# taz.de -- Die Kunst der Woche: Brust raus!
       
       > Feministische Kunst: Die Levy Galerie gibt einen Überblick auf das Werk
       > Renate Bertlmanns. Tanya Leighton präsentiert surreale Bildwelten von
       > Luisa Rabbia.
       
 (IMG) Bild: Blick in Renate Bertlmanns Ausstellung „Zärtlichkeit als Widerstand“ in der Levy Galerie Berlin
       
       Scharf und spitz ist die Klinge, die aus der rechten Brustwarze des
       Brüstepaars ragt, das in der Levy Galerie an der Wand hängt. Auch durch die
       Schaufenster der Moabiter Galerie zieht das herzförmige Wandobjekt Blicke
       auf sich. Ob man von da aus auch das Skalpell erkennen kann?
       
       Genau hinzuschauen empfiehlt sich ohnehin immer bei den Arbeiten von Renate
       Bertlmann. „Ex Voto“ stammt aus dem Jahr 1985 und vereint in sich einige
       [1][der Themen und Widersprüche, an denen sich die österreichische
       Künstlerin abarbeitet]: die Objektifizierung weiblicher Körper,
       Rollenklischees, der schmale Grat zwischen Erotik und Verletzlichkeit,
       sexualisierte Gewalt und deren Tabuisierung. Und auch die christliche
       Kirche.
       
       Bertlmann gehört zu den etwas weniger bekannten unter den Künstlerinnen,
       für die [2][Gabriele Schor, Kuratorin und Gründungsdirektorin der Wiener
       Sammlung Verbund], den Begriff der „Feministischen Avantgarde“ geprägt hat.
       Seit den frühen 1970er Jahren [3][arbeitet sie multimedial]. Sie zeichnet,
       malt, fotografiert – oft sich selbst –, baut Objekte und bildet
       Assemblagen, seit 1978 unter ihrer selbst definierten künstlerischen Maxime
       „amo ergo sum“. 2019 war sie die erste Einzelkünstlerin, die den
       österreichischen Pavillon der Venedig-Biennale gestaltete.
       
       Die Ausstellung „Zärtlichkeit als Widerstand“ versammelt 25 Arbeiten, die
       fast ausschließlich aus den prägenden Jahren der 1970er und 80er Jahre
       stammen. Immer wieder begegnet man Brüsten, Phalli, Präservativen,
       Schnullern und Skalpellen, auch allerhand Kitschigem wie Plastikblumen,
       Glitzer oder Herzen. Nicht nur Provokation, auch Ironie gehört bei
       Bertlmann immer mit dazu.
       
       Für „Memory“ legte die 1943 in Wien geborene Künstlerin einen Stein, dessen
       Form an ein Herz erinnert, auf ein samtenes Prachtkissen und stülpte eine
       Plexiglashaube darüber. Wie die Inszenierung einer Reliquie in einer
       katholischen Kirche würde das wirken, wäre da nicht ein Fadenkreuz auf der
       Haube angezeichnet – ein Verweis auf den Machtmissbrauch und die Gewalt,
       die von der Kirche ausging und -geht.
       
       ## Weibliche Solidargemeinschaften
       
       Auch die 1970 in Turin geborene und heute in New York lebende Malerin Luisa
       Rabbia, die aktuell bei Tanya Leighton ausstellt, beschäftigt sich mit
       Weiblichkeit. Surreale Bildwelten schafft sie, die von der Kraft der Natur
       erzählen wie von weiblichen Solidargemeinschaften.
       
       Landschaft und weibliche Körper verschmelzen in ihrer großformatigen
       Malerei und auf kleinen Papierarbeiten ineinander. Verästelte Wälder lösen
       sich darin auf und verschwimmen mit Darstellungen von Beinen, Rümpfen,
       Brüsten – mit perfekt gezeichneten Brustwarzen. Überdimensionierte Füße
       schieben sich unten an den Bildrand, mit einer Kontur fasst Rabbia
       malerisch mehrere Körper zu einem zusammen. Und der Mond schiebt sich, als
       sei er der Kopf dieses mystischen Wesens, ganz an die Spitze.
       
       5 Oct 2026
       
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