# taz.de -- Berliner Linkspartei: Probleme in der dritten Reihe
> Ohne Gegenstimme ist die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Eralp zur
> Fraktionschefin gewählt worden. Doch Konflikte drohen nicht nur wegen
> eines Ausschlussantrags.
(IMG) Bild: Will die Palästinafrage in Berlin lösen: Hannah Bruns
Als am Dienstag die alte und die [1][neue Fraktion der Linkspartei im
Abgeordnetenhaus] zusammentrafen, reichte der ursprünglich vorgesehene Raum
angesichts von 47 neuen Abgeordneten nicht aus. Stattdessen musste man
ausweichen in den Festsaal des ehemaligen Preußischen Landtags, in jenen
Raum, in dem sich einst die Kommunistische Partei Deutschlands gründete.
Einstimmig wurde dabei [2][Elif Eralp] zur Fraktionsvorsitzenden gewählt,
an die Stelle der aus dem Parlament ausgeschiedenen Anne Helm. Neben ihr
blieb der bisherige Fraktionsvorstand samt des Co-Vorsitzenden Tobias
Schulze im Amt, kommissarisch, bis sich das neue Abgeordnetenhaus im
Oktober konstituiert. Teilnehmer:innen beschreiben die Sitzung als
harmonisch: Weder habe es Debatten um eine Regierungsbeteiligung noch um
Antisemitismusvorwürfe gegeben.
Doch mit dieser Harmonie könnte es bereits am Freitag vorbei sein, wenn ein
Landesparteitag zusammenkommt, um einer Sondierungsgruppe für Gespräche mit
SPD und Grüne über eine gemeinsame Regierung das Mandat zu geben. Der
Landesvorstand hat eine fünfköpfige Gruppe vorgeschlagen, zu der neben Elif
Eralp und Tobias Schulze die beiden Landesparteichefs Kerstin Wolter und
Maximilian Schirmer sowie die ehemalige Staatssekretärin Wenke Christoph
gehören.
Ein Antrag aus Kreisen der Bewegungslinken, vor allem aus Neukölln und
Tempelhof-Schöneberg, schlägt hingegen vor, die Sondierungsgruppe vom
Parteitag wählen zu lassen. Die Begründung: Das vorgeschlagene Personal
spiegle nicht die Diversität der Partei wider, hätte eine Schlagseite
zugunsten der alten Regierungslinken. Stattdessen sollen auch „diejenigen
Teile der Partei mit am Tisch sitzen, die einer Regierungsbeteiligung
kritisch gegenüberstehen“, heißt es in dem der taz vorliegenden Antrag.
Weil aber eine Wahl mit vielen Kandidat:innen auf dem für nur 3 Stunden
angesetzten Parteitag kaum zu realisieren sein dürfte, könnte es auch auf
einen Kompromiss hinauslaufen.
## Ausschlussantrag gegen Pali-Aktivistin
Schwieriger könnte für die Partei dagegen das Thema Antisemitismus werden,
nicht nur angesichts [3][einer aufgeheizten öffentlichen Debatte], sondern
auch durch das Bekanntwerden eines Parteiausschlussantrags gegen die
Wortführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität, Hannah
Bruns. Der Antrag von mehreren namentlich nicht bekannten Parteimitgliedern
ging am Samstag bei der Landesschiedskommission der Partei ein.
Bruns hat kein Parteiamt inne, ist aber lautstarke Vertreterin der AG
Palisoli und äußert sich immer wieder unversöhnlich zum
Israel-Palästina-Konflikt. Zugeschrieben wird ihr etwa die Aussage: „Die
Befreiung Palästinas endet dann, wenn Tel Aviv wieder in der Hand von
Palästina liegt.“ Auch in ihrer Reaktion auf den Ausschlussantrag
bekräftigt sie ihre Haltung: „Ich habe auch auf Demonstrationen gesagt,
dass Palästinenser:innen auch das Recht haben, sich bewaffnet gegen
Vertreibung, Apartheid und Genozid zu wehren.“ Sie selbst „werde den Kampf
gegen diesen Ausschlussantrag“ führen und gewinnen, gibt sich Bruns
überzeugt. Bis zu einem Urteil dürften aber noch Monate vergehen.
Im vergangenen November war Bruns beteiligt an einer kurzfristigen
Besetzungsaktion in der Parteizentrale der Linken in Reaktion auf den
[4][Ausschluss von Ramsis Kilan]i, der aufgrund antiisraelischer Hetze und
fehlender Distanzierung von der Hamas aus der Partei ausgeschlossen worden
war. Zumindest bei einigen neuen Abgeordneten dürften Ausschlüsse
propalästinensischer Aktivist:innen, bei denen die Grenzen zu
israelbezogenem Antisemitismus fließend sind, nicht auf Wohlwollen stoßen.
Zu ihnen gehört etwa Vanessa Emde aus Neukölln, Teil des trotzkistischen
Netzwerks Marx 21. Vor der Wahl hatte sie auf dem Instagram-Account der
Pali-AG den Aufruf „Lieber richtig in die Opposition als falsch in die
Regierung“ veröffentlicht und versprochen, dass sie für die „Preisgabe
palästinasolidarischer Positionen“ nicht zu haben sei.
Kompromisslos gibt sich auch die Jugendverbands-Kandidatin Asya Șenyüz aus
Tempelhof-Schöneberg, die sich explizit gegen Regierungsbeteiligungen
einsetzt und jüngst erklärt hatte, sie werde sich niemals zurücknehmen,
wenn es „um den Genozid in Gaza geht“.
Im Umfeld der Pali-AG bewegen sich auch die beiden in Mitte direkt
gewählten Abgeordneten Deike Janssen und [5][Martha Kleedörfe]r. Um
Letztere gab es Wirbel, als sie den Bürgermeister einer israelischen
Partnerstadt von Mitte, einen Parteifreund von Benjamin Netanjahu, als
„Faschisten“ bezeichnet hatte.
23 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Linke-gewinnt-Abgeordnetenhauswahl/!6213639
(DIR) [2] /Berliner-Linke/!6214991
(DIR) [3] /Linke-und-Antisemitismus/!6215302
(DIR) [4] /Streit-ueber-Antisemitismus/!6045837
(DIR) [5] /Berlins-Linke-und-Nahost/!6209189
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
## TAGS
(DIR) Die Linke Berlin
(DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
(DIR) Antisemitismus
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Antisemitismus-Streit in der Linken: An Koçak spaltet sich die Linkspartei
Die Linke streitet über den Umgang mit ihrem Abgeordneten Ferat Koçak.
Gefährden die Antisemitismusvorwürfe die rot-rot-grüne Regierungsbildung in
Berlin?
(DIR) Linke und Antisemitismus: „Die Debatte hat die Funktion, die Linke zu schwächen“
Der Soziologe Peter Ullrich weist Antisemitismusvorwürfe gegen die
Linkspartei zurück. Er kritisiert eine rechte Kampagne, die strategisch
eingesetzt werde.
(DIR) Nach Wahlsieg der Linken: Willkommen in der islamo-sozialistischen Höllendiktatur
Der Wahlsieg der Linken löst in bürgerlichen und rechten Kreisen eine
Kernschmelze aus. Doch hinter der Schmierkampagne steht ein gefährliches
Kalkül.
(DIR) Berlins Linke und Nahost: Schmerzhafter Spagat
Das Ausbrechen des Nahostkonflikts in der Linken ist kein Zufall. In der
neuen Fraktion wird der Palästina-Flügel aber keine dominierende Rolle
spielen.