# taz.de -- Finanzplanung des Senats bis 2030: Ein Haushalt mit vielen Löchern
> Finanzsenator Evers (CDU) zufolge sind im nächsten Haushalt rund 4
> Milliarden einzusparen. Nur eine Milliarde davon soll über Kredite zu
> decken sein.
(IMG) Bild: Hält Kürzungen in allen Bereichen des nächsten Landeshaushalts für unumgänglich: Finanzsenator Stefan Evers (CDU)
Stefan Evers bräuchte in diesen Tagen und Wochen gleich mehrere Hüte, um
seine jeweilige Rolle klarzumachen. Senator für Finanzen – wie seit
dreieinhalb Jahren – und seit Ende April auch für Kultur?
CDU-Spitzenkandidat wie bei der Abgeordnetenhauswahl? Oder neuerdings auch
noch Chef der CDU-Parlamentsfraktion?
Als er Dienstag vor Journalisten sitzt, macht statt eines besonderen Huts
der Ort – der Presseraum des Roten Rathauses – die Rolle klar. Und doch hat
der Termin etwas Skurriles: Denn Evers beschreibt als Senator [1][die
Finanzplanung des schwarz-roten Senats bis 2030] – die Planung einer
Landesregierung, die nicht mehr im Amt sein wird, sobald eine neue
Koalition steht.
Schon vor zwei Wochen hatte der Senat über die Finanzmisere des Landes
sprechen wollen, doch die SPD mochte erst an diesem Dienstag darüber reden
– vorige Woche tagte der Senat gar nicht. In der Zwischenzeit sickerte ein
Papier durch, in dem Evers ein grausig anmutendes Szenario beschreibt. Das
Land muss demnach, trotz der 3-Milliarden-Einsparung im aktuellen Budget,
im Haushalt 2028 und 2029 jeweils weitere vier Milliarden höherer Ausgaben
ausgleichen.
Am Dienstag bekräftigt Evers dabei seine Einschätzung, dass aufgrund
bundesrechtlicher Vorgaben nur ein kleiner Teil davon über neue Schulden
ausgeglichen werden kann, anders als in den vergangenen
Haushaltsverhandlungen. Eine Milliarde Euro Kreditaufnahme hält er den
Journalisten gegenüber für möglich, egal ob es sich um Transaktionskredite
oder sonst wie etikettierte Kredite handelt. Evers drängte auf
grundsätzliche, strukturelle Veränderungen im Haushalt. Wie die genau
aussehen, müsse [2][letztlich das Abgeordnetenhaus entscheiden]. Seine
generelle Einschätzung aber lautet: „Nichts wird ausgenommen bleiben
können.“
## Kritik aus der Linkspartei an Evers’ Szenario
Nicht nur in der Linkspartei hielt und hält man dieses Szenario auch
zumindest teilweise für politisch motiviert – und geeignet, die Linkspartei
[3][als Siegerin der Abgeordnetenhauswahl] vom Regieren abzuschrecken und
[4][Evers selbst mit einer schwarz-grün-roten Koalition] den Weg an die
Spitze zu ermöglichen. Denn mit leeren Kassen arbeiten zu müssen, ist wenig
attraktiv, weil es nichts oder wenig zu verteilen gibt und sich Versprechen
aus dem Wahlkampf möglicherweise nicht erfüllen lassen.
Als falsche These hatten es Finanzpolitiker der Linkspartei bereits
bezeichnet, dass Evers von unvermeidbaren Kürzungen auch in der sozialen
Infrastruktur und stark beschränkter Kreditaufnahme ausgehen würde. Aus
Sicht der Linkspartei ließe sich eine verbleibende Haushaltslücke von zwei
Milliarden durchaus mit Krediten schließen. Evers hält Dienstag nur die
Hälfte davon für möglich.
Er habe zuletzt so einiges dazu gelesen, sagt der Finanzsenator auf eine
taz-Frage zur Linkspartei-Kritik hin – „Manches klang arg nach
Zauberformel, die es nicht gibt.“ Nach seinen Worten wird der
Stabilitätsrat, ein Gremium von Bund und Ländern, zum Jahresende hin für
Berlin eine Haushaltsnotlage feststellen. Daraus folgende Vorgaben für den
Landeshaushalt werden nach Evers’ Darstellung die Kreditmöglichkeiten
Berlins deutlich einschränken.
Zu dem wie auch immer auszugleichenden Vier-Milliarden-Loch gehört auch
[5][eine 1,2-Milliarden-Nachzahlung für Beamte] gemäß einem Urteil des
Bundesverfassungsgerichts. Dabei geht es um Regelungen im Berliner
Besoldungsrecht in den Jahren 2008 bis 2020, die [6][nach Auffassung des
Gerichts] überwiegend nicht mit dem Grundgesetz vereinbar waren. Die 1,2
Milliarden wären allein eine Nachzahlung – weitere Anpassungen bei der
Beamtenbesoldung, die laut Evers einen dreistelligen Millionenbetrag
ausmachen können, sollen noch gar nicht eingepreist sein.
## Vom Senator zum Fraktionschef
Evers, gerade noch Senator, packt nach dem Ende der Pressekonferenz und
weiteren Ton- und Bildaufnahmen zusammen und bereitet sich auf einen
Rollenwechsel vor. Denn im Abgeordnetenhaus wollen kurz darauf die
CDU-Abgeordneten tagen – mit ihm als Fraktionschef: „Da muss ich gleich
hin“, sagt er zur taz, „den Hut wechseln.“
13 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1724807.php
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(DIR) [5] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/08/berlin-beamte-milliarden-euro-nachzahlung-besoldung.html
(DIR) [6] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/11/berlin-beamte-besoldung-nachzahlung.html
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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