# taz.de -- Konferenz der Landesverkehrsminister: Länder fordern vom Bund mehr Geld für den Nahverkehr
       
       > Die Verkehrsminister:innen fürchten, das Angebot ausdünnen zu
       > müssen. NRW und Hamburg wollen ein bundesweites Ticket für Wenigfahrende.
       
 (IMG) Bild: Elektronische Tickets erleichtern das Bahnfahren. Hamburg und NRW wollen eine bundesweite Fahrkarte für Wenigfahrer:innen
       
       Die Länder sind mit ihrer Forderung abgeblitzt, mehr Geld vom Bund für den
       Nahverkehr zu bekommen. Dafür gebe es keine finanziellen Spielräume, sagte
       Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nach der gemeinsamen
       [1][Konferenz mit den Verkehrsminister:innen der Länder] im
       bayrischen Hohenschwangau bei Füssen.
       
       Der Hintergrund: Seit der Bahnreform in den 1990ern sind die Länder für den
       Schienennahverkehr zuständig. Sie bestimmen, welche Verbindungen in welchen
       Takten angeboten werden. Der Bund beteiligt sich an der Finanzierung mit
       den sogenannten Regionalisierungsmitteln. Im Haushalt 2027 sind dafür rund
       13,7 Milliarden Euro vorgesehen. Die Mittel steigen jährlich um 3 Prozent.
       
       Das reicht den Ländern nicht. Sie verweisen unter anderem auf höhere
       Energiekosten und Lohnsteigerungen. „Uns geht es darum, dass wir für die
       nächsten Jahre den Status quo aufrechterhalten können“, sagte der
       Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, der bayrische Minister Christian
       Bernreiter. Ohne eine Anhebung der Mittel müssten Ticketpreise erhöht oder
       das Angebot eingeschränkt werden.
       
       Verschärft hat sich die finanzielle Lage durch steigende Trassenpreise, die
       Schienenmaut. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist eine
       bislang im Nahverkehr angewandte Preisbremse unzulässig. In den nächsten
       Jahren ist mit stark steigenden Mautkosten zu rechnen. „Es wird
       zusätzliches Geld gefordert, das wir nicht haben“, sagte Bernreiter.
       Deshalb wollen die Länder, dass der Bund die Mehrausgaben kompensiert.
       
       ## Linke kritisiert Bilger
       
       Danach sieht es nicht aus. [2][Bundesverkehrsminister Bilger] erklärte, der
       Bund unterstützte den Schienennahverkehr derzeit mit 15 Milliarden Euro.
       Dazu zählt er unter anderem die Zuschüsse für das Deutschlandticket. Trotz
       der Absage versuchte Bilger, den Landesverkehrsministern entgegenzukommen.
       „Mir ist bewusst, dass die Belastung hoch bleibt“, sagte er. Es komme jetzt
       auf einen effizienten Mitteleinsatz an.
       
       Die Linkspartei kritisiert Bilger für die ablehnende Haltung scharf.
       „Verkehrsminister Bilgers fehlende Finanzierungszusagen hinterlassen einen
       Scherbenhaufen für Millionen von Nahverkehrsnutzenden, die sein Versagen
       zukünftig ausbaden müssen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der
       Linksfraktion im Bundestag, Vinzenz Glaser.
       
       Für Aufsehen sorgte eine Initiative, die die Verkehrsminister:innen
       zu Beginn der Konferenz von der Tagesordnung genommen haben. Die Länder
       Nordrhein-Westfalen und Hamburg hatten den Antrag „Bundesweiter
       elektronischer Gelegenheitstarif“ eingebracht. Sie wollen ein bundesweites
       Digitalticket für gelegentliche ÖPNV-Nutzer:innen einführen. „Wer nur
       gelegentlich Bus und Bahn fährt, muss genauso unkompliziert und zu fairen
       Konditionen unterwegs sein können wie die Vielfahrer mit dem
       Deutschlandticket“, begründete der nordrhein-westfälische Verkehrsminister
       Oliver Krischer (Grüne) den Vorstoß.
       
       Hamburg und NRW wollen ein Ticket fürs Smartphone, mit dem Fahrtbeginn und
       -ende erfasst werden. Die App soll den günstigsten Tarif errechnen.
       [3][Vorbild ist das Angebot eezy.nrw in NRW]. Im September sind nach
       Angaben des NRW-Verkehrsministeriums 1,4 Millionen Fahrten damit
       abgerechnet worden. Ein entscheidender Unterschied: Dort zahlen
       Nutzer:innen maximal den Preis des Deutschlandtickets. Das ist aber bei
       dem Gelegenheitstarif ausdrücklich nicht vorgesehen. [4][Das
       Deutschlandticket kostet aktuell 63 Euro] im Monat, im Januar 2027 wird der
       Preis auf 66,80 Euro angehoben.
       
       „Wir wollen für das bundesweite Gelegenheitsticket keinen Preisdeckel“,
       betonte Krischer. „Das würde das Deutschlandticket kanibalisieren.“ In NRW
       würden die meisten Nutzer:innen der Gelegenheitstickets die
       Preisobergrenze nicht erreichen, sagte er. Weil bei dem bundesweiten Ticket
       kein Preisdeckel vorgesehen sei, würden durch die Einführung keine
       zusätzlichen Kosten entstehen.
       
       22 Oct 2026
       
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