# taz.de -- Korrigierte Wirtschaftsprognose: Nur eine Momentaufnahme
> Ökonom*innen heben ihre Wirtschaftsprognosen an. Trotzdem fordern
> Neoliberale unter ihnen, an den geplanten Reformen festzuhalten.
(IMG) Bild: Wer die Industrie wieder fit machen will, muss sie gezielt bei der Transformation unterstützen, statt die Lohnkosten zu drücken
„Never waste a good crisis“ – „Verschwende nie eine gute Krise“ heißt ein
beliebter Spruch unter Ökonom*innen. Nur so lässt sich erklären, warum
neoliberale Ökonom*innen, Lobbyist*innen und die Bundesregierung an den
geplanten Sozialstaatsreformen festhalten. Schließlich soll damit die
angeblich strauchelnde Wirtschaft wieder fit gemacht werden. Nur zu dumm,
dass jetzt alle Ökonom*innen ihre Wirtschaftsprognosen kräftig anheben.
Den aktuellen [1][Prognosen fünf führender Wirtschaftsinstitute zufolge
soll das BIP dieses Jahr um 1,3 Prozent wachsen]. Das ist ganz ordentlich
und mehr als doppelt so viel, wie die Institute noch im Frühjahr annahmen.
Das liegt vor allem an der überraschend [2][guten Entwicklung bei den
Exporten sowie an der Industrie]. Dies passt so gar nicht ins Bild von der
angeblichen Industriekrise und den angeblich zu hohen Arbeitskosten, die
die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu Grabe tragen würden. Trotzdem mahnen
die Institute in ihrer Prognose Strukturreformen an.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Die derzeit guten Konjunkturprognosen sind
nur eine Momentaufnahme. Mit der Autobranche steckt der wichtigste hiesige
Industriezweig in einer handfesten Krise. In diesem Jahrzehnt ist die
Wirtschaft bisher kaum gewachsen. Das spüren die Menschen in ihrem
Geldbeutel, [3][steigende Spritpreise] machen die Lage nur noch schlimmer.
Jetzt müssen sie auch noch um ihre Arbeitsplätze bangen.
Doch verunsichern immer neue soziale Einschnitte die Menschen zusätzlich.
Und das wirkt sich auf die Wirtschaft aus. Laut einer Umfrage des Instituts
für Makroökonomie und Konjunkturforschung schränken bereits 42 Prozent der
Befragten ihren Konsum ein. Wer die Rente zukunftsfit machen will, muss
also mehr Zuwanderung zulassen und die Erwerbsbeteiligung von Frauen
fördern und nicht die Rente mit 63 abschaffen. Und wer die Industrie wieder
fit machen will, muss sie gezielt bei der Transformation unterstützen,
statt die Lohnkosten zu drücken.
25 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gemeinschaftsdiagnose-zur-Konjunktur/!6215915
(DIR) [2] /Wirtschaft-in-Deutschland/!6208374
(DIR) [3] /Neuer-Tankrabatt/!6214691
## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Konjunktur
(DIR) Wirtschaft
(DIR) Social-Auswahl
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Gemeinschaftsdiagnose zur Konjunktur: Wirtschaft läuft besser als erwartet
Die Wirtschaftsinstitute heben ihre Wachstumsprognose auf 1,3 Prozent an,
sogar die Exporte nehmen zu. Ein Problem sei aber fehlendes Vertrauen.
(DIR) Wirtschaft in Deutschland: Wie schlimm ist es denn nun?
Was ist dran am Krisengerede der Lobbyverbände? Und bringen Sozialreformen
wirklich die Volkswirtschaft in Schwung? Wir geben Antworten.
(DIR) Prognosen zur Konjunktur: Wirtschaftsinstitute rechnen mit höherem Wachstum
Offenbar ist die deutsche Wirtschaft resilienter als gedacht.
Chemieindustrie und der Maschinenbau meldeten höhere Umsätze. Auch die
Exporte stiegen.