# taz.de -- Streit über Oligarchen: Frankreich und Slowakei blockieren Russland-Sanktionen
> Die Europäische Union ringt um eine langfristige Lösung, wie der Kreml
> bestraft werden könnte. Dabei steht ein usbekischer Oligarch im Fokus.
(IMG) Bild: Robert Fico, Ministerpräsident der Slowakei, am 19. Juni in Brüssel
Die routinemäßige Verlängerung der Russland-Sanktionen ist in der EU
vorerst gescheitert. Laut der irischen Ratspräsidentschaft konnten sich die
27 EU-Mitgliedstaaten nicht darauf einigen, die am Dienstag auslaufenden
Strafmaßnahmen gegen rund 3.000 russische Personen, Einrichtungen und
Unternehmen um ein Jahr zu verlängern.
Vor allem die Slowakei und Frankreich hatten die erforderliche
Einstimmigkeit verhindert. „Wir haben ein konkretes Problem der nationalen
Sicherheit und möchten unseren internationalen Partnern, die sich wegen
Herrn Usmanow an uns wenden, positiv entgegenkommen“, zitierte die
Nachrichtenagentur AFP französische diplomatische Quellen.
Demnach soll die Slowakei verlangen, den aus Usbekistan stammenden
russischen Oligarchen Alisher Usmanow von der Sanktionsliste vor der
Verlängerung zu streichen. Über Usmanow heißt es im EU-Sanktionsbeschluss
vom 28. Februar 2022, er sei „ein kremlfreundlicher Oligarch mit besonders
engen Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er wird als
einer der Lieblingsoligarchen Wladimir Putins bezeichnet.“
Usmanow habe „russische Entscheidungsträger, die für die Annexion der Krim
und die Destabilisierung der Ukraine verantwortlich waren, aktiv materiell
oder finanziell“ unterstützt, heißt es in der vier Tage nach Russlands
Vollinvasion in der Ukraine verhängten Sanktionsliste.
Der seit 2023 wieder regierende slowakische Ministerpräsident Robert Fico
gilt als besonders russlandfreundlich. Usmanow ist laut der EU „an
Unternehmen aus den Bereichen Eisenerz und Stahl, Medien sowie Internet
beteiligt. Seine größte Beteiligung ist der Stahlriese Metalloinvest.“ Das
US-Wirtschaftsmagazin Forbes taxiert den 73-Jährigen mit einem Vermögen von
14 Milliarden Dollar als Nummer 199 auf der Liste der reichsten Menschen
der Welt. [1][In Russland wäre er damit auf Platz 10.]
## Viele Köche, viele Interessen
Die Lage ist aber noch verwirrender: So sollen auch Italien und Kroatien
für die Streichung Usmanows sein. Frankreich will damit nicht nur der
Slowakei entgegenkommen, sondern auch ein anderes Ziel erreichen: die
Freilassung von mehreren in Aserbaidschan inhaftierten französischen
Staatsbürgern, wie die Financial Times mutmaßt. Worum genau es bei diesem
Deal gehen soll, ist bislang unklar. Weder die französische noch die
aserbaidschanische Regierung noch Usmanow selbst beantworteten
Presseanfragen dazu.
Die Slowakei und Luxemburg sollen demnach auch den Moskauer Bankier Michail
Fridman von der Liste streichen wollen. Zugleich aber hat das
luxemburgische Finanzministerium die Staatsanwaltschaft gebeten, Vorwürfe
der Umgehung der Russland-Sanktionen und des möglichen Insiderhandels durch
ehemalige Führungskräfte der lokalen Niederlassung der „[2][Gazprombank]“
zu untersuchen. Dies teilte Finanzminister Gilles Roth in einer
nichtöffentlichen Sitzung des Finanzausschusses mit, wie vier anwesende
Abgeordnete der Financial Times berichteten. Die USA wiederum haben die
zweitgrößte russische Staatsbank VTB am Dienstag auf ihre Sanktionsliste
gesetzt – allerdings wegen der Sanktionen gegen Iran.
15 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.forbes.ru/milliardery/559579-155-milliarderov-rossii-rejting-forbes-2026
(DIR) [2] /Gaslieferungen-aus-Russland/!5843066
## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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