# taz.de -- Bilanz nach 6 Monaten Krieg: Krise! Krise? Das unterschiedliche Leiden am Golf
> Ein halbes Jahr Krieg hat Irans Wirtschaft hart getroffen. Aber auch ein
> kleines Land am Persischen Golf. Ein Profiteur ist der weltgrößte
> Ölkonzern.
(IMG) Bild: Ein US-Dollar kostet nun auf dem freien Markt gut 2 Millionen iranische Rial
Einen [1][„ökonomischen D-Day“] hat US-Präsident Donald Trump dem Iran
angekündigt. Wenn die Regierung in Teheran nicht verhandeln wolle, werde
das Land ökonomisch vernichtet. Und es sieht aus, als habe er damit einen
Nerv getroffen. Der iranische Präsident Massud Peseschkian forderte bereits
neue Gespräche: „Es ist besser, den Krieg heute zu beenden, solange wir
mächtig und angesehen sind und die ganze Welt unseren Sieg anerkennt.“
Die sechs Monate Krieg mit den USA und Israel haben den Zerfall der
iranischen Währung massiv beschleunigt. Binnen Jahresfrist hat sie mehr als
die Hälfte ihres Werts verloren. Ein US-Dollar kostet nun auf dem freien
Markt gut 2 Millionen iranische Rial.
Zugleich ist Benzin in Iran so billig wie nirgends sonst. Aber vor den
Tankstellen stehen Autos in langen Schlangen, wie Videos auf Social
Media-Kanälen zeigen: Stundenlang warten die Menschen, um den
subventionierten Treibstoff zu bekommen – bis zu 60 Liter pro Monat gibt es
für 15.000 Rial pro Liter. Ein Liter Wasser kostet fast das Zwanzigfache.
Dass der Benzinpreis bisher stabil bleibt, liegt daran, dass das Regime
Unruhen wie nach den Spritpreiserhöhungen 2019 vermeiden will. Dafür
importiert es sogar Treibstoff aus Nachbarländern wie dem Irak und der
Türkei.
Indes sind [2][die Preise für Lebensmittel binnen eines Jahres um 128
Prozent gestiegen]. „Wir sterben hier langsam, denn wir können uns nicht
mehr genug zu essen leisten“, sagte eine Lehrerin in Teheran der taz. „Ich
hoffe nur, dass unsere Kinder durchkommen.“ Ihr Name dürfe auf keinen Fall
erscheinen, macht sie noch klar. Auch die Strafen für das Sprechen mit
ausländischen Medien sind noch einmal verschärft worden.
## Irans Staatskassen sind leer
„Die Wirtschaft ist Irans Achillesferse“, meint die in London ansässige
iranische Wirtschaftsanalystin Masoumeh Taherkhani. Schon vor dem Krieg sei
die Ökonomie „in ernsthaften Schwierigkeiten“ gewesen. Aber nun drohe der
Absturz. Die US-Seeblockade habe Importe und Exporte für Iran erschwert,
die Staatseinnahmen sänken drastisch und der Regierung fehlten die Mittel,
um Verpflichtungen gegenüber Arbeitern, Rentnern und Staatsbediensteten
nachzukommen, räumte Präsident Peseschkian ein.
Rohöl ist das wichtigste Exportgut. Aber zuletzt konnte das Land nur noch
287.000 Barrel täglich verladen, zeigen Daten des Schifffahrt-Analysten
Kpler. Im März und April waren es noch 2 Millionen Barrel. China als
größter Käufer nahm zuletzt, noch vor der Ankündigung der US-amerikanischen
Sanktionen gegen Irans Handelspartner, nicht einmal ein Drittel so viel ab
wie zu Kriegsbeginn.
So gesehen ist Iran ökonomisch stehend k.o. Der Internationale
Währungsfonds (IWF) rechnete im Juli damit, dass die Wirtschaft in diesem
Jahr um 5,4 Prozent schrumpft. Die neuen US-Sanktionen dürfte die
Aussichten noch verschlechtern.
## Emirate unter Druck
Aber das ficht die Hardliner des Regimes nicht an. „Der Feind ist wie ein
Wolf, der Schwäche wittert und anstatt sich zurückzuziehen einen noch
heftigeren Angriff startet“, schreibt die den Iranischen Revolutionsgarden
nahestehende Nachrichtenagentur Fars News Agency. Und die Freitagsprediger
in den großen Moscheen rufen unisono zum verschärften Kampf gegen die USA.
Deren Druck wirkt indes schon. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE)
haben gleich nach Trumps Wirtschaftskriegankündigung alle Handels- und
Finanzbeziehungen zu Iran abgebrochen. Vor allem das Emirat Dubai war eine
Lebensader für das Land: Emiratische (Schein-)Firmen handelten iranisches
Öl, iranische Banken hatten dort Filialen, die Schmuggelroute zwischen
beiden Seiten war wohl etabliert.
Für die VAE sagt die Ratingagentur S&P voraus, dass das reale BIP in diesem
Jahr um 2,7 Prozent schrumpfen wird, nachdem die Wirtschaft 2025 noch um
rund 6 Prozent gewachsen war. Zwar können die Emirate einen Teil ihres Öls
[3][über eine Pipeline] an der blockierten Straße von Hormus vorbei an die
Ostküste des Landes pumpen und von dort aus exportieren. Aber durch die
iranischen Angriffe hat vor allem Dubai als selbstgepriesener „sicherer
Hafen“ gelitten.
Das wie ein riesiges Segel im Meer stehende Luxushotel Burj al Arab wurde
von Drohnen beschossen und geriet in Brand. Nun ist es für eineinhalb Jahre
geschlossen. Auch das Armani-Nobelhotel im welthöchsten Gebäude Burj
Khalifa wird renoviert. Um Reisende zu locken, strichen die Emirate Steuern
für Hotel- und Restaurantrechnungen. Ob diese größten Rabatte seit der
Coronakrise nützen, ist unklar. Dubai veröffentlicht seit Februar keine
offiziellen Touristenzahlen mehr. Laut Finanzdienstleister Moody’s
allerdings ist die Auslastung der Hotels im zweiten Quartal von 80 Prozent
auf 10 Prozent gesunken.
## Der Verlierer heißt Katar
Auch Katar, das kleine Land mit dem größten Erdgasfeld der Welt, leidet
unter Kollateralschäden. „Katar ist nach bisheriger Quellenlage am
stärksten von den Auswirkungen des Kriegs gezeichnet“, schreibt Analystin
Heena Nazir von Germany Trade and Invest. Minus 8,6 Prozent beim
Bruttoinlandsprodukt prognostiziert der IWF.
Iranische Drohnen haben die Anlagen zur Verflüssigung von Erdgas und zur
Herstellung moderner Grundstoffe aus Gas für Motoröl in der Industriestadt
Ras Laffan im Norden der Halbinsel massiv beschädigt. Die Reparatur wird
Jahre brauchen.
Zudem kommen die Tanker mit Flüssiggas, Motorölen, Helium und Dünger weiter
nur schleppend durch die Meerenge von Hormus. Dadurch leiden weltweit die
Hersteller von Halbleitern, hat sich der Preis für Motoröl verdreifacht und
besteht wegen Düngermangels Sorge vor Missernten.
Besser geht es Saudi-Arabien. Die größte Volkswirtschaft in der Region
verfügt über die East-West-Pipeline, mit der ein großer Teil des saudischen
Öls ans Rote Meer gepumpt und vom Hafen Yanbu aus exportiert werden kann.
[4][Saudi Aramco, der weltgrößte Ölkonzern, konnte seinen Gewinn aufgrund
der stark angezogenen Preise im zweiten Quartal sogar um ein Drittel
steigern] – obwohl er die Ölförderung heftig drosseln musste. Die
Ölindustrie brachte dem Königreich allein in diesen drei Monaten 50
Milliarden US-Dollar ein. Dennoch erwartet der Chefökonom der saudischen
Investmentbank Jadwa, Toby Iles, nur ein marginales Wirtschaftswachstum von
0,4 Prozent. Und dies auch nur, wenn bis Jahresende die Ölförderung wieder
hochgefahren werden kann.
29 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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