# taz.de -- Tankrabatt zur Spritpreissenkung: Durchschnittlich 12 Euro pro Person pro Monat
> An der Zapfsäule soll es billiger werden, die Politik will die Entlastung
> am Freitag auf den Weg bringen. Was das dem Durchschnittsautofahrer
> bringt.
(IMG) Bild: An der Tanke ist es derzeit richtig teuer. Am Freitag berät der Bundestag über den Tankrabatt
dpa/taz | Bundestag und Bundesrat sollen heute den nächsten Tankrabatt auf
den Weg bringen. Er soll die Steuern auf Benzin und Diesel um knapp [1][17
Cent senken, um Autofahrer zu entlasten]. Was Sie wissen müssen.
## Was genau ist geplant – und wann gilt es?
Die Energiesteuern auf Diesel und Benzin sollen zum 1. Oktober um 14,04
Cent pro Liter sinken. Für Diesel lässt die EU keine stärkere Steuersenkung
zu – und um alle Autofahrer gleich zu behandeln, nimmt man diesen Wert auch
für Benzin.
Weil auf die wegfallende Energiesteuer auch keine Mehrwertsteuer anfällt,
ergibt sich insgesamt eine Steuerreduzierung um 16,7 Cent – gerundet
entspricht das den häufig genannten 17 Cent. Die Reduzierung soll bis Ende
Dezember gelten.
Damit der Rabatt zum 1. Oktober greifen kann, geht die schwarz-rote
Koalition im Eilverfahren vor: Am Freitag sollen erst der Bundestag und
auch gleich der Bundesrat zustimmen. Auf der Tagesordnung des Parlaments
ist das Ganze leicht versteckt – die Änderung wird nämlich an ein anderes
Gesetz angehängt, das im Verfahren schon weit ist. So spart man sich eine
sonst übliche erste Lesung im Parlament und Debatten in den Ausschüssen.
Nach dem Beschluss des Bundestags gegen 12.00 Uhr geht der Entwurf zum
Bundesrat. In Kraft treten kann das Gesetz, wenn dann der Bundespräsident
keine Einwände hat.
## Wie schnell wird der Sprit billiger?
Die Tankstellen müssen die Steuersenkung nicht eins zu eins weitergeben.
Aus der Erfahrung mit dem jüngsten, weitestgehend identisch angelegten
Tankrabatt im Mai und Juni ist aber zu erwarten, dass die Preise in der
Nacht zum 1. Oktober schnell fallen werden – oft schon um Mitternacht.
Das liegt vor allem an den Erwartungen der Kunden. Denn um Mitternacht
haben die Tankstellen noch keinen Sprit mit Steuerrabatt in ihren Tanks.
Der gilt nämlich nur für Kraftstoff, der nach Mitternacht die Raffinerien
oder Großtanklager verlässt.
Bis überall steuerverbilligter Sprit im Lager ist, kann es also ein paar
Tage dauern. Die Preise fallen durch den Wettbewerb aber voraussichtlich
überall – genauso wie sie am Ende des Rabatts auch da steigen werden, wo
noch steuerreduzierter Sprit in den Lagern ist.
## Sollte man am 1. Oktober schnell tanken?
Nein. Es gibt keinen Grund, früh aufzustehen. Einerseits kann der Preis
wegen der Vorgabe, dass eine Erhöhung nur täglich um 12.00 Uhr zulässig
ist, bis Mittag ja nicht wieder steigen, sondern nur sinken. Typischerweise
ist der späte Nachmittag der billigste Moment des Tages. Andererseits zeigt
die Erfahrung aus dem letzten Rabatt, dass es etwas dauern kann, bis die
Steuersenkung ganz oder weitgehend weitergegeben wird. Wer noch ausreichend
Sprit im Tank hat, kann sich mögliche Schlangen am ersten Tag des Rabatts
also sparen.
## Kommt der Rabatt komplett beim Kunden an?
Das ist umstritten. Beim Rabatt im Mai und Juni hatten unter anderem
Ifo-Institut, Monopolkommission und Bundeskartellamt nur eine
unvollständige Weitergabe errechnet. Die Mineralölwirtschaft bestreitet
dies. Grundsätzlich ist die Weitergabe schwierig messbar, da der Spritpreis
durch Einflüsse von außen deutlich schwankt.
Gerade zu Beginn des Rabatts kann es je nach Tankstelle große Unterschiede
in der Weitergabe geben. Ein Preisvergleich lohnt sich in dieser Zeit noch
mehr als sonst.
## Wird der Sprit so billig wie vor dem Krieg?
Kaum. Am letzten Tag vor Kriegsausbruch Ende Februar kostete ein Liter
Super E10 nach Daten des Autofahrerclubs ADAC im bundesweiten
Tagesdurchschnitt 1,78 Euro, ein Liter Diesel 1,75 Euro – der Abstand zu
den aktuellen Preisen ist damit sehr viel größer als der geplante
Steuerrabatt.
## Drohen Engpässe?
Weil der Steuerrabatt nur für Sprit mit Lieferung nach 0.00 Uhr am 1.
Oktober gilt, ist es für Tankstellen attraktiv, mit kleinen Lagerbeständen
in den Oktober zu gehen – ähnlich einem Urlauber, der nicht mehr kurz vor
der Grenze tankt, wenn der Sprit im Ausland billiger ist. Dazu kommt, dass
auch viele Autofahrer ihre Tanks kurz vor dem 1. Oktober nicht komplett
füllen werden. Beim letzten Rabatt hatte dies zu mehr Andrang, aber nicht
zu großen Problemen geführt.
## Was kostet das alles und wer bezahlt?
Die Bundesregierung erwartet, dass 2,485 Milliarden Euro weniger Steuern in
die Staatskasse fließen. Die Hälfte sollen diesmal aber die Länder tragen.
Der Bund tritt ihnen dafür etwas weniger Umsatzsteuereinnahmen ab als
normal. Das Vorgehen ist durchaus ungewöhnlich, denn häufig finanzieren die
Länder Entscheidungen aus dem Bund nur mit großen Bauchschmerzen mit.
## Wie viel bringt der Rabatt dem Durchschnittsfahrer?
Das durchschnittliche Auto wird in Deutschland laut Zahlen des
Kraftfahrtbundesamtes rund 900 Kilometer pro Monat bewegt. Geht man von
einem Verbrauch von 7 bis 8 Litern auf 100 Kilometer aus, spart sich der
durchschnittliche Verbrennerfahrer durch den Rabatt auf die vollen drei
Monate gerechnet also grob 32 bis 36 Euro. Je nach Fahrleistung, Verbrauch
und geschicktem Tanken nach Beginn und vor Ende des Rabatts kann der Wert
aber deutlich abweichen.
## Was sagen Ökonomen und Umweltorganisationen?
[2][Die große Mehrheit hält wenig bis nichts von der Maßnahme.] Die
wichtigsten Kritikpunkte, die es schon bei der letzten Ausgabe gab:
Der Rabatt ist relativ teuer und nicht zielgenau. (Gießkanne)
[3][Die Produzenten fossiler Brennstoffe] dürften „sich gerade wie
Einbrecher fühlen, denen der Bankdirektor den Safecode aufschreibt“,
erklärte Greenpeace-Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer. Der am
Freitagabend angekündigte Tankrabatt „ist nicht zielgerichtet,
klimaschädlich und ein dicker Batzen davon landet am Ende als Übergewinn in
den Taschen der Ölkonzerne“.
Er unterstützt auch Menschen, die die Hilfe nicht nötig haben. Menschen,
die kein Auto haben, aber über etwa Heizkosten unter den hohen Spritpreisen
leiden, nutzt er dagegen nichts.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nannte die Pläne
„teuer, unsozial und unökologisch“.
Er dämpft das Preissignal: Normalerweise werden knappe Güter teurer, was
den Verbrauch dämpft. Dieser an sich sinnvolle Mechanismus wird durch eine
künstliche Verbilligung von Sprit aber ausgebremst. Es ist nicht
garantiert, dass er komplett beim Verbraucher ankommt.
Es gibt allerdings auch andere Stimmen. So sagte Manuel Frondel vom
Institut RWI jüngst dem Spiegel: „Besser wäre es natürlich, der Staat würde
bedürftigen Haushalten gezielt helfen. Da er solche Direktzahlungen aber
noch immer nicht ohne Weiteres umsetzen kann, halte ich den Tankrabatt für
eine pragmatische und faire Lösung.
25 Sep 2026
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