# taz.de -- Mietenkampf in Spanien: Mieter machen Druck
> Nach massiven Protesten verschärft Spaniens Regierung den Mieterschutz.
> Zwangsräumungen werden erschwert, unbefristete Mietverträge sollen
> kommen.
(IMG) Bild: Protestcamp in Madrid: Demonstrierende fordern einen stärkeren Mieterschutz
Die beiden spanischen Koalitionspartner, die Sozialisten von Regierungschef
Pedro Sánchez und das linksalternative Wahlbündnis Sumar, haben sich
förmlich im letzten Augenblick auf eine Neuregulierung des Wohnungsmarktes
geeinigt. Die Gespräche dauerten die ganze Nacht über an. Das Ergebnis sind
zwei Dekrete.
Diese Gesetzesinitiative ist die Folge von massiven Protesten in den
vergangenen Tagen, zu denen die Mieterinnengewerkschaft nach der
Zwangsräumung der 87-jährigen, gehbehinderten Rentnerin Maricarmen Abascal
in Madrid gerufen hatte. Zehntausende gingen in ganz Spanien auf die
Straße. [1][In Madrid und mehreren kleineren Städten wurden auf zentralen
Plätzen Protestcamps errichtet], um Druck aufzubauen. Dies gelang.
Unter anderem wird der Schutz vor Zwangsräumungen bis 2030 für sozial
schwache und besonders verletzliche Personen ausgeweitet. Ohne
Wohnalternative dürfen sie nicht ausgeräumt werden. Außerdem sieht eines
der beiden Dekrete vor, dass die Mieter eine zweijährige Verlängerung ihres
Mietvertrags beantragen können, sofern dieser vor dem 31. Dezember 2028
ausläuft.
Ein zweiter Gesetzentwurf geht darüber hinaus. Dort wird erstmals ein
unbefristeter Mietvertrag eingeführt. Sollte das Parlament dieses Gesetz
annehmen, verlängern sich die fünfjährigen Mietverträge bei privaten
Vermietern und die siebenjährigen bei Immobilienunternehmen automatisch –
es sei denn, der Eigentümer benötigt die Wohnung für sich oder Angehörige.
Außerdem werden die Mieten eingefroren. Sie dürfen nicht über die
Durchschnittsmiete in den jeweiligen Regionen angehoben werden. Der
unbefristete Mietvertrag und das Einfrieren der Mieten sind zwei der
wichtigsten Forderungen der Mieterinnengewerkschaft.
Ebenfalls beschlossen wurden ein Verbot für „Geierfonds“, wie in Spanien
spekulative Immobilienfonds genannt werden, bis zum Jahr 2028 Wohnraum zu
erwerben. Zu den Maßnahmen gehören zudem schärfere Regelungen für die
Vermietung auf Zeit sowie für die Zimmervermietung, um zu verhindern, dass
diese als Schlupfloch genutzt werden, um die neuen Regelungen für
Mietverträge und Mietpreise zu umgehen.
## „Für uns werden nur Krümel übrig bleiben“
Die Regierung hat für kommenden Freitag eine Sondersitzung des Parlaments
beantragt, um beide Texte verabschieden zu lassen. Dafür ist die
Unterstützung aller Parteien mit Ausnahme der rechten Partido Popular und
der rechtsextremen Vox notwendig. Diese haben bereits ihre Ablehnung
bestätigt. Hinter den Kulissen liefen parallel zu den Verhandlungen
innerhalb der Linkskoalition unaufhörlich Gespräche mit den restlichen
Parteien. Das Dekret muss allen von wirtschaftsliberalen Parteien aus
Katalonien und dem Baskenland bis hin zu der äußersten Linken im Parlament,
Podemos, gerecht werden. Ob dies gelang, wird sich im Parlament zeigen.
Die Mieterinnengewerkschaft beschwert sich darüber, dass die Maßnahmen in
zwei Gesetzesentwürfe aufgeteilt wurden. „Zum Schluss werden für uns nur
Krümel übrig bleiben“, befürchtet eine Sprecherin. Die Gewerkschaft
kündigte an, das Protestcamp in Madrid aufrechterhalten zu wollen.
Am Montagabend wurde außerdem bekannt, dass besagte [2][Rentnerin
Maricarmen Abascal] wieder in ihre Wohnung zurückkann. Die
Immobiliengesellschaft, die ihre Zwangsräumung erreicht hatte, lässt sie
angesichts der massiven Proteste zurück, zum alten Preis für weitere acht
Jahre. An den Verhandlungen nahm neben dem Anwalt der
Mieterinnengewerkschaft auch die hauptstädtische Wohnungsgesellschaft EMVS
teil.
29 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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