# taz.de -- Steuerschätzung für 2027: Klingbeil will von Senkung der Stromsteuer nichts wissen
> Nach der aktuellen Steuerschätzung könnten 2027 zwar über 4 Milliarden
> Euro mehr eingenommen werden. Der Finanzminister will trotzdem das Geld
> zusammenhalten.
(IMG) Bild: „Keine neuen Spielräume“: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD)
afp/dpa/taz | Der Bund kann im kommenden Jahr mit höheren Steuereinnahmen
rechnen. Wie das Bundesfinanzministerium am Donnerstag mitteilte, geht die
neue Steuerschätzung für 2027 von zusätzlichen Einnahmen von 4,1 Milliarden
Euro aus. [1][Bundesfinanzminister Lars Klingbeil] (SPD) sieht gleichwohl
„keine neuen Spielräume“ im Haushalt.
Bund, Länder und Gemeinden nehmen zusammen 2027 voraussichtlich insgesamt
10,9 Milliarden Euro mehr an Steuern ein als noch in der Steuerschätzung
vom Frühjahr vorausgesagt. Erstmals werden im kommenden Jahr damit
Steuereinnahmen auf allen staatlichen Ebenen von insgesamt mehr als einer
Billion Euro erwartet.
Die Länder können nach der Prognose im kommenden Jahr mit zusätzlichen
Steuereinnahmen von 2,9 Milliarden Euro rechnen, die Gemeinden mit 3,3
Milliarden Euro mehr. Für das laufende Jahr erwarten die Steuerschätzer für
den Bund ein Minus von drei Milliarden Euro im Vergleich zur Schätzung vom
Mai. Länder und Kommunen können demnach 2026 mit einem kleinen Plus von 100
Millionen beziehungsweise 800 Millionen Euro an Steuereinnahmen rechnen.
Klingbeil erklärte, trotz „internationaler Krisen und Unsicherheiten“ könne
der Staat für 2026 mit einer „stabilen Entwicklung“ der Steuereinnahmen
rechnen. „Wir haben auf diese Krisen reagiert. Und wir stehen robust da“,
so Klingbeil. Für 2027 gewinne der Staat „insgesamt keine neuen Spielräume
hinzu, wir müssen aber auch keine neuen Lücken schließen“. Darüber hinaus
gelte: Im Bundeshaushalt werde die Regierung „weiter konsolidieren müssen,
um uns Handlungsspielräume für die Zukunft zu erarbeiten“.
## Schwesig pocht auf billige Energie
Das heißt für den Finanzminister auch: keine Senkung der Stromsteuer für
alle. Er sei ja „auch dafür, dass wir versuchen, Energiepreise
runterzubekommen“. Aber er könne „nichts versprechen, was man am Ende nicht
halten kann“. Wer jetzt Vorschläge mache, „wie etwa die Senkung der
Stromsteuer“, sollte „gleichzeitig auch Vorschläge mitbringen, wie man das
Ganze finanziert“, sagte der SPD-Mann. Er sei da offen, „aber ich habe
diese Finanzierungsvorschläge noch nicht gehört“.
Klingbeils derzeit wohl prominenteste Parteifreundin,
[2][Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig], gibt
sich davon betont unbeeindruckt. Nach einem Treffen der Regierungschefs der
Länder pochte sie am Donnerstag erneut auf eine Senkung der Stromsteuer für
alle und weitere Entlastungen bei den Energiepreisen. „Das ist ja bei der
Bildung der Bundesregierung auch so vereinbart worden. Die gemeinsame
Erwartung der Länder ist, dass dieser Punkt schnellstmöglich umgesetzt
wird“, sagte die SPD-Politikerin.
Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) hatte die Koalition aus Union und
SPD zuvor aufgefordert, die Entlastungen „schnellstmöglich“ zu realisieren.
„Wir sind der Auffassung, dass der Bund diese Spielräume hat“, sagte der
MPK-Vorsitzende, der rheinland-pfälzische CDU-Ministerpräsident Gordon
Schnieder. Bundesfinanzminister Klingbeil hält dagegen: „Wir haben
weiterhin einen erheblichen Konsolidierungsdruck.“
22 Oct 2026
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