# taz.de -- Bundesregierung hebt Prognose an: Demokratiegefährdend pessimistisch
> Die Konjunktur läuft dieses Jahr besser als gedacht. Trotzdem pocht die
> Wirtschaftslobby nach wie vor auf Reformen in ihrem Sinne.
(IMG) Bild: Die Wirtschaftslobby will Reformen, die Menschen im Land haben genug vom Sozialabbau und neoliberalen Sparreformen
Eigentlich könnte sich die Wirtschaftslobby jetzt mal etwas entspannen. Die
Konjunktur läuft dieses Jahr besser als lange gedacht. Die Bundesregierung
hob deswegen ihre Prognose kräftig an. Sie geht von einem
Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent aus, im Frühjahr waren es noch 0,5
Prozent. Trotzdem pocht die Wirtschaft auf Reformen. [1][Das ist
demokratiegefährdend.]
Neoliberale Sparreformen verunsichern die Menschen und spielen damit
rechten Rattenfängern in die Hände. Das ist hinlänglich bekannt. Trotzdem
will Bundeskanzler Friedrich Merz an den Sozialreformen festhalten. Und
das, obwohl [2][gerade das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges
ein rechtsextremer Landtagspräsident gewählt wurde]. Es stellt sich die
Frage, ob Friedrich Merz und die Wirtschaftslobby denn nichts aus der
Geschichte gelernt haben.
[3][Die großen Wirtschaftsverbände machen nach wie vor Druck auf die
Koalition, damit sie die Reformen in ihrem Sinne durchsetzt.] Sie zeichnen
dazu bewusst ein besonders düsteres Bild. Der Aufschwung ist nicht mehr
etwas, über das sich die Wirtschaft freuen kann. Er ist lediglich „auf
Pump“ oder von „kurzer Haltbarkeit“. Solche Begriffe werden lanciert, um
sogleich auf die angeblichen Gründe der Krise zu kommen, die es zu
beseitigen gelte: zu hohe Steuern und zu hohe Arbeitskosten. Dabei braucht
der Staat eben Steuern, um öffentliche Ausgaben zu finanzieren, und die
Angestellten brauchen ausreichende Gehälter für ein würdiges Leben. Das
stärkt außerdem auch die Konjunktur. Doch davon will die Wirtschaft nichts
wissen.
So muss frei nach Brecht gefragt werden: Was wäre der Verlust von zwei,
drei Prozentpunkten Wirtschaftswachstum gegen die Gefährdung einer ganzen
Demokratie? Zumal fraglich ist, ob neoliberale Reformen überhaupt zu einem
größeren Bruttoinlandsprodukt führen. Oft genug waren sie stattdessen
Auslöser für ökonomische Krisen, weil Sparmaßnahmen erst recht die
Konjunktur abwürgen.
8 Oct 2026
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(DIR) Simon Poelchau
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