# taz.de -- Kunst der Woche: Ein großer Spaßvogel und ein kleines Gespenst
       
       > Zwei Wiederaufführungen in der Galerie Vincenz Sala und im Bureau Mueller
       > befassen sich mit Leichtigkeit, Schwere, Humor und
       > gesellschaftspolitischen Spannungen.
       
 (IMG) Bild: „Rockette“ (2008/26), Paillettenstoff, und Metall und „To Die For (Liberace)“ (2014/26), digitaler Archivdruck und Siebdruck auf Stoff
       
       „Die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift“
       so spricht der Mini-Marx in Else Gabriels „Denkmalsturz to go“ aus Glas, am
       Eingang bei Vincenz Sala. Und so sprach auch der große Marx in seiner
       „Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“.
       
       Es geht also gleich mal hoch her in der „Hammermäßigen 50er Jahre Pfütze“,
       die derzeit in der Galerie zu bestaunen ist. Konzipiert wurde sie von Hans
       Hemmert, Axel Lieber und Via Lewandowsky, nur wenige Tage bevor Hans
       Hemmert im Januar 2025 starb. Die Ausstellung mit seinen Arbeiten und denen
       einiger Freund:innen ist in memoriam.
       
       Hans Hemmert war der Spaßvogel unter den Künstler:innen – und ein
       wirklich großer. Einer, den man brauchte und nun bitterlich vermisst. Er
       war nicht laut; wozu auch, er war ja voller kluger, bunter Einfälle. Ganz
       unauffällig stehen an der Wand ein paar hellblaue Plateausohlen aus der
       Serie „Level“. Bei der Vernissage brachten sie alle Besucher:innen auf
       exakt zwei Meter Höhe und der Aktion den Hashtag #Same Height Party ein,
       als Fotos davon international zigtausendfach im Netz geliked wurden.
       
       Zu Beginn arbeitete er mit Stahl, einem Material, das dann in Luft aufging,
       eingefangen in gelbem Latex. Die so entstandenen großen Ballons zwängte er
       in Raumecken oder zwischen Gegenstände, was ihre Volumina erst richtig in
       Form brachte. Gerne saß er selbst in der großen gelben Denkblase wie der
       Leuchtkasten „Samstag Nachmittag, zuhause in Neukölln“ zeigt. Natürlich
       sind die Freunde ebenfalls großartige Künstler:innen, die mit Hemmerts
       konzeptuellem State of the Art jederzeit mithalten. Leider verbieten es die
       Zeilenvorgaben, näher darauf einzugehen.
       
       ## Das andere kommt nicht klar
       
       Erwähnt sei nur der „Geist auf der Schaukel“ von Inges Idees, dem auf Kunst
       im öffentlichen Raum spezialisierten Kollektiv, dem Hemmert angehörte. Das
       kleine Gespenst gehört zu jenem anderen, mit dem die Gesellschaft nicht
       klarkommt – und dem Bettina Allamoda in ihrem Werk auf der Spur ist.
       
       Ihr „Alien Football“ und „Steelalien“ bei Vincenz Sala sind modernistische
       Skulpturen, deren ursprüngliche Ideengeber die Kunstgeschichte maßgeblich
       in Afrika verortet – und damit, wie Allamoda kritisch beobachtet, genauso
       gut bei den Außerirdischen.
       
       Auch Allamoda wechselte vom Stahl zu leichterem Material. Wie jetzt
       „Rockette“ im Bureau Mueller und der Free Music Production zeigt: ihre
       erste Paillettenskulptur, mit der sie gesellschaftspolitische Spannungen in
       Material übertrug, freilich noch hoffnungsvoll in flexibles Gewebe. Die
       Installation „Rockette To Die For“ ist übrigens eine Wiederaufführung;
       Allamoda hatte sie bereits 2015 bei Markus Müller gezeigt.
       
       Und damit zurück zur eingangs zitierten Marxschen These und deren
       Wiederaufführung in Sachsen: Unglücklicherweise zeigt dort die AfD wie das
       geht, wenn genuiner Antisemitismus und die Theorie vom großen Austausch zur
       materiellen Gewalt werden.
       
       29 Sep 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Brigitte Werneburg
       
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