# taz.de -- Jugendarbeit in Sachsen-Anhalt: „Ich sehe in jedem, der zu uns kommt, unsere Zukunft“
> Keine Disco mehr, das Kino hat auch zugemacht: Bitterfeld-Wolfen hat für
> Kinder und Jugendliche wenig zu bieten. Steffi Hauck will das ändern.
(IMG) Bild: Steffi Hauck setzt sich für Jugendliche ein
Einmal kam jemand in Steffi Haucks Büro, um Blumen zu kaufen. Doch hinter
all den Blumen und Pflanzen im Fenster verbirgt sich kein Blumengeschäft:
Hauck ist hauptberuflich Projektkoordinatorin und Vorstandsmitglied des
Vereins Jugendclub ’83 in Bitterfeld-Wolfen. Die Parteilose sitzt außerdem
für die Koalition aus SPD und Grünen im Kreistag Anhalt-Bitterfeld.
Jugendclub ’83 wird in diesem Jahr 21 Jahre alt. Als Gründungsmitglied ist
Hauck von Beginn an dabei. Entstanden ist der Verein aus dem Vorhaben, eine
Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung in eigener Trägerschaft zu
übernehmen. Hauck, die zu dieser Zeit Betriebswirtschaftslehre studierte,
engagierte sich damals ehrenamtlich. Später absolvierte sie
berufsbegleitend ein Studium der Sozialen Arbeit. Inzwischen ist sie seit
elf Jahren hauptamtlich für den Verein tätig.
„In unserer Arbeit geht es uns darum, Kinder und Jugendliche dort
abzuholen, wo sie gerade stehen“, sagt Hauck. Das bedeute einerseits, sie
in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Andererseits sei ein
wichtiges Ziel, die Kinder und Jugendlichen in die Entwicklung der Stadt
einbeziehen. „Ich sehe in jedem, der zu uns kommt, unsere Zukunft“, sagt
Hauck. „Also die Zukunft von Deutschland, die Zukunft der Region, vor allem
auch der Stadt Bitterfeld-Wolfen.“
Bitterfeld-Wolfen sei stark von der Abwanderung junger Leute geprägt, sagt
Hauck. Sie könne das verstehen. Denn gerade für ältere Jugendliche seien
die [1][Freizeitmöglichkeiten sehr zurückgegangen]. In ihrer Jugend habe es
in der Stadt noch vier Diskotheken gegeben – heute keine einzige mehr. Auch
das Kino sei inzwischen geschlossen.
## AfD streicht Zivilgesellschaft zusammen
„Wir unterstützen junge Menschen vor allem bei dem, was sie selbst
initiieren wollen und können“, sagt Hauck. Mittlerweile gehören 19 Stellen
mit verschiedenen Projekten im Landkreis Anhalt-Bitterfeld zum Träger.
Darunter zwei Jugendclubs, ein Schülergremium und eine Netzwerkstelle für
Schulen.
Jugendclub ’83 hatte von 2016 bis Dezember 2025 die Trägerschaft des
[2][Bundesprogramms „Demokratie leben!“] für die Region inne. Nachdem die
AfD gemeinsam mit der Fraktion Pro Bitterfeld-Wolfen die Kürzung von Haucks
Stelle auf 20 Wochenstunden durchsetzte, gab der Verein die Trägerschaft
ab. Übernehmen soll nun der Verein Stadtring 4.0, in den kurz vor der
Vergabe der neuen Trägerschaft viele Ortsbürgermeister eingetreten sind.
Damit verliere die Trägerschaft ihren zivilgesellschaftlichen Charakter,
kritisiert Hauck – und zwar durchgesetzt von rechts. Nicht von ungefähr:
[3][Die örtliche AfD-Fraktion hat eigens einen Leitfaden zum Umgang mit
„Demokratie leben!“ erstellt], Überschrift: „Jetzt ist die Gelegenheit, den
Sumpf auszutrocknen“. Zahlreiche Vereine hätten dank des Programms ihre
Projekte durchführen können, sagt Hauck. „Das wird jetzt von AfD und der
Pro-Bitterfeld-Wolfen-Fraktion zunichtegemacht.“
Hauck ist in Bitterfeld geboren und aufgewachsen. Sie lebt gern hier, mag
ihr Büro, geht besonders gern in der Umgebung wandern und Rad fahren.
Allerdings habe sich Bitterfeld in den letzten Jahren verändert. „Da ist so
viel Unzufriedenheit“, sagt sie. Mit Blick auf die Landtagswahl sei sie
aber froh, dass 60 Prozent nicht die AfD wählen wollen. Hauck liebt die
Vielfalt der Stadt. „Ich wünsche mir, dass sie mehr angenommen wird“, sagt
sie. „Ich wünsche mir einfach mehr Mitmenschlichkeit.“
Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellen
wir Engagierte aus der Zivilgesellschaft vor. Alle Texte finden Sie
[4][hier].
26 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hannah Marlene Göschel
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