# taz.de -- Benzinpreis steigt weiter: Weiteres Allzeithoch an den Tankstellen erreicht
       
       > Die Preise für Super E10, Diesel und Heizöl klettern weiter nach oben.
       > Die Diskussion um Entlastung der Verbraucher in Deutschland ist wieder
       > voll entbrannt.
       
 (IMG) Bild: Es wird teurer und teurer
       
       afp | Angesichts der steigenden Spritpreise ist die Diskussion um
       Entlastungen für Autofahrerinnen und -fahrer wieder in vollem Gang: Die
       Forderungen reichen von einem neuen [1][Tankrabatt] über eine Senkung der
       [2][Stromsteuer] bis hin zu einer [3][Übergewinnsteuer].
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach sich für
       Direktzahlungen an Geringverdiener aus. Die Mineralölbranche erwartet erst
       im kommenden Jahr eine Normalisierung der Preise.
       
       Am Montag erreichte der Preis für Super E10 ein weiteres Allzeithoch, der
       Liter kostete im Tagesdurchschnitt 2,286 Euro, wie der ADAC am Dienstag
       mitteilte. Das waren 1,3 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für Diesel
       stieg um 0,8 Cent auf 2,412 Euro pro Liter, er war damit nur noch 3,4 Cent
       vom Rekord aus dem April entfernt. Auch der Heizölpreis kletterte weiter
       nach oben.
       
       Ein Grund für die steigenden Preise sind der hohe Preis für Rohöl sowie
       beschädigte Raffinerien in Kriegsgebieten. Der Ölpreis legte angesichts der
       weiter zunehmenden Spannungen in der Golfregion weiter zu, wenn auch nicht
       mehr so stark wie in den Vortagen. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete
       am Dienstagmorgen 107,55 Dollar, ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI
       103,24 Dollar.
       
       ## Kriege belasten Preise
       
       Entscheidend für die Preisentwicklung sei „die weitere Entwicklung vor
       allem im Nahen Osten“, sagte der Sprecher des Verbands Fuels und Energie,
       Alexander von Gersdorff, der Rheinischen Post. „Käme es zu einem
       Friedensschluss, würden sich auch die Kraftstoffpreise allmählich
       beruhigen.“ Aber auch dann dauere es bis zu einer völligen
       Marktnormalisierung „weit bis ins Jahr 2027“. Das liege daran, dass „viel
       Raffineriekapazität verloren gegangen“ sei.
       
       Der CDU-Verbraucherschutzpolitiker Sebastian Steineke forderte im
       Handelsblatt eine erneute vorübergehende Senkung der Energiesteuer auf das
       europäische Mindestmaß – beim Tankrabatt im Mai und Juni war die
       Energiesteuer um 17 Cent pro Liter inklusive Mehrwertsteuer gesenkt worden.
       Steineke schlug außerdem vor, den CO2-Preis zu überprüfen. Er wird auf
       klimaschädliches Kohlendioxid erhoben und macht fossile Brennstoffe teurer.
       
       SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bekräftigte die Forderung seiner Partei
       nach einem Spritpreisdeckel und einer Übergewinnsteuer, um die „übertrieben
       hohen Gewinne der Ölkonzerne“ staatlich abzuschöpfen. Auch die
       SPD-Verkehrspolitikerin Isabel Caldemartori warb für beide Instrumente.
       Zwar könne sich Deutschland nicht von den Weltmarktpreisen abkoppeln – die
       Ausschläge der Spritpreise würden hierzulande aber „besonders heftig und
       besonders schnell umgesetzt“, sagte sie dem Bayerischen Rundfunk.
       
       ## Stromsteuersenkung als Möglichkeit?
       
       Der Energieexperte des RWI-Leibniz-Instituts, Manuel Frondel, warnte
       dagegen vor der Einführung eines Spritpreisdeckels. „Die Politik sollte
       nicht versuchen, die Preisanstiege an der Zapfsäule mit einem Preisdeckel
       zu begrenzen. Das ist nur scheinbar eine Hilfe“, sagte er der Rheinischen
       Post. Er verwies auf das Beispiel Ungarn im Jahr 2022: „Dort gab es als
       Reaktion auf den Preisdeckel Kraftstoffknappheiten an den Tankstellen,
       lange Schlangen, eine Begrenzung der Tankmengen und letztendlich gingen
       viele Tankstellen in die Insolvenz. Am Ende gab es weniger Tankstellen und
       damit weniger Konkurrenz.“
       
       Der Vize-Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Andreas Audretsch, schlug
       eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß vor – das
       bedeute eine Milliarde Euro Entlastung, „und die kommt ganz direkt bei den
       Menschen im Geldbeutel an“, sagte er den Sendern RTL und ntv.
       
       Ministerin Reiche lehnt eine Stromsteuersenkung ab: Das „hilft demjenigen
       nicht, der an der Tankstelle steht“, sagte sie am Montag den Sendern RTL
       und ntv. Eine Subvention der Spritpreise wie den Tankrabatt wies sie
       ebenfalls kategorisch zurück. „Gemeinsam haben wir entschieden in der
       Koalition, dass dafür momentan die finanziellen Spielräume nicht da sind.“
       Direktzahlungen an Geringverdiener dagegen wären „eine Möglichkeit, schnell
       zu entlasten“.
       
       Linken-Chef Luigi Pantisano sagte AFP: „Nichts hindert die Bundesregierung
       daran, sofort ein Klimageld zu beschließen.“ Auch eine Übergewinnsteuer
       oder ein Gewinnmargendeckel könne „noch in dieser Woche auf den Weg
       gebracht werden“. Das Klimageld – angekündigt damals von der
       Ampel-Regierung – ist eine Pauschalzahlung vom Staat an alle Bürgerinnen
       und Bürger aus den Einnahmen aus der CO2-Abgabe.
       
       15 Sep 2026
       
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