# taz.de -- Reaktionen aus der Zivilgesellschaft: „Wir müssen jetzt zusammenbleiben“
       
       > Schock, Trost, Widerstand: Nach dem AfD-Wahlsieg fühlen sich Menschen in
       > Sachsen-Anhalt verängstigt oder bedroht – und antworten mit noch mehr
       > Gemeinschaft.
       
       Bettina Schlauraff, Regionalbischöfin, Magdeburg 
       
       Die ersten Reaktionen aus den Gemeinden sind vor allem: Schreck und
       Traurigkeit. Viele sind auch wütend oder haben Angst. Da war viel
       [1][Trostspenden] und Mutmachen nötig am Montag. Es gab dann aber auch
       gleich das Gefühl: Wir werden weiter an der Seite derjenigen stehen, die
       uns nun erst recht brauchen könnten. Wir werden weiter die Stimme erheben
       für Menschen, die von Diskriminierung durch die [2][AfD] betroffen sind.
       Wir werden schauen: Wo braucht es uns als Safe Space? Auf Social Media
       genauso wie vor Ort in den Gemeinden.
       
       Ich lebe unfassbar gerne hier in Sachsen-Anhalt. Das macht die Sache auch
       so kompliziert. Das sind ja keine fiesen Typen, über die jetzt berichtet
       wird, sondern das sind auch Nachbar*innen oder Besucher*innen
       unserer Kirchenkonzerte auf den Dörfern. Das macht den Dialog natürlich
       nicht einfacher. Wir dürfen uns aber nicht scheuen, diese Widersprüche
       auszuhalten. Wir dürfen nicht aufhören zu fragen: Was ist los mit dir?
       
       Die Aufmerksamkeit, die auf diesem Bundesland lag in den letzten Wochen,
       hat den Menschen unglaublich gutgetan. Dass Promis hierhergekommen sind im
       Wahlkampf. Dass Journalisten gefragt haben: Wie geht es euch? Es ist
       wichtig, dass diese Aufmerksamkeit nun nicht nachlässt. Es gibt hier dieses
       Bedürfnis, wahrgenommen zu werden.
       
       Die AfD könnte den Kirchengemeinden ganz konkret schaden, indem sie die
       Haushaltsmittel kürzt. Das wäre rechtswidrig und wir würden gerichtlich
       dagegen vorgehen – was aber dauert. Es könnte also bedeuten, dass es
       schwere Einschnitte gibt, dass wir Einrichtungen schließen müssen.
       
       Was mir Mut macht: Es hat sich in den letzten Monaten hier eine sehr
       stabile Zivilgesellschaft gebildet, auf die man sich nun gut stützen kann.
       Eine Zivilgesellschaft, die widersprechen wird. Diese Netzwerke tragen, und
       sie werden uns emotional zusammenhalten. Es gibt mehr Menschen, die sich
       nun für die Arbeit der Kirche interessieren. Es gibt junge Menschen, die
       sich nun für Politik interessieren. Darin liegt etwas wahnsinnig
       Hoffnungsvolles. Anna Klöpper
       
       Igor Matviyets, Antirassismusberater und Mitglied der Jüdischen Gemeinde,
       Halle 
       
       Am Sonntag haben Hunderttausende für Inhalte gestimmt, die allem
       widersprechen, für das ich stehe: Solidarität, Zusammenhalt, Teilhabe. Ich
       bin Jude, ich bin Migrant, meine Existenz hier ist per se politisch. Fast
       jeder zweite Wähler im Land will nicht, dass Menschen wie ich hier unser
       Leben aufbauen. Auch ganz ohne die Repression, die jetzt droht, ist das
       beklemmend.
       
       Ich bin unsicher, ob wir wirklich jedes Worst-Case-Szenario
       ausbuchstabieren sollten. Unsere Demokratie hat auch Schutzmechanismen –
       auch wenn wir sie bisher vor allem aus der Theorie kennen. Es gibt keinen
       Präzedenzfall für das, was jetzt droht.
       
       AfD und BSW haben im Wahlkampf den Wunsch bedient, dass für alle Probleme
       der Menschen hier jemand anderes verantwortlich ist. Aber die
       demokratischen Parteien haben dem keine eigenen Visionen für ein besseres
       Leben in Sachsen-Anhalt entgegengesetzt. Sie haben nicht mit Inhalten
       geworben, sondern nur damit, die AfD zu verhindern. Dabei lebt doch
       Demokratie davon, auch inhaltlich zu streiten.
       
       Ich glaube, vielen Menschen hier in Sachsen-Anhalt ist gar nicht klar, was
       sie da mit ihrer Stimme ins Wanken gebracht haben. Und sie werden auch
       nicht diejenigen sein, die die drohende radikale Veränderung als Erste zu
       spüren bekommen. Das werden jene sein, die ohnehin im Fokus ja nicht nur
       der AfD stehen und die sich ständig erklären müssen. Zum Beispiel Menschen
       mit Migrationsgeschichte.
       
       Viele von uns Migrant*innen sind eigentlich die größten
       Verfassungspatrioten. Ich weiß um den Wert, dass meine Familie und ich hier
       leben, in Deutschland, in Sachsen-Anhalt. Ich komme aus der Ukraine. Dort
       müsste ich jetzt an die Front. Die Hälfte der Menschen hier hat für
       Parteien gestimmt, die sich von der Ukraine entsolidarisieren und die
       Menschen dort dem Angriff Russlands ungeschützt überlassen wollen. Das ist
       schmerzhaft. Viele verstehen gar nicht, was es für ein Privileg ist, in
       Demokratie und Frieden hineingeboren zu werden – und das sieht man auch an
       solchen Wahlergebnissen. Dinah Riese
       
       Ursula Beckmann, Selbstvertretung für Menschen mit Behinderung, Magdeburg 
       
       Die AfD kommuniziert offen, dass wir Menschen mit Einschränkungen, auch mit
       unsichtbaren Erkrankungen oder Behinderungen, für sie nicht in die Mitte
       der Gesellschaft gehören. Sie will uns wieder an den Rand drängen, am
       besten ganz verschwinden lassen. Alle in ein Heim mit Tür zu und Schlüssel
       weg, so ungefähr.
       
       Man denkt auch über Möglichkeiten nach, was ist, wenn man nicht mehr
       adäquat versorgt wird. Ich sag mal so, ich habe immer genug Medikamente zu
       Hause. Das kann eigentlich nicht im Interesse einer demokratischen
       Gesellschaft sein. Ich kann auch kein Mitgefühl empfinden, wenn Leute aus
       Protest die AfD wählen. Wir können doch keine Rechten machen lassen. Wir
       haben doch gesehen, was passiert ist, als Hitler machen durfte.
       
       Stattdessen täte es Deutschland gut, wenn wir unsere Netzwerke wieder mehr
       ausbauen würden. Wenn sich die Nachbarsfamilie wieder mehr um die ältere
       Dame kümmern würde. Oder die ältere Dame auch wieder mal auf Kinder
       aufpassen dürfte. Wenn nicht extra der Pflegedienst kommen muss, weil sie
       eine Flasche Milch braucht oder Ähnliches. Mehr Unterstützung in der
       Nachbarschaft und im Umfeld könnte viel Geld sparen und wäre gleichzeitig
       ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Clara Dünkler
       
       Robert Fietzke, Soziokulturelles Zentrum Zora, Halberstadt 
       
       Ich bin nicht überrascht, dass die AfD die Wahl gewonnen hat, aber dass es
       so schlimm wird, hätte ich nicht gedacht. Noch am Samstag haben wir das
       Demokratiefestival in Magdeburg veranstaltet. Ich kann mich nicht erinnern,
       den Domplatz schon mal so voll gesehen zu haben – und am nächsten Tag dann
       dieses Wahlergebnis. Das tut sehr weh.
       
       Schon jetzt sieht man, wie es in den Medien mit der Normalisierung der AfD
       weitergeht. Rechtsextreme sitzen bei „Hart aber Fair“, als wäre das normal.
       Der erste SPD-Landrat möchte mit der AfD zusammenarbeiten. Die letzten
       Reste der Brandmauer werden gerade mit unfassbarem Tempo abgetragen. Und
       wenn man Merz zuhört, wird einem schlecht. Wie kann man nach so einem
       Wahlergebnis sagen, dass man an den geplanten Sozialreformen festhalten
       will?
       
       Unser soziales Zentrum Zora ist einer der wenigen Safe Spaces für
       PoC-Personen, queere Menschen und Geflüchtete in der Region. Das ist eine
       große Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen. Jetzt müssen wir die rund
       vier Wochen nutzen, bis sich der Landtag konstituiert. Die Nazis warten nur
       darauf, dass die AfD die Polizei übernimmt und sie freie Bahn haben.
       
       Viele denken darüber nach, zu gehen. Das ist auch total nachvollziehbar,
       auch ich hatte den Gedanken schon. Aber ich werde bleiben. Die AfD ist ja
       auch in den anderen Bundesländern stark, da kann man auch gleich bleiben
       und fortführen, was wir aufgebaut haben. Frederik Eikmanns
       
       Annegret Laabs, Leiterin des Kunstmuseums Magdeburg 
       
       Nach der Wahl kann die Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
       Aber wir in den Kultureinrichtungen, wir werden natürlich zur Tagesordnung
       zurückkehren, denn wir sind das Rückgrat der Gesellschaft. Wir sind dafür
       da, die Menschen aufzufangen und ihnen zuzuhören. Kunst und Kultur sind
       immer frei, und das bleibt auch so. Kultureinrichtungen, Museen, Theater,
       Bibliotheken, Musikhäuser sind wichtig als Orte der Begegnung.
       
       Ständig wird gesagt, die Menschen hätten die Kultur abgewählt, aber die
       Menschen haben nicht die Kultur abgewählt. Das, was im Wahlprogramm der AfD
       steht, ist von vielen nicht gelesen worden, da bin ich ganz sicher.
       
       Direkt nach der Wahl haben wir gemeinsam in der Kultur überlegt: Was
       bedeutet das für uns? Wir haben fest geplante Kulturangebote in unseren
       Häusern. Nun geht es eher darum, wie wir in Zukunft agieren werden. Für uns
       ist freie Kunst politische Kunst, alles andere ist Dekoration, Unterhaltung
       – kann man machen, ist aber etwas anderes und nicht Kunst. Im
       AfD-Wahlprogramm ist die Rede von „deutschdenken“ und Patriotismus. Doch
       was soll das überhaupt sein? Wir sind alle so lange in Kunst und Kultur
       tätig, dass wir wissen: „deutschdenken“ gibt es gar nicht und „national“
       denken geht genauso wenig.
       
       Wir sind auch mit unseren Kolleg:innen in anderen Ländern, mit rechten
       Regierungen im Gespräch. Wir lernen voneinander Resilienz. Viele Menschen
       haben Zukunftsangst und das ist schrecklich. Im Kulturbereich kann man
       dagegensteuern. Kunst ohne Zensur, ohne Einschränkung. Dafür steht das
       Netzwerk Kultur, Vielfalt und Heimat. Dabei ist das Miteinander wichtig.
       Wir müssen zusammenbleiben für unser Publikum. Clara Dünkler
       
       Christiane Lähnemann, Oma gegen rechts, Magdeburg 
       
       Als Initiativen, sowohl Omas gegen rechts als auch das Bündnis
       Solidarisches Magdeburg, werden wir weitermachen wie bisher und weiter
       aktiv sein. Am selben Abend sind mehrere Menschen auf uns zugekommen, die
       bei beiden Initiativen mitmachen wollen. Denn jetzt sind viel mehr Menschen
       entsetzt und wollen sich engagieren. Unsere Aufgabe für die nächste Zeit
       wird es sein, zu überlegen, wie wir diese Menschen gut einbinden können,
       damit dieses Entsetzen auch in langfristiges Engagement mündet.
       
       Ganz konkret haben wir für den kommenden Samstag die nächste „Prüf“-Demo
       geplant, die an jedem zweiten Samstag im Monat stattfindet – als Antwort
       auf die Wahlergebnisse und um zu zeigen, was die lokale Kulturszene alles
       zu bieten hat. Liedermacher und Kabarettisten aus Sachsen-Anhalt werden
       dabei sein. Bisher waren um die 1.000 Leute bei den Demos, jetzt werden es
       mehr werden, denke ich.
       
       „Heute trauern wir, morgen kämpfen wir.“ Das hat Luisa Neubauer in einem
       Statement nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse gesagt und das ist auch
       unsere Haltung. Timur Vorkul
       
       Philine von Radio Corax, Halle 
       
       Wir sind alle fassungslos. Ich bin fassungslos. Die Prognosen unterscheiden
       sich ja im Wesentlichen nicht von dem, was nun tatsächlich eingetreten ist.
       Aber es fühlt sich einfach noch mal anders an. „Realität kickt anders“,
       haben wir das am Montag genannt.
       
       Diese Realisierung, dass so eine große Anzahl von Menschen sich von dem
       ganzen Hass in den Wahlprogrammen nicht abschrecken lässt, ist für uns
       schwer zu ertragen und lässt uns einigermaßen resigniert zurück.
       
       Gleichzeitig sind wir füreinander da. Wir wollen vor allem diejenigen im
       Blick haben, die von diesem Hass direkt betroffen sind. Wir haben einige
       Leute bei uns im Sender, die das betrifft. Das sind einerseits Menschen mit
       Migrations- und Fluchterfahrung in der Redaktion „Common Voices“. Manche
       von ihnen sind gemeint, wenn lauthals Abschiebungen gefordert werden. Es
       sind aber auch Menschen, die in ihrem Alltag behindert werden, die bei uns
       senden. Auch sie können in den Fokus einer völkischen Ideologie geraten.
       
       Unsere Sendelizenz läuft noch einige Jahre. Wir sind also zuversichtlich,
       dass wir weiter Radio machen können. Wir werden weiter kritisch berichten
       und dokumentieren, was in diesem Bundesland passiert. Und wir werden weiter
       an unserer Unabhängigkeit arbeiten und unsere Kampagne für die
       Mitgliedschaft im Freundeskreis von Corax aufbauen.
       
       Sie funktioniert aktuell sehr gut. Anfang des Jahres sind wir bei rund 200
       Mitgliedern gestartet, mittlerweile sind es rund 850. Das ist ein
       unglaublicher Zuwachs und ein großartiges Zeichen aktiver Solidarität! Es
       ist dieser Zuspruch, der uns gerade Mut macht. Auf dieser Grundlage
       erlauben wir uns eine gewisse Zuversicht, dass Radio Corax auch trotz der
       eher düsteren mittleren Zukunft in Sachsen-Anhalt als guter und
       solidarischer Ort erhalten bleibt. Timur Vorkul
       
       Elias Zarrad, CSD-Organisator, Wittenberg 
       
       Im Juni haben wir beim CSD in Wittenberg schon zum zweiten Mal in der
       Lutherstadt gefeiert und demonstriert für die Themen und die Rechte von
       queeren Menschen. Gleich beim nächsten Treffen im Stadtlabor Wittenberg
       werden wir als Organisationsteam über die Wahl reden und reden müssen. Und
       ich gehe stark davon aus und hoffe, dass die Angebote, die es für queere
       Menschen schon gibt, jetzt noch mehr genutzt werden.
       
       Ich bin auch in der Linkspartei aktiv. Und da müssen wir das jetzt erst mal
       sacken lassen. Wir wussten ja eigentlich alle, dass es AfD-mäßig beschissen
       wird, dass wir als Partei aber so abkacken bei der Wahl, das hätten wir
       alle nicht erwartet.
       
       Da werden wir in den nächsten Wochen erst einmal drüber sprechen müssen,
       was das Wahlergebnis für die Strukturen der Linken bedeutet. Aber wir haben
       jetzt schon allein in Halle 30 neue Parteieintritte. Das ist in anderen
       Orten auch so, weil natürlich Leute gefrustet sind, aber Hoffnung in die
       Linke stecken und sich dort engagieren wollen. Und das gilt es jetzt zu
       organisieren. Stefan Hunglinger
       
       Mitarbeiter des Kulturzentrums Reichenstraße, Quedlinburg 
       
       Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich seit gestern die Welt nicht mehr. Klar,
       es hat sich abgezeichnet, dass die AfD gewinnt. Aber als ich die
       Triumphstimmung bei denen gesehen habe, die jubelnden Leute, die
       Deutschlandfahnen, ist mir schlecht geworden. Ich mache mir Sorgen um meine
       Freund*innen. Vielen von ihnen sieht man an, dass sie Linke sind oder
       Queers.
       
       Ich mache mir auch Sorgen um die „Reiche“, unser Kulturzentrum. Hier gibt
       es Kino, Lesungen, politische Diskussionen, eine Bar und einen Kinder- und
       Jugendclub, den Kinderladen. Zu uns kommen Kinder zwischen 5 und 13 Jahren,
       viele stammen aus benachteiligten Familien. Einmal in der Woche kochen wir
       mit ihnen, für manche ist das die erste Mahlzeit am Tag. Es bricht mir das
       Herz, wenn sie hier ganz hungrig ankommen.
       
       Wir versuchen, den Kids gute Werte mitzugeben, dass Menschenrechte für alle
       gelten, dass alle Kinder miteinander spielen dürfen, egal, welche Hautfarbe
       sie haben. Die AfD hat uns schon öfter angegriffen und versucht, uns das
       Geld zu entziehen. Ich gehe davon aus, dass das zunehmen wird. Wenn wir
       kein Geld mehr bekommen, ist der Kinderladen tot. Dann können wir weder die
       zwei Mitarbeiter hier bezahlen noch die Bastelmaterialen und Spielgeräte
       noch die Snacks. Das wäre bitter, der Kinderladen ist für Quedlinburg so
       wichtig.
       
       Ich habe Angst, dass die Gewalt hier wieder zunimmt. Deswegen will ich auch
       nicht meinen Namen nennen. In den 90er Jahren gab es mehrere Angriffe von
       Neonazis auf die „Reiche“. Ich war damals nicht dabei, aber wenn andere
       Leute davon erzählen, kriege ich Angst. Ich bin komplett hoffnungslos nach
       den Wahlen. Ich habe das Gefühl, dass all unser Engagement in den letzten
       Wochen umsonst war. Das Einzige, was mir Kraft gibt weiterzumachen, sind
       die Kids, die zu uns kommen, und die Gemeinschaft in der Reiche. Anne Fromm
       
       ## Zissi Sauermann, Mobile Opferberatung, Magdeburg 
       
       Schon vor dem Wahlsieg der AfD am Sonntag ist die Gefahr durch rechte
       Gewalt immer größer geworden. Die Täter fühlen sich durch die
       Mehrheitsverhältnisse und die offen rassistische Programmatik der AfD
       ermutigt und legitimiert. Wir haben im Wahlkampf gesehen, dass sich ein
       AfD-Europaabgeordneter mit einem bewaffneten Angriff auf Minderjährige
       gebrüstet hat und tausende auf Facebook dieser rechtswidrigen Selbstjustiz
       applaudiert haben. Am Montagabend wurde ein Teilnehmender einer
       Protestdemonstration gegen die AfD durch einen Schuss aus einem
       Luftdruckgewehr im Gesicht verletzt.
       
       Viele, die von Rassismus und Antisemitismus betroffen sind, aber auch
       diejenigen, die der AfD sonst wie als Gegner gelten, machen sich jetzt
       große Sorgen um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder. Viele überlegen zu
       gehen. Aber was passiert mit denen, die nicht wegziehen können oder wollen?
       
       Es besteht die Gefahr, dass völkisches Denken, Rassismus, Sozialdarwinismus
       oder Queerfeindlichkeit jetzt noch weiter zunehmen. Und wir haben Sorge vor
       vorauseilendem Gehorsam und Mittläufertum. Mehr denn je braucht es
       Solidarität. Alle sollten sich jetzt fragen: Wie geht es den fast 60
       Prozent, die nicht die AfD gewählt haben, die die demokratische Mehrheit
       sind? Welche Unterstützung braucht die demokratische Zivilgesellschaft? Und
       wie können vulnerable Gruppen vor rassistischem Hass, vor queerfeindlicher
       Gewalt oder vor antisemitischer Diffamierung geschützt werden?
       
       Wir können und werden Solidarität und Menschenrechte verteidigen. Das ist
       eine Selbstverständlichkeit. Aber damit wir allen Drohungen der AfD zum
       Trotz weiter solidarisch an der Seite der Angegriffenen und der
       demokratischen Zivilgesellschaft bleiben können, sind wir jetzt selbst auf
       Unterstützung angewiesen. AfD-Funktionären bedrohen immer wieder
       Nichtregierungsorganisationen, das trifft auch unseren Trägerverein
       Miteinander e.V. Jetzt droht der worst case: AfD-Politiker*innen, die in
       öffentliche Ämter kommen und die Drohungen in die Tat umzusetzen, zum
       Beispiel indem sie die Fördermittel des Landes für die Opferberatung
       komplett streichen. Deshalb haben wir [3][eine Spendenkampagne] gestartet.
       Frederik Eikmanns
       
       8 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /AfD-liebaeugelt-mit-Neuwahlen/!6211354
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