# taz.de -- Sanktionen gegen Russland: Viel Druck, wenig Wirkung
> Nach dem Drohnenfund in Leipzig möchte Deutschland den Druck auf Putins
> Schattenflotte erhöhen. Bisher blieb der Druck auf Russlands
> Energiegeschäft begrenzt.
(IMG) Bild: Der von Greenpeace als Schattenflotten-Tanker identifizierte Öltanker „Kira K“ fährt Ende Juni vor Fehmarn
Russland hat erwartungsgemäß schnell auf die deutschen
Ermittlungserkenntnisse zum Drohnenvorfall auf dem Flughafen Leipzig-Halle
reagiert. Machthaber Wladimir Putin wies jede Verantwortung für den
Anschlagsversuch zurück. Das geschah nur wenige Stunden [1][nachdem
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bundesaußenminister Johann
Wadephul (CDU) Russland für den gescheiterten Anschlag verantwortlich
gemacht hatten.] Dabei ging es um mit Semtex-Sprengstoff beladene Drohnen
auf dem Flugplatz in unmittelbarer Nähe zu ukrainischen Transportfliegern.
Der Kreml reagierte in zahlreichen Vorfällen, die Russland zur Last gelegt
wurden, genau so. So etwa beim Abschuss des Flugzeugs MH17 der Malaysia
Airways über dem Donbass, den Moskau der Ukraine in die Schuhe schieben
wollte. Ein niederländisches Gericht wies nach jahrelangen Ermittlungen
dezidiert nach, dass die Verkehrsmaschine mit 298 Menschen an Bord von
einer Buk-Luftabwehrrakete abgeschossen wurde, die aus Russland in den
Osten der Ukraine gebracht worden war.
Der zum Scharfmacher mutierte frühere russische Präsident Dimitri Medwedjew
forderte am Mittwochmorgen sogar, Berlin und deutsche Rüstungsfabriken
anzugreifen. Das sei eine Reaktion auf die verhängten Strafmaßnahmen gegen
Russland: als „mildeste Form der Bestrafung für die Sünden“ der deutschen
Führung, die einen „neonazistischen, fanatisch russophoben Kurs“ verfolgt.
Unklar blieb allerdings, welche Strafmaßnahmen über die Schließung des
[2][Russischen Hauses in Berlin], des russischen Generalkonsulats in Bonn
und Visaverschärfungen hinaus konkret ergriffen werden.
## Russland baut Schattenflotte immer weiter aus
Wadephul sprach zwar von Druck auf die russische Schattenflotte. Welche
Maßnahmen konkret ergriffen werden sollen, blieb aber offen. Mit dieser
Schattenflotte von mehr als 1.000 Tankern umgeht Russland westliche
Sanktionen gegen russische Ölexporte. Die Schiffe haben oft unklare
Besitzverhältnisse. Sie sind nicht oder unterversichert, obwohl sie meist
deutlich älter sind als andere Öltanker und oft eigentlich hätten
verschrottet werden sollen.
Zudem fahren diese Tanker häufig unter der Flagge eines anderen Staats. Das
soll sie unter den rechtlichen Schutz dieser maritimen Staaten stellen. In
nachgewiesenen Fällen wurden die „Schattenschiffe“ jedoch ohne Zustimmung
oder Prüfung durch die betreffenden Staaten umgeflaggt.
Seit dem Irankrieg, den stark steigenden Öl- und Gaspreisen und der Angst
vor Lieferengpässen wegen der immer wieder erfolgenden Sperrung der Straße
von Hormus im Persischen Golf hat US-Präsident Donald Trump immer wieder
Ausnahmen von Russlandsanktionen genehmigt. Damit sank auch der Druck auf
Reeder aus Griechenland, Zypern und Malta, die russisches Öl transportieren
oder alte Tanker an undurchsichtige Firmengeflechte verkaufen, die
letztlich für Russland fahren.
[3][Die EU hat zwar 670 Tanker der Schattenflotte gelistet]. Diese dürfen
keine europäischen Häfen anlaufen und in der EU
keineServicedienstleistungen erhalten. Dennoch ist es Russlandgelungen,
seine Schattenflotte auszubauen: Nicht nur mehr Öltanker, sondern auch mehr
Tanker, die verflüssigtes Erdgas (LNG) transportieren, fahren jetzt.
## 1,1 Billionen Euro Einnahmen für Russland
In der EU ist vom 1. Januar 2027 der Kauf von russischem LNG verboten. Aber
Griechenland verhinderte verschärfte Sanktionen, die von Januar 2027 auch
den Transport von russischem LNG auf Schiffen europäischer Reedereien
untersagen würde. Dies soll bei bereits bestehenden Verträgen nun nicht
gelten.
Sebastian Rötters von der Umweltschutzorganisation urgewald fordert zudem,
dass die dänische Werft Fayard keine für Russland fahrenden LNG-Tanker mehr
wartet. Fayard sei „die letzte EU-Werft, die immer noch die spezialisierten
Arc7 LNG-Tanker wartet“. Bei den LNG-Sanktionen sei „noch viel Luft nach
oben“, sagte Rötters der taz. Es sei „ein Versagen allererster Güte, dass
seit 2023 der Gasverbrauch in Deutschland wieder steigt“.
Russland hat seit seiner Vollinvasion in der Ukraine im Februar 2022 mehr
als 1,1 Billionen Euro für die Ausfuhr fossiler Brennstoffe eingenommen,
hat das finnische Center for Research on Energy and Clean Air errechnet.
Allein die Energiefirmen in den EU-Staaten nahmen für über 235,6 Milliarden
Euro russische Energieträger ab. Davon mehr als 110 Milliarden Euro für Öl
und 121 Milliarden Euro für Gas.
Wegen der ebenfalls infolge der Schließung der Straße von Hormus stark
gestiegenen Düngerpreise und wegen des Ausfalls russischer und ukrainischer
Getreideexporte über das Schwarze Meer infolge gegenseitiger heftiger
Angriffe rechnen Fachleute auch nicht damit, dass derartige Exporte
Russlands künftig stärker unter Sanktionsdruck geraten könnten.
2 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Drohnen-auf-Leipziger-Flughafen/!6209181
(DIR) [2] /Das-Russische-Haus/!6140195
(DIR) [3] https://www.consilium.europa.eu/en/policies/sanctions-against-russia-explained/?n=%40&utm_source=chatgpt.com#shadow-fleet
## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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