# taz.de -- Sondierungsgespräche in Berlin: Zurück auf dem Boden der Realpolitik
> In der Hauptstadt nehmen Linke, Grüne und SPD jetzt Kurs auf ein
> Linksbündnis. Leicht wird es nicht.
(IMG) Bild: Noch ist nicht ganz klar, wie bissig die Linke in der Verteidigung ihrer Wahlversprechen sein wird
Seit dem Wahlsieg der Linken in Berlin konnte man den Eindruck gewinnen,
die Stadt werde bald von Kommunisten, Islamisten und kriminellen Clans
übernommen. Vergessen wurde dabei, dass die Linke in Bremen und
Mecklenburg-Vorpommern längst mitregiert, und in Thüringen und Sachsen
sogar CDU-geführte Landesregierungen toleriert. Auch einen [1][linken
Ministerpräsidenten, Bodo Ramelow in Thüringen], hat die Bundesrepublik
überlebt. Aber eine von der Linken angeführte Stadtregierung in der
Hauptstadt ist etwas anderes.
Doch allmählich legt sich die Aufregung. Grüne und SPD lassen sich in der
Hauptstadt auf Gespräche mit [2][Wahlgewinnerin Elif Eralp] ein und nehmen
Kurs auf ein rot-grün-rotes Bündnis. Sie kehren damit auf den Boden der
Realpolitik zurück. Auch die Union und die Boulevardmedien sollten jetzt
verbal abrüsten.
Die Anwürfe gegen die Linke kamen nicht überraschend, aber sie waren
überraschend heftig. Sie erinnerten an die Kampagne gegen New Yorks
Bürgermeister Zohran Mamdani, dem fast wortgleich „Kommunismus“,
„Islamismus“ und „Antisemitismus“ vorgeworfen wird. Erst am Freitag stand
Israels wegen Kriegsverbrechen gesuchter Premierminister Benjamin Netanjahu
vor der UN-Vollversammlung und behauptete, wegen Mamdani seien Jüdinnen und
Juden in New York nicht mehr sicher. Das ist Panikmache.
## Die Enteignungsfrage
In Berlin will die Linke große Wohnungsbaukonzerne enteignen und sie
kritisiert die deutsche Unterstützung für Israels Kriege. Das passt nicht
jedem. Aber jetzt geht es darum, die Dinge nüchtern anzugehen und
pragmatische Lösungen zu finden. Das viel beklagte „Antisemitismus-Problem“
der Partei etwa schrumpft, bei näherer Betrachtung, auf den Auftritt eines
fragwürdigen Rappers beim Neuköllner Bezirksverband zusammen – und auf ein
paar Aktivisten, die dort fragwürdige Dinge gesagt oder Nähe zu
fragwürdigen Organisationen haben sollen.
Die Grünen fordern deshalb, die Linke solle personelle Konsequenzen ziehen.
Parteiausschlussverfahren sind aber langwierig und vor allem Symbolik, sie
sorgen für böses Blut und überzeugen niemanden. Besser wäre ein
Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber fragwürdigen Organisationen – und noch
besser wären konstruktive Maßnahmen, damit sich Jüdinnen und Juden in
Berlin sicher fühlen können.
Größer noch sind die Hürden in der [3][Frage von Vergesellschaftung und
Enteignung]. Denn da geht es um handfeste wirtschaftliche Interessen und
viel Geld. Hier einen Kompromiss zu finden, könnte wohl die größte
Herausforderung für eine rot-grün-rote Koalition werden.
27 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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