# taz.de -- WIR-Festival in Halle: Mit Sprechblasen gegen die Ohnmacht
       
       > Jürgen Schreiber ist Mitorganisator des Wir-Festivals in Halle. Gemeinsam
       > mit anderen wirbt er für eine offene Stadtgesellschaft.
       
 (IMG) Bild: Jürgen Schreiber vom WIR-Festival in Halle
       
       „Wir verbinden“, „wir feiern“, „wir erinnern“ – die Sprechblasen mit ihren
       knallorangen Lettern sind aus dem Halleschen Stadtbild nicht mehr
       wegzudenken. An die 400 unterschiedliche Aufkleber zieren seit etwa einem
       Jahr großflächig die Schaufenster von Läden und Cafés der Großstadt an der
       Saale, immer bestehend aus der Kombination des Wortes „wir“ und einem Verb,
       manchmal auch ergänzt durch historische und zeitgenössische Literatur- oder
       Songzitate. Sie sind Teil der sogenannten Schaufensterkampagne des
       WIR-Festivals und sollen ein Signal für eine offene Stadtgesellschaft und
       Solidarität mit besonders bedrohten Gruppen senden.
       
       Einer der Menschen hinter der Kampagne ist Jürgen Schreiber. Er bezeichnet
       sich als einen Menschen, „der immer sehr politisch eingestellt, aber nicht
       sonderlich aktiv gewesen ist“. Der gebürtige Rheinländer lebt seit
       mittlerweile 14 Jahren in seiner neuen Heimat, arbeitet als freier Lektor
       in den Bereichen Wissenschaft, politische Bildung und Politikberatung. Die
       Erfolge rechter und populistischer Parteien hätten bei ihm in den
       vergangenen Jahren zu einem wachsenden Gefühl der Ohnmacht geführt.
       „Irgendwann“, erinnert er sich, „war ich an einem Punkt, wo ich dachte:
       Jetzt reicht’s, entweder ich kann mich bald einsargen, oder ich mach halt
       doch mal was!“
       
       Also meldet er sich bei der App „Engagiert in Halle“ der
       Freiwilligenagentur an, einem Projekt, das Ehrenamtliche mit über 350
       Projekten, Vereinen und Initiativen in der Stadt verbindet. Über einen
       Aufruf in der App trifft er auf Menschen, die etwas gegen [1][die rechte
       Buchmesse „Seitenwechsel“] unternehmen wollen, die im vergangenen Winter
       zum ersten Mal in Halle stattfand.
       
       Die Idee sei gewesen, dem rechten Event statt der klassischen
       Antifa-Parolen eine positive Gesellschaftsidee entgegenzusetzen. „Wir
       wollten Zusammenhalt stiften, Vernetzung ermöglichen, zum Engagement
       ermutigen – und sichtbar machen, was eine offene, demokratische
       Gesellschaft eigentlich auszeichnet“, sagt Schreiber. Und meint damit:
       kulturelle und individuelle Vielfalt, Freiheit, Zusammenhalt, Lebensfreude.
       
       ## Gegenprogramm zur rechten Messe
       
       Aus diesem Geist heraus entstand [2][das WIR-Festival]. Es wird getragen
       von einer ehrenamtlichen und überparteilichen Initiative zur Förderung von
       Demokratie, Offenheit, Solidarität und kultureller Vielfalt im lokalen und
       regionalen Raum. Zu diesem Zweck, so formuliert es Schreiber, „veranstaltet
       das Netzwerk ein eigenes Kulturfestival, organisiert kreative Kampagnen und
       Workshops im öffentlichen Raum und fungiert als Plattform zur Ermutigung
       und Vernetzung demokratiepolitisch engagierter Menschen und
       Organisationen.“
       
       Im Vorfeld der rechten Buchmesse 2025 [3][fanden 400 Veranstaltungen
       statt], von Theaterstücken über Filmabende und Poetry-Slams bis hin zu
       Stadtrundgängen, Podiumsdiskussionen, Performances und Kreativ-Workshops,
       die den Veranstalter:innen zufolge von bis zu 12.000 Menschen besucht
       worden seien. Parallel zur rechten Buchmesse gab es außerdem ein Wochenende
       lang ein buntes Programm mit Lesungen und Konzerten, allesamt im Zeichen
       von Vielfalt und Solidarität. Für den 7. November, verrät Schreiber, sei
       bereits erneut ein zentraler Festivaltag in Planung.
       
       28 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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