# taz.de -- Super-El-Niño erwartet: Hochwasser und Hitze in Argentinien
> In Argentinien ist aktuell Winter. Doch Meteorologen warnen bereits vor
> bevorstehendem Starkregen, Überschwemmungen und weiteren extremen
> Wetterereignissen.
(IMG) Bild: Mehr als 500 Liter Regen pro Quadratmeter in einer Woche in der Provinz Corrientes: Über 400 Familien mussten evakuiert werden
Während die Hitzewelle in Europa auch im argentinischen Winter für
Schlagzeilen sorgt, blicken die Meteorolog*innen am Río de la Plata
gebannt auf den Pazifik vor der Küste Ecuadors. Erwärmt sich dort das
Oberflächenwasser, kommt es in den kommenden Monaten zum Wetterphänomen El
Niño. Das tritt alle zwei bis sieben Jahre auf und beeinflusst weltweit das
Klima. Die Erwärmung des Ozeans verändert die Luftzirkulation, ihre
Auswirkungen unterscheiden sich je nach Region.
Für Argentinien bedeutet El Niño in der Regel viel Regen und Hochwasser.
Seit die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) Mitte Juni [1][das
Auftreten von El Niño bestätigte], kreist die entscheidende Frage um dessen
Intensität. Aktuell pendelt die Oberflächentemperatur des Meeres um die 2
Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt, weshalb [2][vor einem
drohenden Super-El-Niño gewarnt wird].
## Wenn im Winter die Pegelstände steigen
Einen Vorgeschmack darauf gab es in Argentinien bereits. Im Juli ließen
heftige Regenfälle im Süden Brasiliens und im Norden Argentiniens die
Abflussmenge des Río Uruguay im Norden innerhalb eines Tages von 4.700 auf
17.100 Kubikmeter pro Sekunde ansteigen. Nur eine Woche später verdoppelte
sich der Pegelstand des Flusses rund 900 Kilometer flussabwärts bei Colón.
Inzwischen gehen Hochwasser und Hitze parallel einher. „Beim letzten El
Niño 2023 war es deutlich heißer“, sagt José Luis Stella vom Nationalen
Meteorologischen Dienst (SMN). Allerdings seien die Bedingungen [3][damals
durch drei vorausgegangene La-Niña-Jahre] außergewöhnlich gewesen, räumt
der Meteorologe ein. La Niña ist das Gegenstück zu El Niño und bringt meist
Hitze und Dürre. Welchen Anteil der Klimawandel an der veränderten
Ausprägung beider natürlichen Wetterphänomene hat, [4][ist Gegenstand der
Forschung].
## Temperaturen im Sommer höher als gewöhnlich
Denn auch unabhängig von El Niño steigen die Temperaturen. In der
Metropolregion Buenos Aires lagen die durchschnittlichen Höchsttemperaturen
drei Jahrzehnte lang bei rund 30 Grad. In den letzten 10 Jahren war es dann
aber deutlich heißer. „2022 war ein Sommer, in dem die Temperaturen
mehrfach über 40 Grad lagen“, so Stella. Es gab die höchste Zahl von
Hitzewellen seit 60 Jahren, in der Regel jeweils zwischen drei und neun
Tagen.
Der Höhepunkt von El Niño könnte zwischen September und Dezember liegen und
zunächst mehr Regen sowie etwas geringere Hitze bringen. Lässt das Phänomen
in den Sommermonaten Januar und Februar nach, dürfte die Hitze wieder
deutlich zunehmen.
Argentiniens Hightech-Agrarwirtschaft sieht dem Wetterphänomen mit
gemischten Gefühlen entgegen. Zwar sorgt El Niño für willkommene
Niederschläge, doch zu viel Regen führt schnell zu Überschwemmungen. Nicht
vergessen sind die Folgen des El Niño 2015/16, als die Wassertemperatur an
der Pazifikküste 2,7 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt lag.
## Hochwasser und Milliardenverluste
Sieben Provinzen im Nordosten und Zentrum des Landes riefen damals den
Hochwassernotstand aus. Die wirtschaftlichen Verluste wurden auf mehr als
drei Milliarden Dollar geschätzt.
Die Zentralregierung hat bereits einen Koordinierungsplan beschlossen. Im
Mittelpunkt steht das am stärksten gefährdete Einzugsgebiet des Río de la
Plata. Doch erst, wenn Gemeinden und Provinzen an ihre Kapazitätsgrenzen
kommen, greift der Nationalstaat ein. Die drei zuständigen staatlichen
Behörden, der Meteorologische Dienst, das Wasserinstitut und die
Straßenbaubehörde wurden durch die Sparpolitik von Präsident Javier Milei
durch Budgetkürzungen und Stellenabbau massiv geschwächt.
Wie absurd die Situation mitunter ist, zeigt der staatliche Treuhandfonds
für Wasserinfrastruktur. Er finanziert sich aus Teilen der Benzin- und
Erdgassteuer, und seine Mittel sind unter anderem für die Renaturierung von
Nutzflächen und den Hochwasserschutz bestimmt. Doch Wirtschaftsminister
Luis Caputo legte Teile des Geldes stattdessen in Staatsanleihen an. Um
Zinserträge zu erzielen.
3 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
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