# taz.de -- Kritik an Spritpreis-Entlastungen: Klimaschädlich, teuer, ungerecht
> Wieder Rabatte für Verbrenner-Fahrer*innen: Expert*innen aus Ökonomie,
> Umwelt- und Verbraucherschutz kritisieren Tankrabatt und
> Spritpreisdeckel.
(IMG) Bild: Tankstelle in Mecklenburg-Vorpommern am 18. September
Die von der Bundesregierung geplanten Entlastungen für Fahrer*innen von
Verbrennerfahrzeugen stoßen auf harsche Kritik von Klimaschützer*innen
und -fachleuten. „Unfassbar“ sei es, dass die Bundesregierung nach 16.000
Hitzetoten allein in diesem Sommer „die Ursache der Hitze, fossile
Brennstoffe“, mit 2,5 Milliarden Euro fördern wolle, sagte Stefan
Rahmstorf, Leiter der Abteilung für Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut
für Klimafolgenforschung. „Das meiste Geld landet dann wieder bei den
Ölkonzernen, der Lobby gegen Klimaschutz.“
Die Produzenten fossiler Brennstoffe dürften „sich gerade wie Einbrecher
fühlen, denen der Bankdirektor den Safecode aufschreibt“, erklärte
Greenpeace-Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer. Der am Freitagabend
angekündigte Tankrabatt „ist nicht zielgerichtet, klimaschädlich und ein
dicker Batzen davon landet am Ende als Übergewinn in den Taschen der
Ölkonzerne“.
Die schwarz-rote Koalition hatte am Freitagabend, zwei Tage vor den
wichtigen Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, [1][angekündigt],
bis zum Jahresende die [2][Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent
pro Liter] zu senken. Inklusive darauf fällig werdender Mehrwertsteuer soll
sich der Tankrabatt auf 17 Cent pro Liter summieren. Dasselbe Modell galt
auch schon im Mai und Juni. Bis spätestens 1. Januar 2027 soll zudem ein
Spritpreisdeckel eingeführt werden, um Preisaufschläge zu begrenzen.
Ursache der Maßnahme sind die durch den Irankrieg und die zeitweise
Schließung der Straße von Hormus stark gestiegenen Spritpreise. „Wer jeden
Tag auf das Auto angewiesen ist, kommt an seine Belastungsgrenze“, erklärte
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
## Mehr Entlastung für einkommensstarke Haushalte
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nannte die Pläne
dagegen „teuer, unsozial und unökologisch“. „Ein Mobilitäts- oder Klimageld
mit einer Pro-Kopf-Auszahlung wäre die bessere Lösung gewesen“, erklärte
BUND-Verkehrspolitik-Experte Jens Hilgenberg. Der pauschale Tankrabatt
würde einkommensstarke Haushalte mit hohen Treibstoffverbräuchen relativ
gesehen besonders stark entlasten.
Wegen steigender Heizkosten und der Einhaltung der Klimaziele müsse
Deutschland endlich langfristig seine Abhängigkeit von fossilen
Energieträgern verringern, sagte Ramona Pop, Vorständin der
Verbraucherzentrale Bundesverband. „Die Bundesregierung greift erneut zur
Gießkanne. Das ist teuer, kurzsichtig und wenig zielgenau.“
Auch konservative Ökonom*innen lehnen die Maßnahmen ab –allerdings aus
anderen Gründen: Die „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm sprach von
„kurzsichtiger“ und „opportunistischer“ Politik, die zu hohen Schulden
führe. Es sei „zynisch“, auf Kosten der jungen Generation das Fahren von
Autos mit Verbrennungsmotor zu subventionieren, sagte sie dem Kölner
Stadt-Anzeiger. Die Regierung versuche, die Wähler*innen nicht zu
verprellen, „aber am Ende führt es nur dazu, dass viele Wähler sich
frustriert von den etablierten Parteien abwenden, weil sie ihren Job eben
nicht machen“, betonte Grimm, die im Sachverständigenrat der
Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
sitzt.
„Ich halte den Tankrabatt für einen Fehler“, erklärte auch Clemens Fuest,
Leiter des wirtschaftsliberalen Münchener Ifo-Instituts. Der Staat gebe für
die Maßnahme viel Geld aus und erreiche damit „zu einem großen Teil
Autofahrer, die sich die Benzinpreise leisten können“, sagte er der
Bild-Zeitung. Zielgenauere Hilfen wären aus seiner Sicht sinnvoller, die
hohen Energiepreise seien angesichts der Situation am Weltmarkt nicht aus
der Welt zu schaffen.
## Preisdeckel führte zu Warteschlangen an Tankstellen
Auch die geplante Deckelung der Spritpreise findet unter Fachleuten wenig
Anklang. „Preisdeckel haben Nebenwirkungen, die die Autofahrer Zeit und
Nerven kosten, weil es leicht zu Knappheiten und langen Warteschlangen an
den Tankstellen kommen kann“, sagte Manuel Frondel vom Essener RWI
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Das habe sich 2022 in Ungarn
gezeigt, als Ölkonzerne nach dem Einfrieren der Spritpreise den Import
stoppten, weil sich das Geschäft angeblich nicht mehr lohnte.
Auch die von vielen anderen Ökonom*innen geforderten Direktzahlungen an
Bedürftige seien problematisch. Aus „verteilungspolitischer Sicht natürlich
wünschenswert“, meinte Frondel, „aber auf jeden Fall wäre diese Lösung mit
hohen Bürokratiekosten verbunden.“
Der Deutsche Bauernverband hingegen begrüßte den Tankrabatt. Die
Energiesteuer auf Kraftstoffe kurzfristig zu senken, sei richtig, sagte
Bauernpräsident Joachim Rukwied. Die Bauern hatten die Regierung zuvor
gedrängt, Pläne für eine mögliche Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und
Diesel zu verwerfen. Eine solche Maßnahme sei für Betriebe wirkungslos,
weil sich Firmen die gezahlte Umsatzsteuer ohnehin vom Finanzamt erstatten
ließen. Die Energiesteuer zahlten hingegen alle. Auch der Logistikverband
BGL sprach von einem „wichtigen Signal“.
20 Sep 2026
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(DIR) Kai Schöneberg
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