# taz.de -- Selenskyj beim EU-Gipfel: Finanzen, Trump und Starlink
       
       > Eine Finanzierungslücke, Ärger mit Trump um Starlink und der Dieseldeal
       > mit Putin: Das dürften Hauptthemen bei Selenskyjs Besuch in Brüssel sein.
       
 (IMG) Bild: Laut Insidern hat das Weiße Haus die Abwehr russischer Drohnen in der Ukraine bewusst geschwächt
       
       dpa/rtr | Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder beraten am
       Vormittag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über weitere
       Unterstützung im Abwehrkampf gegen Russland. Außerdem dürfte es um die
       jüngsten Spannungen zwischen Selenskyj und US-Präsident Donald Trump gehen.
       Der macht mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wieder Geschäfte
       und forderte jüngst sogar die Ablösung Selenskyjs. Zudem hat die
       zwischenzeitliche Drosselung des US-[1][Satellitennetzwerks Starlink] die
       ukrainische Drohnenabwehr geschwächt.
       
       Die Anweisung zur ‌Drosselung des von der ‌Ukraine für
       Gefechtsfeldkommunikation und Drohneneinsätze genutzten
       US-Satellitensystems Starshield kam nach Angaben von Insidern aus dem
       Weißen Haus. Die Führung des Verteidigungsministeriums habe die Mitteilung
       erhalten, [2][der Starshield-Dienst von SpaceX] für das ukrainische Militär
       müsse verlangsamt werden. Zwei mit der Angelegenheit vertraute
       US-Regierungsvertreter und ein weiterer westlicher Regierungsvertreter
       sagten nicht, wer im Weißen Haus die Entscheidung getroffen habe und wer
       für die Umsetzung verantwortlich gewesen sei.
       
       Ukrainische Regierungsvertreter hatten in ‌dieser Woche mitgeteilt,
       militärische Starlink-Empfänger an schnell fliegenden ukrainischen Drohnen
       funktionierten plötzlich nicht mehr. Dies habe Angriffe gegen russische
       Truppen in besetzten Gebieten und den Abschuss russischer Shahed-Drohnen
       beeinträchtigt. Am Donnerstag sagte eine Person im ukrainischen
       Verteidigungsministerium, die Empfänger funktionierten inzwischen während
       des Flugs wieder, jedoch nur bis zu einer Geschwindigkeit von 160
       Kilometern pro Stunde.
       
       Die vorübergehende Einschränkung von Starshield erfolgte, als Präsident
       Donald Trump Druck auf Kyjiw ausübte, Angriffe auf russische Raffinerien
       einzustellen. Er macht diese für die stark gestiegenen Energiepreise
       verantwortlich, die die Aussichten seiner Republikanischen Partei bei den
       Zwischenwahlen im November trüben.
       
       ## Gespräche mit Rutte und Macron
       
       Bereits am Donnerstag hatte Selenskyj in Brüssel Nato-Generalsekretär Mark
       Rutte getroffen und Gespräche mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron,
       dem belgischen Regierungschef Bart De Wever, Dänemarks Ministerpräsidentin
       Mette Frederiksen und Polens Regierungschef Donald Tusk geführt. Rutte
       teilte mit, man habe über einen möglichen Verzicht auf Angriffe gegen
       Energieanlagen sowie die fortlaufende Unterstützung der Nato-Verbündeten
       für die Ukraine geredet.
       
       Selenskyj beklagte nach seinen Gesprächen, [3][Russland interpretiere die
       US-Signale] hinsichtlich einer Lockerung von Sanktionen offensichtlich als
       grünes Licht für weitere Angriffe auf Wohnhäuser, Umspannwerke und andere
       Infrastruktur. Es sei nun von größter Bedeutung, vor dem Winter den Schutz
       vor diesem brutalen Terror zu verstärken, sagte er an die Adresse der
       Europäer. Flugabwehr habe dabei erste Priorität.
       
       Im Laufe des Tages habe es russische Angriffe auf ein Geschäft, eine
       pharmazeutische Fabrik und Logistikeinrichtungen gegeben. Am Abend seien
       dann Energieanlagen in zwei Regionen attackiert worden. Fast 15.000
       Menschen in Wolhynien im Nordwesten des Landes seien ohne Strom, ebenso
       Teile einiger Bezirke in Kyjiw und der Region. In einigen Gemeinden können
       Reparaturteams aufgrund der Bedrohung durch russische Doppelschläge nicht
       einmal mit den Reparaturarbeiten beginnen.
       
       ## Merz will Mittel für Ukraine aufstocken
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zum Auftakt des EU-Gipfels für eine
       weitere Aufstockung der Mittel für die Ukraine geworben. „Ich habe heute
       Morgen in verschiedenen kleineren Treffen dafür plädiert, dass wir alles
       tun, um der Ukraine auch über den Winter zu helfen, auch im nächsten Jahr
       zu helfen“, sagte der CDU‑Vorsitzende. „Wir werden hier auch noch einmal
       die Mittel aufstocken müssen, um der Ukraine wirklich dauerhaft zu helfen.“
       
       Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko hatte im September bei
       einem Besuch in Brüssel erklärt, im regulären Haushalt seines Landes
       fehlten für nächstes Jahr 32,6 Milliarden US-Dollar (29,1 Milliarden Euro).
       Die Lücke für die Verteidigungsausgaben bezifferte er auf 45 Milliarden
       US‑Dollar. Unklar ist, wie verlässlich die Zahlen sind. Das wird noch von
       der EU-Kommission überprüft.
       
       16 Oct 2026
       
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