# taz.de -- Fragen und Antworten zum Tankrabatt: 10 bis 11 Cent billiger
       
       > Seit Mitternacht gilt der Tankrabatt, und die Preise gehen runter. Was
       > müssen Autofahrer wissen? Und wie beurteilen Experten den Schritt der
       > Regierung?
       
 (IMG) Bild: Die Preise für Sprit gehen am 1. Oktober nach Einführung des Tankrabatts runter. Doch die Maßnahme findet nicht nur Zuspruch
       
       dpa | Der Tankrabatt hat zum Start vielerorts für stark [1][fallende
       Spritpreise] gesorgt. Bereits um Mitternacht herum wurden Benzin und Diesel
       abrupt billiger. Auf dem Spritpreisportal Tankerkönig sackten die
       ermittelten deutschlandweiten Durchschnittspreise zwischen 23.41 Uhr und
       0.41 Uhr um rund 10 bis 11 Cent ab. Auch am frühen Morgen ergab sich etwa
       diese Preisdifferenz zum gleichen Zeitpunkt am Mittwoch.
       
       Vielerorts wurde Superbenzin der günstigeren Sorte E10 für weniger als 2
       Euro angeboten, wie aus dem Portal des ADAC hervorgeht. Hier gibt es
       allerdings regionale Unterschiede. In München, Stuttgart oder Leipzig gab
       es sehr viele solcher Angebote. In Berlin waren es zahlreiche, in Hamburg
       dagegen nur wenige, und in Köln wurden am Morgen keine Tankstellen unter 2
       Euro angezeigt. Die bundesweiten Durchschnittspreise bei Tankerkönig lagen
       allerdings deutlich über 2 Euro.
       
       Seit Mitternacht gilt der Tankrabatt und zeigt bereits Wirkung. Was
       Autofahrer jetzt wissen müssen.
       
       Muss ich jetzt schnell zur Tankstelle? 
       
       Nicht unbedingt. Bis zum Mittag kann der Preis wegen der 12-Uhr-Regel nicht
       steigen. Der billigste Zeitpunkt, um zu tanken, ist in der Regel am späten
       Vormittag. Allzu knapp vor 12.00 Uhr sollte man allerdings nicht
       kalkulieren, falls es großen Andrang gibt, denn um 12.00 Uhr springen die
       Preise üblicherweise deutlich.
       
       Wer es am Donnerstag nicht vor Mittag zur Tankstelle schafft oder sich
       mögliche Wartezeiten sparen will, sollte bis Freitagvormittag warten. Den
       bisher gültigen Mustern folgend sollte Sprit dann wieder ähnlich günstig
       sein wie am Donnerstagvormittag. Grundsätzlich empfiehlt es sich, die
       Preise zu vergleichen.
       
       Drohen Engpässe? 
       
       Die Nachfrage am Donnerstagvormittag dürfte hoch sein, weil viele
       Autofahrer mit dem Tanken auf den Rabatt gewartet haben. Zudem war es für
       Tankstellen sinnvoll, ihre Lager vor Start des Rabatts nicht allzu voll zu
       haben, da der Steuervorteil von 16,7 Cent pro Liter nur für Sprit gilt, der
       nach Mitternacht Tanklager oder Raffinerien verlässt. Der Spritpreisexperte
       des ADAC, Christian Laberer, erwartet dennoch keine relevanten Engpässe.
       „Das war auch beim letzten Mal im Mai nicht der Fall und damals gab es das
       zusätzliche Problem, dass der 1. Mai ein Feiertag ist“, sagt
       Kraftstoffmarktexperte Laberer.
       
       Wie lange gilt der Rabatt und was kostet er? 
       
       Die Maßnahme dauert bis Ende des Jahres. Die Bundesregierung erwartet, dass
       2,485 Milliarden Euro weniger Steuern in die Staatskasse fließen. Die
       Hälfte sollen diesmal aber die Länder tragen. Der Bund tritt ihnen dafür
       etwas weniger Umsatzsteuereinnahmen ab als normal. Das Vorgehen ist
       durchaus ungewöhnlich, denn häufig finanzieren die Länder Entscheidungen
       aus dem Bund nur mit großen Bauchschmerzen mit.
       
       Wie gut wird der Rabatt weitergegeben? 
       
       Die Tankstellen müssen die Steuersenkung nicht eins zu eins weitergeben.
       Die Preise fielen am Donnerstagmorgen aber stark. Da sie bereits in den
       Tagen davor ein gutes Stück nachgaben – möglicherweise auch als Vorgriff
       auf den Tankrabatt –, ist es schwierig zu beurteilen, wie hoch genau sein
       Effekt aktuell ist.
       
       Dass die Preise schon jetzt stark fallen, liegt vor allem an den
       Erwartungen der Kunden, denn bis überall steuerverbilligter Sprit im Lager
       ist, kann es ein paar Tage dauern.
       
       Wird der Sprit so billig wie vor dem Krieg? 
       
       Kaum. Am letzten Tag vor Kriegsausbruch Ende Februar kostete ein Liter
       Super E10 nach Daten des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,78 Euro,
       ein Liter Diesel 1,75 Euro – der Abstand zu den aktuellen Preisen ist damit
       sehr viel größer als der geplante Steuerrabatt.
       
       Wie viel bringt der Rabatt dem Durchschnittsfahrer? 
       
       Das durchschnittliche Auto wird in Deutschland laut Zahlen des
       Kraftfahrtbundesamtes rund 900 Kilometer pro Monat bewegt. Geht man von
       einem Verbrauch von 7 bis 8 Litern auf 100 Kilometer aus, spart sich der
       durchschnittliche Verbrennerfahrer durch den Rabatt auf die vollen drei
       Monate gerechnet also grob 32 bis 36 Euro. Je nach Fahrleistung, Verbrauch
       und geschicktem Tanken nach Beginn und vor Ende des Rabatts kann der Wert
       aber deutlich abweichen.
       
       Was sagen Experten zum Rabatt? 
       
       Die große Mehrheit der Experten hält wenig bis nichts von der Maßnahme. Die
       wichtigsten [2][Kritikpunkte,] die es schon bei der letzten Ausgabe gab:
       
       Der Rabatt ist relativ teuer und nicht zielgenau. Er unterstützt auch
       Menschen, die die Hilfe nicht nötig haben – insbesondere Vielfahrer mit
       großen Autos. Menschen, die kein Auto haben, aber über Heizkosten oder
       anderes unter den hohen Spritpreisen leiden, nutzt er dagegen nichts. Er
       dämpft das Preissignal: Normalerweise werden knappe Güter teurer, was den
       Verbrauch dämpft. Dieser an sich sinnvolle Mechanismus wird durch eine
       künstliche Verbilligung von Sprit aber ausgebremst. Es ist nicht
       garantiert, dass er komplett beim Verbraucher ankommt.
       
       Zwei renommierte Wirtschaftsinstitute in Deutschland kritisieren den
       Tankrabatt als falsch. „Dass viele Autofahrer die hohen Spritpreise als
       große Belastung empfinden, ist nachvollziehbar“, teilte etwa der Chef des
       Ifo-Instituts in München, Clemens Fuest, auf Anfrage mit. „Der Tankrabatt
       ist darauf jedoch nicht die richtige Antwort.“ Er bewirke eine Umverteilung
       zugunsten der Vielfahrer mit großen Autos.
       
       „Darunter sind viele, die sich die hohen Preise leisten können und bei
       denen es nicht zu rechtfertigen ist, dass zu ihren Gunsten Lasten
       umverteilt werden“, betonte Fuest. Wenn die Politik bestimmte Gruppen
       entlasten wolle, etwa Berufspendler mit langen Arbeitswegen, sollte sie das
       mit zielgenaueren Instrumenten tun, etwa mit einer Erhöhung der
       Pendlerpauschale.
       
       „Hinzu kommt, dass der Tankrabatt nur begrenzte Wirkung hat. [3][Bei 1.000
       Kilometern im Monat und 6 Litern Verbrauch spart man 10 Euro pro Monat.“]
       Gesamtwirtschaftlich entstünden aber mit 2,5 Milliarden Euro spürbare
       Kosten. Dieses Geld könne besser eingesetzt werden, teilte Fuest weiter
       mit.
       
       Ähnlich äußerte sich auch Experte Tomaso Duso vom Deutschen Institut für
       Wirtschaftsforschung (DIW): „Am meisten profitieren diejenigen, die viel
       und mit großen Autos fahren – in der Regel Haushalte mit höheren
       Einkommen“, teilte er mit. „Haushalte ohne Auto erhalten keine Entlastung
       und müssen die Maßnahme mitfinanzieren.“ In Zeiten der Knappheit erfüllten
       hohe Preise zudem eine Funktion, ergänzte Duso. Sie signalisierten
       Verbraucherinnen und Verbrauchern, sparsamer zu fahren und den Raffinerien,
       mehr zu produzieren. „Wenn man entlasten will, dann direkt und zielgenau,
       nicht über den Preis.“
       
       Es gibt allerdings auch andere Stimmen. So sagte Manuel Frondel vom
       Institut RWI vor Kurzem dem Spiegel: „Besser wäre es natürlich, der Staat
       würde bedürftigen Haushalten gezielt helfen. Da er solche Direktzahlungen
       aber noch immer nicht ohne Weiteres umsetzen kann, halte ich den Tankrabatt
       für eine pragmatische und faire Lösung.“
       
       Auch der ADAC sieht den Tankrabatt als „geeignetes Mittel, um die
       Autofahrer kurzfristig jetzt zu entlasten“, auch wenn Direktzahlungen
       sinnvoller gewesen wären.
       
       1 Oct 2026
       
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