# taz.de -- EU verhängt neue Russland-Sanktionen: Bei Fischstäbchen wird Deutschland zum Putin-Freund
> Ein neues EU-Sanktionspaket soll Druck auf Moskau ausüben. In vielen
> Bereichen wurde es zuvor abgeschwächt. Auch Deutschland gerierte sich als
> Bedenkenträger.
(IMG) Bild: Fischstäbchen enthalten oft russischen Fisch
dpa/rtr/taz | Die 27 EU-Staaten haben sich angesichts des anhaltenden
Angriffskrieges gegen die Ukraine am Donnerstag auf ein neues Paket mit
Russland-Sanktionen geeinigt. Man habe 32 weitere russische Banken auf die
Sanktionsliste gesetzt, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
Leyen mit.
Zudem seien Strafmaßnahmen gegen russische Kryptofirmen und
Ölhandelsplattformen beschlossen worden. Die EU bereite außerdem vor, dass
am Krieg gegen die Ukraine beteiligte russische Soldaten nicht mehr in die
Europäische Union einreisen dürfen.
Ein Einfrieren der festgelegten Preisobergrenze für russische Ölverkäufe
für ein Jahr werde zudem sicherstellen, dass „die russische
Kriegsmaschinerie nicht von Marktschocks profitiert“, fügte sie mit Blick
auf die wegen des Irankriegs stark gestiegenen Weltmarktpreise für Öl
hinzu.
## Schwierige Verhandlungen
Bei vorherigen Sanktionspaketen [1][richtete sich der Blick vor allem auf
Ungarn]. Dessen inzwischen abgewählter rechtsautokratischer
Ministerpräsident Viktor Orbán hatte aus seiner Russland-Nähe nie einen
Hehl gemacht und entsprechende EU-Entscheidungen nach Kräften blockiert.
Nun ist Orbán weg – und es zeigt sich, dass es mit Blick auf Maßnahmen
gegen den russischen Aggressor kaum besser läuft.
So waren auch der aktuellen Einigung [2][zähe Verhandlungen zwischen den
Mitgliedstaaten] vorausgegangen. Mehrere Länder setzten dabei
Abschwächungen oder Zugeständnisse zugunsten heimischer Unternehmen durch.
Sie argumentierten unter anderem, die Sanktionen dürften in der EU keine
größeren wirtschaftlichen Schäden verursachen als in Russland.
Dabei zeigte sich ein grundsätzliches Dilemma: Angesichts der bereits sehr
langen Liste von Strafmaßnahmen wird es immer schwieriger, weitere
Sanktionen zu finden, die Russland spürbar treffen, zugleich aber
vergleichsweise geringe Auswirkungen auf Unternehmen und Menschen in der EU
und in Drittstaaten haben.
Griechenland etwa verhinderte im Interesse heimischer Reedereien, dass ein
Transportverbot für russisches Flüssigerdgas in Drittstaaten so umfassend
realisiert wird wie geplant. Altverträge bleiben nun erst einmal außen vor.
Zudem kommen von der EU-Kommission vorgeschlagene Einfuhrbeschränkungen für
Alaska-Seelachs aus Russland ebenso wenig wie ein Einfuhrverbot für
Kabeljau.
## Deutsche Fischpfründen verteidigt
In diesem Fall pochte nach Angaben von EU-Diplomaten neben Portugal und
Frankreich auch Deutschland auf eine Abschwächung der vorgesehenen
Sanktionen. Weil auch Kompromissvorschläge keinen Konsens fanden, wurde der
Vorschlag dann irgendwann ganz gestrichen. Von den Diplomaten hieß es,
Deutschland wäre bereit gewesen, einem Kompromiss zuzustimmen. Andere
Mitgliedstaaten hätten aber noch weitergehende Forderungen gehabt.
Auf deutscher Seite hatte vor allem der Kommissionsvorschlag für Bedenken
gesorgt, die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland in die EU innerhalb
von zwei Jahren um die Hälfte zu reduzieren. Angesichts des begrenzten
Angebots hätte dies erhebliche Konsequenzen für Produzenten und Konsumenten
von Fischstäbchen, Schlemmerfilets und anderen Tiefkühl-Fischgerichten
haben können. Der Industrie hätten dabei Produktionseinschränkungen und den
Konsumenten höhere Preise gedroht. In Deutschland stehen nach Angaben von
Experten die größten Fischstäbchenfabriken der Welt.
Und so ging es munter weiter mit dem Bedenkentragen: Denn auch das
russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt Patriarch Kirill I. wird vorerst nicht
sanktioniert – [3][vor allem auf Druck Bulgariens hin].
## Von der Leyen sieht Russland unter Druck
Die Vorschläge für das Sanktionspaket waren Anfang Juni von der
EU-Kommission vorgestellt worden. Kommissionspräsidentin von der Leyen
hatte damals beispielsweise zu dem Vorstoß für die Visasperren gesagt,
Europa solle für jeden verschlossen bleiben, der an der Invasion der
Ukraine beteiligt sei.
Zur derzeitigen Lage Russlands erklärte sie, vier Jahre nach Beginn der
groß angelegten Invasion sei das Land eindeutig damit gescheitert, die
Ukraine zu unterwerfen, und der Preis, den Russland zahle, werde von Tag zu
Tag höher. Die Menschen müssten um Söhne, Brüder und Ehemänner trauern und
seien zudem mit einem sinkenden Lebensstandard konfrontiert.
Die Gesetzestexte für das Sanktionspaket müssen nun noch vom Ministerrat
beschlossen werden. Dies gilt offiziell als Formalie.
23 Jul 2026
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