# taz.de -- Pressefreiheit in Deutschland: Wer in Magdeburg als Gefahr gilt
> Der Landtag in Sachsen-Anhalt verweigert dem Journalisten Mohamed Amjahid
> die Akkreditierung. Die Polizei hat „sicherheitsrelevante Bedenken“.
(IMG) Bild: Persona non grata im sachsen-anhaltischen Landtag: Journalist Mohamed Amjahid
Dem Journalisten Mohamed Amjahid ist die Akkreditierung für den Landtag in
Sachsen-Anhalt versagt worden. Der freie Autor und investigative
Journalist, [1][der für die taz und andere Medien schreibt], wollte – wie
viele andere Journalisten – am Sonntag aus dem Landtag über den mit großer
Spannung erwarteten [2][Ausgang der Wahlen in dem östlichen Bundesland]
berichten.
Mehr als 500 Reporter aus aller Welt werden in Magdeburg erwartet. Aufgrund
des großen Andrangs hat der Landtag in den Räumen der Messe Magdeburg
eigens eine „Medienhalle“ als temporäres Medien- und Pressezentrum
eingerichtet.
Am Dienstag erhielt der Journalist Mohamed Amjahid jedoch den Bescheid,
dass ihm der Zutritt verwehrt würde. Die Begründung: Seitens der Polizei
lägen „sicherheitsrelevante Bedenken“ gegen seine Person vor. „Auf
Grundlage der bisherigen Prüfung“ könne ihm daher der Zutritt zum
Medienzentrum des Landtags nicht gestattet werden, heißt es in dem
Schreiben.
Um eventuell doch noch zugelassen zu werden, solle er einwilligen, weitere
Auskünfte zu seiner Person zu geben. Amjahid, der häufiger über
[3][Polizeigewalt und anderes Fehlverhalten bei den Sicherheitsbehörden]
berichtet, wollte das nicht. „Das hätte bedeutet, dass die Polizei an noch
mehr Daten über mich käme, was wiederum für mich aus Sicherheitsgründen
nicht infrage kommt“, sagte er der taz, warum er einer erweiterten Prüfung
seines Antrags auf Akkreditierung nicht zustimmen wollte.
## Gute Gründe für Misstrauen in die Polizei
Das Misstrauen gegenüber der Polizei hat gute Gründe, schließlich sorgt der
Verdacht auf rechtsradikale Netzwerke in den Reihen der Polizei immer
wieder für Schlagzeilen. Besonderes Aufsehen sorgte eine [4][Serie von
rechtsextremistischen Drohbriefen und Morddrohungen], die zwischen August
2018 und März 2021 verschickt wurden. Zuvor waren persönliche Daten der
Opfer illegal von Dienstcomputern der Polizei abgerufen worden. Diese
Affäre wurde unter dem Begriff „NSU 2.0“ bekannt – mit diesem Absender
wurden rund 190 Morddrohungen per Fax, E-Mail oder SMS an über 100
Empfänger in Deutschland und Österreich verschickt, [5][darunter die
Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız]. Bisher musste sich jedoch
[6][kein Polizist dafür vor Gericht verantworten].
Alle Adressaten hatten gemein, dass sie sich gegen Rassismus,
Antisemitismus und für Flüchtlinge engagierten, viele hatten eine
Migrationsbiografie. Das Kürzel der Absender spielte auf die rechtsextreme
Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) an, die zwischen
2000 und 2007 eine rassistische Mordserie verübt hatte. Vor den Wahlen in
Sachsen-Anhalt äußerten Experten zudem ihre [7][Sorge über ausgesprochene
Sympathien für die AfD innerhalb der dortigen Polizei]. Zudem kandidieren
dort auch [8][ehemalige Polizisten für die AfD]. Die Landtagsverwaltung in
Magdeburg konnte gegenüber der taz nicht sagen, welche
„sicherheitsrechtlichen Bedenken“ die Polizei gegen Mohamed Amjahid hege.
Stattdessen schrieb sie, es hätten sich mehr als 200 freie Journalistinnen
und Journalisten akkreditieren wollen. Die Kapazitätsgrenze sei damit
„deutlich überschritten“ worden. Die Vorgehensweise des Landtags orientiere
sich ansonsten „an der Rechtsprechung zur Akkreditierung von
Pressevertretern bei Veranstaltungen mit besonderen
Sicherheitsanforderungen“, heißt es in einer Mail an die taz.
Unklar ist auch, welche zusätzlichen Daten für eine „erweiterte Prüfung“
von Amjahid verlangt worden wären. Besonders häufig kommt es aber nicht
vor, dass Journalisten eine Akkreditierung für den Landtag versagt wird:
Der Journalistengewerkschaft Verdi sind bisher jedenfalls keine
vergleichbaren Fälle bekannt.
## Warum die Schikane?
Der Verdi-Landesverband hat sich deshalb mit einer Protestnote an die
Landtagsverwaltung in Magdeburg gewandt. „Eine Ablehnung ohne Benennung
konkreter, nachvollziehbarer Tatsachen und einer unkonkreten ‚polizeilichen
Empfehlung‘ ist aus unserer Sicht rechtsstaatlich nicht akzeptabel und
kommt einem faktischen Arbeitsverbot für eines der zentralsten und
demokratischen Ereignisse gleich“, heißt es in dem Schreiben, das der taz
vorliegt.
Die pauschale Begründung, seitens der Polizei bestünden nicht näher
definierte „sicherheitsrelevante Bedenken“, greife in unzulässiger Weise in
die im Grundgesetz garantierte Pressefreiheit sowie das Recht auf freie
Berichterstattung ein, so Lucas Munzke, stellvertretender
Fachbereichsleiter des Verdi-Landesbezirks Sachsen, Sachsen-Anhalt und
Thüringen.
Amjahid sieht will sich juristisch gegen das Vorgehen der
Landtagsverwaltung wehren. Über die Hintergründe kann er nur spekulieren.
In einem Video-Reel auf Instagram sagte er am Freitag: „Man könnte auf die
Idee kommen, dass die Polizei in Sachsen-Anhalt meine Arbeit nicht mag“.
Das sei aber nur eine Vermutung. Von seiner Berichterstattung über die
Landtagswahl will er sich aber nicht abhalten lassen. Der muss er aber nach
Stand der Dinge außerhalb des Landtags nachgehen.
4 Sep 2026
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(DIR) [8] /AfD-Polizist-in-Sachsen-Anhalt/!6188256
## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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