# taz.de -- Gemeinschaftsdiagnose zur Konjunktur: Wirtschaft läuft besser als erwartet
> Die Wirtschaftsinstitute heben ihre Wachstumsprognose auf 1,3 Prozent an,
> sogar die Exporte nehmen zu. Ein Problem sei aber fehlendes Vertrauen.
(IMG) Bild: Obwohl das Niedrigwasser Transporte erschwert hat, legt die Konjunktur erst einmal wieder zu: Schiff bei St. Goarshausen
dpa | Das Vertrauen der deutschen Wirtschaft in die Politik schwächelt.
Trotz verbesserter Wachstumserwartungen sind die führenden
Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer „[1][Gemeinschaftsdiagnose“]
deshalb nur bedingt optimistisch. „Die deutsche Wirtschaft ist seit Ende
vergangenen Jahres im Aufschwung“, sagt der Konjunkturchef des
Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller.
Doch dieser Aufschwung stehe „auf einem schmalen Fundament“.
Für 2026 erwarten die Institute einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts
(BIP) um 1,3 Prozent. Im Frühjahr hatten sie noch mit 0,6 Prozent
gerechnet. Die Gemeinschaftsdiagnose wird erstellt vom Deutschen Institut
für Wirtschaftsforschung, dem Ifo-Institut, dem Kiel Institut für
Weltwirtschaft, dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und dem
RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen.
Damals hatten sie wegen des Iran-Kriegs und der [2][stark gestiegenen
Energiepreise] mit einem „Energiepreisschock“ gerechnet. Dieser fiel jedoch
geringer aus als befürchtet. Weil sich die Weltwirtschaft „erstaunlich
robust“ entwickle, profitiere vor allem die Exportwirtschaft. Dazu kommen
der Boom rund um Künstliche Intelligenz und die von der Bundesregierung mit
Schulden finanzierten Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung.
## Niedrigwasserdelle
Zwar sei die Erholung in den vergangenen Wochen durch das
[3][Niedrigwasser] und die hohen Energiepreisen gebremst worden, das sei
aber nur „eine kurze Delle“, sagt Holtemöller.
Die Institute korrigieren auch ihre Erwartung für das kommende Jahr nach
oben. Der private Konsum dürfte anziehen, genauso wie der Wohnungsbau,
sagen sie. Für 2027 rechnen sie deshalb mit einem BIP-Wachstum von 1,1
Prozent.
Der Blick darüber hinaus fällt allerdings verhaltener aus. Für 2028
prognostizieren die Institute nur noch ein Plus von 0,4 Prozent. Sie sehen
vor allem strukturelle Probleme: Die Unternehmen dürften zunehmend an
Kapazitätsgrenzen stoßen, während das Arbeitskräfteangebot schrumpft. Hinzu
kommen absehbar weiterhin hohe Energiepreise.
Anders als bei früheren Aufschwüngen bleiben der private Konsum und die
Unternehmensinvestitionen hinter der Entwicklung zurück. „Trotz steigender
Produktion herrscht bei vielen Unternehmen und privaten Haushalten
weiterhin Skepsis“, sagt Holtemöller.
## Verbesserte Stimmung
Es fehle das Vertrauen, warnen die Institute. Stefan Kooths vom Kieler
Institut für Weltwirtschaft, mahnt deshalb zu Verlässlichkeit bei Reformen:
Wenn Reformpakete im Quartalsrhythmus angekündigt, dann aber wieder
aufgeschnürt und verschoben würden, lasse das Investoren zögern.
DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik betonte, das Sondervermögen für
Infrastruktur und Klimaneutralität und die Kreditmöglichkeiten für die
Verteidigung setzten erhebliche Impulse. Die Investitionen müssten nun aber
schnell anlaufen und an den richtigen Stellen ansetzen.
Den von der Bundesregierung [4][geplanten Tankrabatt] dagegen sehen die
Institute skeptisch. Er sei eine Entlastung mit der Gießkanne, für die es
keinen finanzpolitischen Spielraum gebe.
24 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://gemeinschaftsdiagnose.de/2026/09/24/gemeinschaftsdiagnose-herbst-2026-aufschwung-mit-strukturproblemen-finanzpolitik-auf-abwegen/
(DIR) [2] /Hohe-Energiekosten/!6182208
(DIR) [3] /Der-heisse-Sommer-2026-kostet-die-Wirtschaft-zweistellige-Milliarden---gibt-es-jetzt-ein-Umdenken-in-der-Klimapolitik/!6206743
(DIR) [4] /Kritik-an-Spritpreis-Entlastungen/!6214717
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