# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Kein Waffenstillstand zwischen Ukraine und Russland
> Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigt die Wiederaufnahme von Angriffen
> auf russische Raffinerien an. Kyjiw meldet bessere Starlink-Verbindungen
> nach Selenskyjs Appell an Elon Musk.
(IMG) Bild: Die russischen Angriffe auf die Ukraine gehen unvermindert weiter – Brand eines mehrstöckigen Wohngebäudes in Kyjiw, 13. Oktober
## Selenskyj: Ukraine nimmt Angriffe auf russische Raffinerien wieder auf
Die Ukraine will ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien wieder
aufnehmen. Dies kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem am
Donnerstag veröffentlichten Interview der Financial Times an. „Die Blockade
ist aufgehoben. Wir sind damit durch“, sagte Selenskyj der Zeitung. Die
Ukraine hatte die Angriffe Selenskyj zufolge Anfang der Woche für zwei Tage
ausgesetzt, nachdem US-Präsident Donald Trump im Zuge eines
Diesel-Lieferabkommens mit Russland [1][eine Waffenruhe beider
Kriegsparteien bei Angriffen auf Energieanlagen angekündigt hatte]. Trump
wollte damit kurz vor den US-Kongresswahlen die Kraftstoffpreise senken,
die seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran im Februar
stark gestiegen sind. Russland griff aber dennoch weiter ukrainische
Energieanlagen an.
Dem ukrainischen Präsidenten zufolge hatten US-Militärs gedroht,
Geheimdienstdaten zurückzuhalten, sollten die Angriffe auf russische
Raffinerien nicht aufhören. Doch trotz der zweitägigen ukrainischen
Kampfpause seien den Streitkräften US-Frühwarnungen vor anfliegenden
ballistischen Raketen vorenthalten worden, kritisierte Selenskyj. Die
US-Seite habe dies später als technische Störung bezeichnet. Zudem sei der
Satellitendienst Starlink des Tech-Unternehmers und Trump-Unterstützers
Elon Musk in der Ukraine gedrosselt worden, was Einsätze an der Front und
ukrainische Gegenangriffe auf russisches Gebiet behindert habe. Selenskyj
wies jedoch die Darstellung einer Panne zurück: Es sei kein technisches
Problem gewesen, sondern Absicht, sagte er.
Trump hatte am Samstag die ukrainischen Angriffe auf die russische
Öl-Infrastruktur scharf kritisiert und die Ablösung Selenskyjs gefordert.
Auf die Frage, ob die Ukraine für eine Verbesserung der Beziehungen zum
Weißen Haus zu einem erneuten Verzicht auf die Angriffe bereit wäre,
sagte Selenskyj, dies sei nur möglich, wenn sein Land im Gegenzug weitere
Patriot-Luftabwehrraketen aus US-Produktion erhalte. Dies sei das Minimum,
erklärte der Präsident.
Selenskyj übte in dem Interview auch Kritik an dem Bestreben der
US-Regierung, Geschäfte mit Moskau abzuschließen. Zudem warf er Trump vor,
offenbar Bewunderung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu
hegen. (rtr)
## Wall Street Journal: Trump steht zunehmend auf Putins Seite
Das Wall Street Journal kommentiert die Vorwürfe aus der Ukraine, das für
die Abwehr russischer Angriffe wichtige US-Satelliteninternetsystem
Starlink sei gedrosselt worden:
„Schon wieder gibt es Grund zur Sorge, dass US-Präsident Trump versucht,
die Ukraine zu einem hässlichen „Friedensabkommen“ mit Russland zu Wladimir
Putins Bedingungen zu zwingen. Das Drama am Mittwoch betraf angeblich neue
Einschränkungen für die Ukraine, Elon Musks Satellitennetzwerk Starlink zur
Verteidigung gegen Russlands Angriffe zu nutzen. (…) Eine Drosselung würde
die Fähigkeit der Ukraine einschränken, ihre Drohnen zum Abfangen
feindlicher Drohnen einzusetzen. Die Nutzung von Starlink in Russland ist
der Ukraine bereits untersagt. Gleichzeitig nutzt Wladimir Putin den
ukrainischen Mangel an Patriot-Abfangraketen brutal aus. (…)
Die Ukraine ist auf frühzeitige Warnungen ihrer westlichen Partner vor
russischen Angriffen angewiesen, um Luftalarm auszulösen und der
Zivilbevölkerung genügend Zeit zu geben, Schutzräume aufzusuchen. Doch in
den vergangenen Tagen blieb eine solche Vorwarnung vor russischen
Raketenstarts mitunter aus. (…) Später am Tag twitterte der frühere
ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, dass für Starshield
teilweise wieder höhere Geschwindigkeiten hergestellt worden seien. War es
lediglich eine technische Störung oder versuchte das Weiße Haus, Selenskyj
eine Botschaft zu übermitteln – und überlegte es sich dann anders, nachdem
die Angelegenheit öffentlich geworden war?
Wir wissen es nicht. Was wir jedoch wissen, ist, dass Trump sich zunehmend
auf die Seite Putins und seiner Invasionstruppen stellt. Sollte die
Leistung von Starlink gedrosselt werden, wäre das noch gravierender als
sein Geschäft vom vergangenen Wochenende zum Kauf russischen Diesels. Tun
Sie es nicht, Herr Präsident.“ (dpa)
## Nach Selenskyjs Appell an Musk: Ukraine meldet bessere
Starlink-Verbindung
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den
US-Technologieunternehmer Elon Musk zur Wiederherstellung des
Satelliten-Kommunikationsdienstes Starlink in der Ukraine aufgefordert –
kurz darauf meldete das ukrainische Verteidigungsministerium eine
Verbesserung der Verbindungen. „Wenn die Angriffe weitergehen und Starlink
nicht funktioniert, werden natürlich Menschen sterben“, sagte Selenskyj am
Mittwoch in einem Interview mit dem Journalisten Piers Morgan.
Die Verbindung habe sich bei Empfangsgeräten, die sich mit bis zu 160
Kilometern pro Stunde bewegen, verbessert, teilte das Ministerium mit.
SpaceX halte aber an einer Geschwindigkeitsgrenze von 161 Stundenkilometern
fest. Die Regierung stehe mit SpaceX in Kontakt, um einen stabilen Betrieb
sicherzustellen.
Musk verwies unterdessen auf die Verantwortung der US-Regierung für das
militärisch genutzte Satellitensystem Starshield. „Starshield-Systeme
gehören der US-Regierung und werden von ihr kontrolliert“, erklärte er auf
X. „Alle Begrenzungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung werden vom
US-Militär und letztlich vom Potus (Präsidenten der Vereinigten Staaten)
entschieden.“ Beide Systeme wurden von Musks Unternehmen SpaceX entwickelt:
Starshield dient der militärischen Kommunikation, Starlink laut Musk
zivilen und defensiven Zwecken.
Der Technologieberater des Verteidigungsministeriums, Serhij Beskrestnow,
hatte erklärt, Starlink sei in der Nacht zum Mittwoch stark eingeschränkt
gewesen. Dies habe ukrainische Angriffe scheitern lassen.
Das Satellitennetz nutzt die ukrainische Armee zur Kommunikation an der
Front und zur Steuerung von Drohnen. Bei zu hoher Fluggeschwindigkeit kann
die Verbindung abbrechen. Der frühere ukrainische Verteidigungsminister
Mychajlo Fedorow erklärte, Angriffs- und Abfangdrohnen könnten bei
Geschwindigkeiten bis 160 Stundenkilometern wieder fliegen.
Wegen angeblich fehlender Warnungen vor russischen Luftangriffen warf ein
ranghoher ukrainischer Regierungsvertreter den USA vor, Russland im Krieg
gegen sein Land zu unterstützen. Es sei „offensichtlich“, dass Russland
„aus irgendeinem Grund“ geholfen werde, sagte er AFP.
„Es war bereits zweimal so, dass uns die Amerikaner nicht über den Start
russischer Raketen informiert haben, als unser Energiesektor attackiert
wurde“, sagte der Regierungsvertreter. „Obendrein haben sie die
Geschwindigkeit von Starlink gedrosselt.“ Selenskyj beklagte, die Ukraine
sei „wieder einmal“ nicht rechtzeitig gewarnt worden.
Die Ukraine ist in ihrem Abwehrkampf gegen russische Angriffe stark auf
US-Geheimdienstinformationen angewiesen. Medienberichten zufolge hatte
Washington mit deren Einstellung gedroht. Ein ranghoher ukrainischer
Regierungsvertreter bestätigte nun eine solche Drohung. US-Präsident Donald
Trump bestritt dies am Dienstag.
Ein US-Regierungsvertreter bestritt eine Änderung von Washingtons Haltung
zum Austausch von Geheimdienstinformationen. Nato-Generalsekretär Mark
Rutte verwies auf Trumps Zusicherung, dass der Austausch weitergehe. Auch
die EU sah „keine Anzeichen“ für einen Stopp. Bundesaußenminister Johann
Wadephul (CDU) erkannte keine „substanzielle Verringerung“ der
US-Unterstützung.
[2][Wegen der infolge des Irankriegs stark gestiegenen Kraftstoffpreise
steht Trump kurz vor den US-Kongresswahlen unter Druck.] Er verlangte ein
Ende ukrainischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Russland und
kündigte Dieselimporte aus Russland trotz Sanktionen an. Zudem verkündete
er eine „Energie-Waffenruhe“ Russlands und der Ukraine, von der Selenskyj
nach eigenen Angaben nichts wusste.
Der Kreml rechnet nach eigenen Angaben vom Mittwoch „in den nächsten Tagen“
mit ersten Diesel-Lieferverträgen mit den USA. Zwölf US-Senatoren, darunter
sechs Republikaner, warfen Trump wegen des Deals „Verrat“ am ukrainischen
Volk vor.
Russland setzte derweil seine Angriffe auf die Ukraine fort. In Kyjiw
wurden nach Behördenangaben sechs Menschen getötet und dutzende weitere
verletzt. In zwei aufeinanderfolgenden Nächten schlugen dort Raketen ein,
bevor rechtzeitig Luftalarm ausgelöst werden konnte. Ein getroffenes
Heizkraftwerk führte zu Strom- und Wasserausfällen. Im westukrainischen
Luzk starben sechs Menschen, in den Regionen Dnipropetrowsk und
Saporischschja drei weitere.
Russland warf der Ukraine seinerseits Drohnenangriffe auf Raffinerien in
Saratow und Rjasan und damit einen Verstoß gegen die angebliche
„Energie-Waffenruhe“ vor. Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn wies die
Vorwürfe zurück. Im südrussischen Balakowo wurde laut einem Medienbericht
ein Rechenzentrum der Sberbank von einer Drohne getroffen; dabei sei ein
Mensch getötet worden. (afp)
## Rumänien untersucht möglichen neuen Drohnenangriff auf Tanker im
Schwarzen Meer
Rumänien untersucht nach eigenen Angaben einen möglichen neuen
Drohnenangriff auf einen Tanker vor seiner Schwarzmeerküste. Wie
Verteidigungsminister Radu Miruta im Fernsehsender Digi24 sagte, war auf
dem unter der Flagge der Komoren fahrenden Schiff „Yara J“ am Mittwochabend
ein Brand ausgebrochen. Die Besatzung habe das Feuer selbst löschen können.
„Ob es von einer Drohne getroffen wurde oder nicht, wird derzeit
untersucht“, fügte er hinzu.
„Es waren zwölf Menschen an Bord des Schiffes. Vier von ihnen sind in
Sicherheit, acht werden noch vermisst“, teilte die rumänische
Schifffahrtsbehörde am Donnerstag mit. Den Angaben zufolge fuhr das Schiff
unter der Flagge San Marinos.
Miruta sprach von einem schwerwiegenden Vorfall, der sich in rumänischen
Hoheitsgewässern ereignet habe. Das Schiff – laut der Ortungs-Website
Vesselfinder ein Tanker für Chemikalien und Ölprodukte – lag nach Angaben
des Ministers seit einigen Tagen ohne Fracht vor der rumänischen Stadt
Sulina nahe der Grenze zur Ukraine vor Anker.
Das rumänische Verteidigungsministerium hatte zuvor erklärt, es habe zwei
F-18-Kampfflugzeuge aufsteigen lassen, um „eine Gruppe von Luftzielen über
dem Schwarzen Meer“ abzufangen.
Infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist das Schwarze
Meer immer wieder Schauplatz von Drohnenvorfällen. Seit der vergangenen
Woche trafen mutmaßliche russische Drohnen mehrere Schiffe vor der Küste
Rumäniens und des Nachbarlandes Bulgarien. (afp)
## „The Independent“: Ukraine droht schlimmster Winter seit Kriegsbeginn
Der Londoner Independent kommentiert am Donnerstag die Haltung der USA zum
Krieg Russlands gegen die Ukraine:
„Sollte die Ukraine tatsächlich die Unterstützung der Amerikaner bei
Geheimdienstinformationen und der Zielführung ukrainischer Gegenangriffe
auf strategische russische Militär- und Infrastruktureinrichtungen verloren
haben, wird es weitaus schwieriger, die Russen davon abzuhalten, die Städte
der Ukraine Tag für Tag, Woche für Woche unaufhörlich zu bombardieren. (…)
Während ein weiterer langer und bitterer Winter näherrückt, nimmt Russland
erneut die Versorgung der Ukraine mit Gas, Strom und Wasser ins Visier –
und zwar in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. All dies wird sich noch
erheblich verschlimmern, wenn den Ukrainern der Zugang zu
US-Geheimdienstinformationen und Satellitendaten verwehrt bleibt. Dann
würde die ultimative Katastrophe einer Niederlage für die Ukraine näher
rücken, selbst wenn ihre Truppen an der Front keinen Zentimeter Territorium
aufgeben.
Vielleicht kann US-Präsident Donald Trump durch jemanden aus seinem engsten
Umfeld – sein Schwiegersohn und Chefunterhändler Jared Kushner oder die
First Lady – davon überzeugt werden, dass seine beste Chance auf den
Friedensnobelpreis darin besteht, nicht mehr nur vom Ende von Kriegen zu
reden, sondern die Russen tatsächlich zu veranlassen, ihre mörderische
Zerstörung der ukrainischen Nation zu beenden. Das wahrscheinlichere
Szenario ist allerdings, dass dies [3][der düsterste Winter für die
Menschen in der Ukraine seit Beginn dieses Krieges wird]. Sie werden ihre
ganze Kraft aufbringen müssen, um ihn zu überstehen, aber sie wissen, dass
eine Okkupation ihres Landes durch die Russen noch schlimmer wäre.“ (dpa)
15 Oct 2026
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