# taz.de -- EU-Sanktionen gegen Russland: Erfolg für zwei russische Milliardäre
> Die EU streicht die Oligarchen Alischer Usmanow und Michail Fridman von
> ihrer Russland-Sanktionsliste. Für Usmanow hatte sich vor allem Paris
> eingesetzt.
(IMG) Bild: Der Oligarch Alischer Usmanow wurde von der Sanktionsliste gestrichen
Die EU-Sanktionen gegen Russland sind schon lange ein Zankapfel. Bisher
endete der Streit meist, wenn sich die 27 Mitgliedstaaten auf neue
Strafmaßnahmen geeinigt hatten. Diesmal ist es anders: Der EU-Beschluss,
die beiden russischen Milliardäre Alischer Usmanow und Michail Fridman von
der Sanktionsliste zu streichen, sorgt für Empörung in der Ukraine, aber
auch darüber hinaus.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha nannte die Entscheidung auf X
(vormals Twitter) beschämend und nicht zu rechtfertigen. „Moskau feiert“,
erklärte er. Die EU-Staaten sollten nun eigene, nationale Sanktionen gegen
die beiden Oligarchen verhängen. Lettland will diesem Appell offenbar
folgen. EU-Diplomaten in Brüssel sprachen von einem Präzedenzfall und
warnten vor möglichen Folgen.
Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass russische Oligarchen „delistet“
werden. Zudem können auch die Hardliner in der EU einen Erfolg verbuchen:
Die rund 3.000 gegen Personen und Organisationen in Russland gerichteten
Sanktionen wurden ungewöhnlich lange verlängert. Bisher ging es meist um
sechs bis zwölf Monate. Diesmal beschloss die EU, die Strafen um drei Jahre
zu verlängern.
Damit wird verhindert, dass bei jeder Verlängerung neuer Streit in Brüssel
ausbricht. Bisher hatten sich meist [1][Ungarn und die Slowakei]
quergestellt, wenn Sanktionen verlängert werden sollten. Diesmal waren es
Frankreich, die Slowakei und Luxemburg. Diese drei EU-Länder nutzten die
Deadline, um überraschende, aus Sicht der Ukraine und Lettland empörende
Forderungen zu stellen.
## Verhärtete Positionen
Die französische Regierung verlangte, Usmanow von der Strafliste zu
streichen. Nach Angaben von EU-Diplomaten ging es Paris darum, zwei in
Aserbaidschan inhaftierte Franzosen freizubekommen – Baku habe als
Vorbedingung die Delistung Usmanows gefordert. Kritiker sprechen in diesem
Zusammenhang von Erpressung. Die Regierung in Baku weist dies zurück.
Frankreich begründet seine Forderung mit Fragen der „nationalen
Sicherheit“, ohne ins Detail zu gehen. Luxemburg erklärte, wenn Paris eine
Extrawurst bekomme, müsse auch Fridman von der Sanktionsliste gestrichen
werden. Fridman hat Luxemburg wegen des Einfrierens seiner dort gelagerten
Vermögenswerte auf Entschädigung in Höhe von rund 16 Milliarden Euro
verklagt.
Die Slowakei unterstützte diese Forderungen. Demgegenüber wurden sie von
den meisten EU-Staaten zurückgewiesen. Die EU-Sanktionen gegen Russland
müssten verschärft, nicht abgeschwächt werden, hieß es. Dafür setzte sich
auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas ein. Die Positionen waren so
verhärtet, dass die Deadline für die Verlängerung der Sanktionen um eine
Woche verlängert werden musste.
Am Ende standen die 27 EU-Staaten vor der Alternative, den Forderungen
Frankreichs und Luxemburgs in zwei Fällen nachzugeben – oder ein Auslaufen
von 3000 Sanktionen zu riskieren. Vor dieser Wahl lenkte schließlich auch
Lettland ein. Allerdings waren zuvor noch mehrere Krisensitzungen der
EU-Botschafter in Brüssel und hektische Konsultationen mit den nationalen
Hauptstädten nötig.
## Ungewöhnliches Vorgehen
Auch nach der Einigung, die am späten Dienstnachmittag erfolgte, haben sich
die Gemüter nicht beruhigt. Estland hat von Frankreich eine öffentliche
Erklärung für sein ungewöhnliches Vorgehen gefordert. Die Streichung sende
ein sehr schlechtes Signal zu einem sehr falschen Zeitpunkt, sagte der
estnische Außenminister Margus Tsahkna. Die EU habe sich erpressbar
gemacht, so die Sorge.
Allerdings gibt es auch noch eine andere Lesart. Demnach sind Sanktionen
kein Selbstzweck, um ein Land zu bestrafen – sondern ein mächtiger Hebel,
um wichtige außenpolitische Ziele zu erreichen. Man kann die Strafen nicht
nur ständig verschärfen, wie die EU, die im Juli bereits ihr 21.
Sanktionspaket gegen Russland verhängt hat. Sie lassen sich auch lockern,
wenn dies Vorteile verspricht.
Frankreich ist nach dieser Logik vorgegangen, war dabei allerdings offenbar
vor allem auf den nationalen Vorteil bedacht. Ungewöhnlich ist dies nicht –
die USA halten es genauso. [2][Beim 21. Sanktionspaket hat auch Deutschland
nationale Interessen ins Spiel gebracht – und zunächst geplante
EU-Sanktionen gegen russische Fischexporte gestrichen. Damals ging es nicht
um einen Oligarchen, sondern um der Deutschen liebste Speise:
Fischstäbchen.]
23 Sep 2026
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