Sachen zusammengepackt“, teilte
       der Anwalt der Demonstranten, Tiago Machado, der Nachrichtenagentur Lusa
       mit.
       
       Die Wohnungsnot ist auch im Nachbarland Spanien ein großes Thema. Im
       September sorgte die [3][Zwangsräumung der Wohnung der 87-jährigen
       Rentnerin Maricarmen Abascal] für landesweite Proteste. Der Besitzer hatte
       die Miete massiv erhöhen wollen. Zwar gab es eine Einigung auf eine
       Rückkehr der Rentnerin in ihre Wohnung – die 87-Jährige verstarb aber,
       bevor es dazu kommen konnte. Der Streit um die Wohnungspolitik führte dazu,
       dass Regierungschef Pedro Sánchez Neuwahlen für den 29. November ausgerufen
       hat.
       
       20 Oct 2026
       
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