# taz.de -- Hohe Preise für Benzin und Diesel: Reiche plant Spritpreisdeckel nur bei hohen Preissprüngen
> Die Bundeswirtschaftsministerin legt einen Gesetzentwurf für eine
> Preisobergrenze für Benzin und Diesel vor. Er soll am Mittwoch durchs
> Kabinett.
(IMG) Bild: Einen Spritpreisdeckel gibt es in Zukunft nur bei extremen Preissteigerungen und überlasteten Anzeigetafeln
[1][Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)] will einen
Spritpreisdeckel nur bei extremen Preissteigerungen und unter hohen Hürden
ermöglichen. Dies geht aus dem Referentenentwurf ihres Ministeriums für ein
Kraftstoffhöchstpreisgesetz hervor, der der Nachrichtenagentur Reuters
vorliegt. Nach vorläufiger Planung soll das Kabinett den Entwurf bereits am
Mittwoch auf den Weg bringen. Demnach kann die Regierung erst dann
Höchstpreise festlegen, wenn die Kraftstoffpreise in Deutschland drei
Wochen in Folge um jeweils mehr als fünf Prozentpunkte stärker steigen als
im Durchschnitt der übrigen EU-Staaten. Das gilt für Benzin und Diesel
getrennt.
Steigen die Preise europaweit ähnlich stark, wäre demnach ein Preisdeckel
auch bei kräftigen Preissprüngen in Deutschland nicht möglich. Das
Wirtschaftsministerium bestätigte, dass sich die Vorlage in der
Ressortabstimmung befinde. Details zur Vorlage, über die zuerst das
„Handelsblatt“ berichtet hatte, wollte das Ministerium nicht nennen.
Dem Entwurf zufolge soll die Bundesregierung für einen Zeitraum von drei
Monaten die Möglichkeit erhalten, Höchstpreise für Benzin und Diesel
festzulegen. Danach soll die gesetzliche Ermächtigung automatisch
auslaufen. Einem Reuters vorliegenden internen Zeitplan zufolge sollen
Bundestag und Bundesrat das Gesetzesvorhaben noch vor Weihnachten
verabschieden.
Für den Preisvergleich sollen dem Entwurf zufolge erstmals die Daten der
zweiten vollständigen Januarwoche berücksichtigt werden. Grundlage sollen
die wöchentlich von der EU-Kommission veröffentlichten Kraftstoffpreise
ohne Steuern und Abgaben sein. Das Bundeskartellamt soll über seine
Markttransparenzstelle wöchentlich prüfen, ob die Voraussetzungen für einen
Eingriff erfüllt sind. Aber auch dann müsste die Bundesregierung eine
Preisobergrenze nicht zwingend einführen.
## Bundesländer können abweichen
Der Entwurf sieht eine regelmäßig aktualisierte Berechnungsformel für die
Höchstpreise vor. Dabei müssen die tatsächlichen Marktbedingungen,
Importkosten sowie angemessene Handels- und Vertriebsmargen berücksichtigt
werden. Zu niedrige Höchstpreise könnten dazu führen, dass
Kraftstofflieferungen nach Deutschland unwirtschaftlich würden und
Versorgungsengpässe entstünden. Die Bundesregierung soll die
Preisbegrenzung deshalb bei drohenden Versorgungsproblemen aussetzen
können.
Die Bundesländer sollen zudem von bundesweiten Höchstpreisen nach oben oder
unten abweichen dürfen, um regionale Unterschiede bei Beschaffungs- und
Transportkosten zu berücksichtigen. Das soll auch für einzelne Landkreise
oder Postleitzahlgebiete möglich sein. Ausnahmen könnten zudem für
bestimmte Tankstellen etwa an Autobahnen oder auf Inseln gelten.
Eine von der SPD geforderte [2][Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne]
wird in dem Gesetzentwurf als Alternative zum Spritpreisdeckel verworfen.
Eine solche Steuer könne kurzfristig nicht rechtssicher ausgestaltet
werden, entfalte keine unmittelbare Entlastungswirkung für Verbraucher und
wirke sich negativ auf Investitionsanreize aus. Auch eine erneute
befristete Senkung der Energiesteuer, der sogenannte Tankrabatt, komme
wegen der angespannten Haushaltslage nicht infrage. (rtr)
Die Koalition aus CDU, CSU und SPD hatte Mitte September auf Drängen der
Sozialdemokraten vereinbart, möglichst ab Januar 2027 einen
Spritpreisdeckel einzuführen. Damit sollen die hohen Tankstellenpreise als
Folge des Irankrieges gedämpft werden. Der Entwurf schafft zunächst nur
die befristete Möglichkeit, bei außergewöhnlichen Preissteigerungen
einzugreifen. Eine konkrete Entlastung in Cent je Liter ist nicht
vorgesehen.
[3][Seit Oktober gilt noch bis Ende des Jahres eine dreimonatige Senkung
der Energiesteuer auf Kraftstoffe]. Daraus ergibt sich einschließlich der
geringeren Mehrwertsteuer eine rechnerische Entlastung von rund 17 Cent je
Liter.
2 Nov 2026
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