# taz.de -- Ungleiche Förderung: Sprit wird billiger, Deutschlandticket teurer
       
       > Das Nahverkehrsabo kostet nächstes Jahr 66,80 Euro im Monat. Derweil
       > steckt der Bund viel Geld in den Tankrabatt. Eine falsche Priorität,
       > finden Verbände.
       
 (IMG) Bild: Schneller als ein Eilzug? Das Deutschlandticket wird schon zum dritten Mal in drei Jahren teurer
       
       Der Preissprung war schon seit Monaten befürchtet worden, jetzt ist er
       besiegelt: Das Deutschlandticket soll ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr
       63,00 Euro, sondern 66,80 Euro pro Monat kosten. Das haben
       Vertreter:innen der Bundesländer am Mittwochnachmittag bekanntgegeben.
       Das Deutschlandticket als Jobticket soll ab Januar demnach 63,46 Euro, das
       Semesterticket für Studierende 40,08 Euro im Monat kosten.
       
       Den neuen Preis hat die [1][D-Tix-Gesellschaft] berechnet, die seit der
       Einführung des Deutschlandtickets mit der Verteilung der Einnahmen aus dem
       Abo auf verschiedene Verkehrsverbünde betraut ist. Grundlage ist ein
       Kostenindex, in den unter anderem die Personal-, Energie- und
       Betriebskosten der Nahverkehrsbetreiber einfließen. Die
       Verkehrsminister:innen der Länder hatten sich Ende März [2][auf die
       Formel geeinigt].
       
       Ingo Wortmann, Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV),
       suchte nach dem Beschluss nach versöhnlichen Worten: „Wir haben Verständnis
       dafür, dass eine Preiserhöhung in Zeiten steigender Verbraucherpreise für
       manche Fahrgäste schmerzhaft ist.“ Die Kostensteigerungen träfen aber auch
       die Verkehrsunternehmen hart. „Sie können diese Mehrkosten nicht
       auffangen“, sagte Wortmann – vor allem, weil Bund und Länder ihre Zuschüsse
       zum Deutschlandticket seit dessen Einführung konstant bei insgesamt 3
       Milliarden Euro hielten.
       
       Tatsächlich hat sich das Leben in Deutschland im September so stark
       verteuert wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Besonders die hohen Preise
       für Benzin, Diesel und Gas trieben die Inflationsrate um 0,4 Prozentpunkte
       auf 3,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger
       Zahlen mitteilte. Höher war die Inflationsrate zuletzt im Dezember 2023,
       damals stiegen die Verbraucherpreise um 3,7 Prozent.
       
       ## Entlastung nur für Autofahrende
       
       Hintergrund der hohen Energiepreise ist der schwelende Krieg zwischen den
       USA, Israel und Iran. Zuletzt setzte die [3][Blockade der Huthi-Miliz im
       Jemen in der Meerenge von Bab al-Mandab] die globale Ölversorgung noch mehr
       unter Druck. So mussten die Bürger:innen in Deutschland im September
       laut dem Statistischen Bundesamt 14,9 Prozent mehr für Kraftstoffe und
       Haushaltsenergie zahlen als im gleichen Monat vor einem Jahr. Lebensmittel
       kosteten nur 0,4 Prozent mehr.
       
       Um Autofahrer:innen beim Tanken zu entlasten, hat die Bundesregierung
       kürzlich einen neuen Tankrabatt beschlossen. Schon im Juni und Juli hatte
       sie die Spritpreise über eine Senkung der Energiesteuer abgedämpft – und
       sich das 1,6 Milliarden Euro kosten lassen. Der [4][neue Tankrabatt tritt
       nun am 1. Oktober in Kraft], der Bund verzichtet so mindestens auf weitere
       2,5 Milliarden Euro Steuereinnahmen.
       
       Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte, die ausbleibenden
       Einnahmen würden mit sogenannten Ausgaberesten kompensiert – also mit
       Geldern aus dem Bundeshaushalt, die nicht ausgeschöpft wurde.
       
       „Für einen Tankrabatt sind Milliarden schnell mobilisiert“, kritisierte
       Pauline Schur, Teamleiterin Klima und Verkehr beim Naturschutzbund
       Deutschland (Nabu), am Mittwoch. „Wenn es aber um bezahlbaren ÖPNV geht,
       sollen ausgerechnet die Menschen, die Bus und Bahn nutzen, selbst noch
       tiefer in die Tasche greifen.“ Schur fordert: „Wer Menschen entlasten und
       den Umstieg auf klimafreundliche Mobilität ermöglichen will, darf den ÖPNV
       nicht zum Sparposten machen.“
       
       Das Deutschlandticket – als Monatsabo erhältlich und bundesweit im
       Nahverkehr gültig – habe gezeigt, wie attraktiv ein einfacher öffentlicher
       Nahverkehr sein kann, meint auch Ramona Pop, Vorständin des
       Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Dieser Erfolg drohe jedoch
       ausgehöhlt zu werden, wenn das Ticket nun regelmäßig teurer wird. Als das
       Ticket im Mai 2023 eingeführt wurde, kostete es 49 Euro, seitdem stieg der
       Preis schon zweimal auf zunächst 58 Euro und dann 63 Euro im Monat.
       
       ## Mögliche Alternativen
       
       „Gerade [5][in Zeiten steigender Spritpreise] brauchen Verbraucherinnen und
       Verbraucher attraktive Alternativen zum Auto“, sagte Pop. Ihr Vorschlag:
       ein bundesweit einheitlicher Nahverkehrstarif ohne Abozwang, um auch
       Gelegenheitsfahrer:innen leichten Zugang zu Bus und Bahn zu
       gewähren. Die Deutsche Umwelthilfe fordert, 12 Monate lang ein
       Deutschlandticket für 29 Euro anzubieten und den Preis anschließend bei
       maximal 49 Euro einzufrieren.
       
       Ende 2025 nutzten rund 14,6 Millionen Menschen das Deutschlandticket,
       [6][laut dem VDV] lag die Kündigungsquote Anfang 2026, als der Preis auf 63
       Euro kletterte, bei 5,75 Prozent. Wenn die verbliebenen rund 13,76
       Millionen Menschen, die noch Anfang 2026 ein Deutschlandticket hatten, im
       gesamten Jahr 2027 den neuen Preis von 66,80 Euro im Monat zahlen, kommen
       zusätzlich gut 627 Millionen Euro zusammen. Andersrum lässt sich
       vereinfacht argumentieren: Es hätte Bund und Länder 627 Millionen Euro
       gekostet, den Preis stabil zu halten – ein Bruchteil von dem, was sie für
       den Tankrabatt aufwenden.
       
       30 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://deutschlandticketclearing.de/UeberUns
 (DIR) [2] https://www.verkehrsministerkonferenz.de/VMK/DE/termine/sitzungen/26-03-25-26-vmk/26-03-26-25-beschluss-5.2.pdf?__blob=publicationFile&v=3
 (DIR) [3] /Konflikt-zwischen-Saudis-und-Huthis/!6214749
 (DIR) [4] /Bund-und-Laender-einigen-sich-auf-neuen-Tankrabatt/!6214649
 (DIR) [5] /Kritik-an-Spritpreis-Entlastungen/!6214717
 (DIR) [6] https://www.vdv.de/deutschlandticket.aspx
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nanja Boenisch
       
       ## TAGS
       
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