# taz.de -- El Niño im Klimawandel: Wenn das Christkind noch mehr Dürre, Flut und Hunger bringt
> Anhand von Korallen haben Forscher untersucht, wie die Erderhitzung das
> Klimaphänomen El Niño beeinflusst. Die globalen Aussichten sind eher
> düster.
(IMG) Bild: Wenn „Kling Glöckchen, kling“ bedeutet, dass die Wasserration ausgeteilt wird und nicht das Christkind kommt, dann ist El Nino
Um den Pazifik und das Wetterphänomen „El Niño“. Das Meer vor der
südamerikanischen Küste ist sehr fischreich. Eigentlich. Alle vier bis
sieben Jahre aber bleiben die Fischernetze in der Weihnachtszeit plötzlich
leer. Und auch sonst geschehen in der Folge merkwürdige Dinge, in der
Pazifikregion und weltweit: Fluten, Erdrutsche, Dürren, Ernteausfälle.
Nachweislich seit dem 17. Jahrhundert nennen peruanische Bauern diese
Misere „El Niño de Navidad“ – wie das neugeborene Christkind. Denn auch
beim Wetterphänomen El Niño hofften sie, das Beten hilft. Möge es diesmal
bloß nicht so heftig werden.
Den Grund für den plötzlichen Fischmangel [1][liefern die Passatwinde].
Normalerweise treiben sie warmes Ozeanwasser von Südamerikas Küsten
Richtung Indonesien und Australien, wodurch kaltes, nährstoffreiches Wasser
aus den Tiefen des Pazifiks nach oben strömt, deshalb der Fischreichtum. In
El-Niño-Jahren schwächeln die Passatwinde aber, dann erwärmt sich der Ozean
vor Südamerika so stark, dass das Plankton, die Fischnahrung, abstirbt. Und
weil die Passatwinde im weltweiten Wettersystem ein wichtiger Baustein
sind, sorgen ihre Anomalien auch noch weit entfernt vom Pazifik für schwere
Verwerfungen: Dürren in Ostafrika, überflutete Wüsten auf der Arabischen
Halbinsel, Trockenstress im Amazonas-Regenwald, Überschwemmungen in Indien.
Zwar ist El Niño ein natürliches Wetterphänomen. Die Frage aber ist: Macht
der Klimawandel das „Christkind“ heftiger?
## Die Studie
Um das zu beantworten, untersuchte ein US-amerikanisches Team die Korallen
rund um die Galapagos-Inseln im Ostpazifik – lebende und versteinerte. Das
Wasser im Archipel am Äquator heizt sich in El-Niño-Jahren besonders stark
auf, die Kalkskelette der toten Korallen speichern chemische Spuren der
Wassertemperatur. Mithilfe lebender Korallen rekonstruierte das Team der
University of Michigan die Entwicklung der Wassertemperaturen und
El-Niño-Ereignisse in den vergangenen rund 1.000 Jahren. Und [2][stellte
dabei fest], dass El Niño gegenüber der vorindustriellen Zeit um 36,5
Prozent heftiger geworden ist.
## Was bringt’s?
Wichtige Erkenntnisse für den Katastrophenschutz. Die werden aktuell
besonders benötigt. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatte im
August „mit außergewöhnlich hoher Wahrscheinlichkeit von nahezu 100
Prozent“ [3][davor gewarnt], dass sich dieses Jahr im Winter wieder der
Pazifik aufwärmt. Bis zum Februar 2027 sei mit dem stärksten je
beobachteten El Niño zu rechnen, sagte die WMO-Generalsekretärin Celeste
Saulo. Die Heftigkeit habe das Potenzial, Gesellschaften und
Volkswirtschaften auf der ganzen Welt einen massiven Schlag zu versetzen.
Saulo fordert „außergewöhnliche Vorbereitungs- und Reaktionsmaßnahmen“.
Dass diese notwendig sind, ist nun auch wissenschaftlich untermauert.
19 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Naturkatastrophen/!6177533
(DIR) [2] https://www.science.org/doi/10.1126/science.ady2660
(DIR) [3] https://wmo.int/news/media-centre/el-nino-set-become-very-strong-raising-risks-of-extreme-weather-2027
## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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