# taz.de -- Herbstgipfel der EU: Die EU gibt es nur mit einer sicheren Ukraine
> Der EU-Gipfel debattiert vehement über höhere Verteidigungsausgaben.
> Dabei ist Geschlossenheit angesichts des Rechtsrucks dringend nötig.
(IMG) Bild: Wolodymyr Selenskyj in Brüssel: Er hofft, dass sich die „Gruppe der Geizigen“ in der EU nicht durchsetzen wird
Was ist bloß aus dir geworden, liebe Europäische Union? So viel Gezeter, so
viel Streit und Spaltung, dabei kommt es in den kommenden Wochen total auf
dich an. Es geht um eine klare Haltung zur Unterstützung der Ukraine, um
einen stabilen Finanzrahmen für das Gesamtkonstrukt, darum, die EU den
Anforderungen der Zeit anzupassen. All das erfordert Tempo, denn das
Superwahljahr 2027 wirft seine Schatten voraus.
Die sorgenvollsten Blicke richten sich wohl nach Frankreich, wo der
Rassemblement National gute Chancen hat, an die Macht zu kommen. EU-Kritik
ist quasi Teil der Le-Pen-DNA, und bereits jetzt drohen die
Rechtspopulisten mit Kürzungen im EU-Haushalt. Gewählt wird auch in Polen,
Italien und Griechenland. Dies sind alles Staaten, in denen der Wahlausgang
das demokratische Gefüge der Europäischen Union mächtig
durcheinanderbringen könnte, wenn sich die Bürger:innen für den
Rechtsruck entscheiden.
Den Auftakt ins Superwahljahr, quasi als Vorspiel, macht Spanien bereits
Ende November, und auch dieser Wahlausgang dürfte für Turbulenzen in Europa
sorgen. Der [1][öffentliche Schlagabtausch] beim Thema Migration zwischen
dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez und Italiens
Regierungschefin Giorgia Meloni hat zwar hohen Unterhaltungswert, lässt
aber keinen Zweifel an der spalterischen Kraft, die es derzeit in der EU
gibt.
## Kompromisslos kürzen statt prassen
Wie unterschiedlich die Interessen beim Geld, beim Thema Investitionen in
Europa und einer modernen Vision der EU sind, zeigte sich in Reinformat
beim jüngsten Herbstgipfel der 27 Staats- und Regierungschef:innen in
Brüssel. Vor allem der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sorgte dafür,
dass es beim EU-Budget für die nächsten sieben Jahre nicht voranging. Als
[2][Anführer der „Gruppe der Geizigen“ will er lieber kürzen statt
prassen.] Von Kompromissbereitschaft noch keine Spur. Dabei braucht es
schnell eine klare Haltung, um sich international gegen Player wie China
oder die USA zu wappnen.
Und ja, auch gegen den Krieg, der mitten in Europa tobt. Die Ukraine wartet
nicht nur auf die nächste Finanzspritze, um zerstörte Infrastruktur
wiederaufzubauen, sondern auch auf konkrete nächste Schritte für den
EU-Beitritt. [3][Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, den
US-Präsident Donald Trump so gerne zum Rücktritt bewegen will,] ist seit
Kriegsbeginn Dauergast bei den EU-Gipfeln. Doch in Geldfragen war es für
Selenskyj und die Ukraine selten so brenzlig wie jetzt.
Denn die Kassen sind in vielen EU-Ländern klamm, und vor dem Superwahljahr
2027 spielt so manche Partei die Kriegskarte, die finanzielle Hilfen und
Ausgaben für Verteidigung und Rüstung in den eigenen Ländern in Frage
stellt. Merz will es in der Geldcausa noch einmal mit den eingefrorenen
russischen Vermögen versuchen. Doch sowohl Merz als auch Selenskyj mussten
bereits schmerzlich erfahren, dass es für diese Zuweisung in der EU keine
Mehrheiten gibt. Ob es gelingt, in diesen Fragen schnell tragfähige
Antworten zu finden, entscheidet darüber, ob die EU als politische Einheit
eine Zukunft hat.
16 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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