# taz.de -- Ex-Bürgermeisterin von Barcelona: Die Rückkehr der Mietenkämpferin
       
       > Ada Colau soll das linke Bündnis Frente Amplio in Spaniens Neuwahlen
       > führen. Mit ihrem Kampf für bezahlbaren Wohnraum trifft sie einen Nerv.
       
 (IMG) Bild: Wohnung in Spaniens Machtzentrum gesucht: Die Ex-Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, tritt bei den Neuwahlen in Spanien an
       
       Eine alte Bekannte ist zurück. Die [1][ehemalige linksalternative][2][
       Bürgermeisterin Barcelonas], Ada Colau, tritt als Spitzenkandidatin für das
       linke Wahlbündnis Frente Amplio (Breite Front) bei den vorgezogenen
       Neuwahlen in Spanien am 29. November an. Die 52-jährige Aktivistin ist
       gewissermaßen die richtige Person am richtigen Ort. Denn Regierungschef
       Pedro Sánchez [3][hat die Wahlen vom Sommer 2027 auf diesen Herbst
       vorgezogen], weil zwei Gesetze zur Reform des Mietmarkts am Widerstand der
       Rechten im Parlament scheiterten.
       
       Die Gesetzentwürfe waren die Folge [4][von noch immer anhaltenden Protesten
       für würdigen und bezahlbaren Wohnraum]. Das Thema wird den Wahlkampf
       bestimmen. Und wenn es um Wohnungspolitik geht, hat niemand einen so guten
       Ruf wie Ada Colau.
       
       Die getrennt lebende Mutter zweier Kinder kämpft seit Jahren gegen
       Zwangsräumungen – zuerst gegen die von säumigen Ratenzahlern, dann gegen
       die von Mietern. Colau leitete die von ihr mitbegründete Plattform für die
       von Hypotheken Betroffenen (PAH) während der Finanzkrise. In Spanien
       bekannt wurde sie durch einen Auftritt im Parlament, in dem sie einen
       Vertreter der Banken „zynisch und kriminell“ nannte. Colau sprach damit
       Hunderttausenden aus dem Herzen, die nach dem Platzen der Spekulationsblase
       Wohnungen abbezahlen mussten, die weniger wert waren als der Kredit. Viele
       verloren ihren Job und wurden zwangsgeräumt.
       
       Die Bank erhielt die Wohnung, doch die gescheiterten Kunden mussten
       trotzdem die Differenz zwischen dem neuen, niedrigeren Wert und dem Kredit
       begleichen. Die PAH sammelte Unterschriften für eine
       Volksgesetzesinitiative. Sie forderte, dass Schuldner nach der
       Schlüsselübergabe schuldenfrei bleiben. Das Parlament nahm das Gesetz zur
       Debatte an, verabschiedete es aber nie.
       
       ## Politik für die ärmeren Stadtviertel
       
       Von der PAH wechselte Colau in die Politik. In diesen Jahren entstand die
       linksalternative Podemos, in Katalonien gründete sich mit En Comú
       (Gemeinsam) eine verwandte Partei. Colau war eine der treibenden Personen
       hinter diesem Projekt und zog schließlich 2015 mit den Comunes als stärkste
       Kraft in den Stadtrat von Barcelona ein und wurde Bürgermeisterin.
       
       Ihre beiden Amtszeiten prägte sie mit sozialer Politik, vor allem in den
       ärmeren Vierteln der Stadt. Im Wohnungsbau unterstützte sie kleine,
       selbstorganisierte Genossenschaften mit Grundstücken. Die Stadt wurde
       ökologischer, dank verkehrsberuhigter Zonen und Förderung nachhaltiger
       Mobilität. Ein kommunales Energieversorgungsunternehmen entstand.
       
       Nach ihrer Wahlniederlage 2023 unterstützte Colau den neuen sozialistischen
       Bürgermeister Jaume Collboni und zog sich dann aus dem Stadtrat zurück.
       Spanienweit wurde es ruhig um sie, doch in Katalonien blieb sie in der
       Wohnungsbewegung aktiv. Als die neue Protestwelle für [5][bezahlbaren
       Wohnraum] begann und die Wahlen vorgezogen wurden, schauten viele aus der
       Linken in ihre Richtung.
       
       Nun führt Colau ein breites Bündnis an. Am Samstag sollen die Listen in
       Madrid vorgestellt werden. Colau wollte die Zeit bis dahin nutzen, um
       Podemos ins Boot zu holen. Bislang sieht es nicht danach aus, als würde das
       gelingen.
       
       „Man hat mich als Kandidatin für das Amt der Regierungschefin
       vorgeschlagen, und das ehrt mich. Wenn ich von Nutzen sein kann, werde ich
       diese Aufgabe mit großer Begeisterung angehen und meine ganze Energie
       darauf verwenden“, erklärte Colau, macht aber gleichzeitig klar, dass sie
       niemandem im Wege stehen wolle. Falls „neue Gruppierungen“ hinzukommen
       sollten und sich der Konsens zugunsten „einer anderen Person verschiebt,
       die mehr Rückhalt genießt als meine Kandidatur“, werde sie sich
       zurückziehen.
       
       16 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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