# taz.de -- Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt: Sie bleiben mit am Tisch
> In Wittenberg feiert das Bündnis „Wittenberg Weltoffen“ wenige Tage vor
> der Landtagswahl die Demokratie. Sprecher Carsten Liebelt über sein
> Engagement.
(IMG) Bild: Carsten Liebelt ist Sprecher beim Bündnis „Wittenberg Weltoffen“
Eine lange Tafel steht auf dem gepflasterten Marktplatz. Es gibt reichlich
Essen, klirrende Gläser und Stimmengewirr. Kinder rennen zwischen den
Stühlen hindurch. Was nach einem Sommerabend in Süditalien klingt, spielt
in Wittenberg, wenige Tage vor der [1][Landtagswahl in Sachsen-Anhalt].
Am Freitag vor einer Woche endete das „Fest für Demokratie“ mit dem „Dinner
für Demokratie“. Der Tag war geprägt von Reden und Musik, Gesprächen und
gegenseitiger Ermutigung. Er bildete den Abschluss einer Reihe von
Aktionen, mit denen das Bündnis „Wittenberg Weltoffen“ die Zeit vor der
Wahl begleitet hatte.
„Wir sind schon seit 2015 aktiv, aber größere Projekte hat es lange nicht
gegeben“, erzählt Carsten Liebelt, Sprecher des Bündnisses. Das änderte
sich 2024. Nach der [2][Correctiv-Recherche] über das Potsdamer
„Remigrations“-Treffen, an dem unter anderem AfD-Politiker und rechte
Aktivisten teilnahmen, fand sich das Bündnis neu zusammen. Es folgte eine
der größten Demonstrationen, die es in Wittenberg je gab: Mehr als 1.000
Menschen versammelten sich auf dem Marktplatz.
Vor der Wahl haben sich die Aktivitäten noch einmal gebündelt. Ein Beispiel
ist die [3][YouTube-Reihe „WillstDuDas?“]: Wittenberger:innen erzählen
von ihrem Leben, ihrer Arbeit und ihren Hoffnungen. Erst am Ende jedes
Films erscheint ein Originalzitat aus dem Regierungsprogramm der AfD für
Sachsen-Anhalt. Den persönlichen Geschichten wird es gegenübergestellt –
verbunden mit der Frage: „Willst du das?“ Wie viele Projekte des Bündnisses
ist auch diese Reihe ehrenamtlich entstanden.
## Die meisten im Bündnis wollen bleiben
Für Liebelt ist das Stadtwohnzimmer zum Herzstück seines Engagements
geworden. Er hat den von der Stadt geförderten Begegnungsraum mit
aufgebaut. Zwei- bis dreimal pro Woche ist dort etwas los: Kochkurse,
Schreibworkshops, Siebdruck, Lesungen und Karaoke-Abende. Menschen zwischen
12 und 80 Jahren kommen vorbei. Es gibt Mario-Kart-Abende ebenso wie
Chorproben. Zum Zuckerfest feierten Frauen aus der muslimischen Community
in dem Raum. „Das gab es vorher nicht“, sagt Liebelt.
Seine liebste Anekdote: An einem Kochabend bei Glatteis, zu dem niemand
kam, standen plötzlich 5 Besucher:innen einer Sprachschule vor der Tür,
die gerade erst Deutsch lernten. Eine gemeinsame Sprache fehlte, am
gemeinsamen Kochen hinderte sie das nicht. Genau solche Zufälle, findet er,
sind der eigentliche Sinn des Ortes.
Genauso wie am vergangenen Freitag: Wer sich in Wittenberg auf dem
Marktplatz dazusetzte, teilte Essen und Geschichten mit Menschen, die er
sonst vielleicht nie getroffen hätte. Eingeladen waren alle, die über den
Platz kamen.
Wofür es sich lohnt zu bleiben, ist für Liebelt keine abstrakte Frage. Wenn
der Nachbar die AfD-Flagge hisst, überlegen manche, ob sie ihr Haus
verkaufen sollen. Doch die meisten im Bündnis wollen bleiben, unabhängig
vom Ausgang der Wahl. Sie sind in Wittenberg verwurzelt. „Wir stärken uns
weiterhin und hören nicht auf mit dem, was wir aufgebaut haben“, sagt
Liebelt. Lesungen, Spieleabende, Kochkurse, Film- und Musikabende soll es
auch künftig geben. „Wir wollen ein Zufluchtsort bleiben, ein Ort des
Zusammenhalts“, sagt er.
4 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwerpunkt-Landtagswahl-in-Sachsen-Anhalt/!t5749746
(DIR) [2] /Correctiv-Recherche-ueber-rechtes-Treffen/!6174299
(DIR) [3] https://www.youtube.com/@B%C3%BCndnisWittenbergWeltoffen/videos?view=0&sort=dd&shelf_id=2
## AUTOREN
(DIR) Carina Sindlinger
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