# taz.de -- UN warnt vor „Super-El-Niño“: „Die Menschheit rast auf eine Klimakatastrophe zu“
> Alle 2 bis 7 Jahre bringt das Wetterphänomen El Niño Meeresströmungen und
> Winde durcheinander. Aber dieses Jahr könnte das extreme Folgen haben.
(IMG) Bild: Lässt sich nicht einfach aussitzen: ein überschwemmter Strand in Florida
Von einem „Super-El-Niño“, den es in den vergangenen 100 Jahren in solcher
Extremität nicht gegeben habe, warnte jüngst UN-Generalsekretär António
Guterres: „Die Menschheit rast auf eine Klimakatastrophe zu“, prophezeite
er. Die diesjährige sengende Sommerhitze, die wütenden Waldbrände und die
tödlichen Überschwemmungen seien lediglich eine Warnung „vor dem, was uns
noch bevorsteht“.
„El Niño“ bedeutet übersetzt aus dem Spanischen Christkind. Peruanische
Fischer nannten das Phänomen so, weil es meist um die Weihnachtszeit herum
auftritt. Normalerweise sorgt der kalte, nährstoffreiche Humboldtstrom an
der Westküste Südamerikas für Fischreichtum. Doch El Niño bringt das
durcheinander. El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im Pazifischen
Ozean, welches das globale Wettergeschehen alle zwei bis sieben Jahre
durcheinanderwirbelt. [1][Das Wasser im Pazifik heizt sich dann extrem auf]
– was in verschiedenen Teilen der Welt Einfluss auf Temperaturen und
Niederschläge hat.
In dieser Phase schwächen sich die Passatwinde ab, die sonst warmes Wasser
gen Australien und Südostasien schieben, oder ändern gar die Richtung: Dann
schwappt warmes Oberflächenwasser zurück nach Südamerika. Die Folgen für
den Kontinent sind unterschiedlich. Im Norden Mexikos werden heftigere
Winterstürme erwartet, im Südosten krasse Hitze. In Mittelamerika und der
Karibik wird es ebenfalls extrem heiß und trocken.
In Südamerika ist die Lage gemischt. Das „Epizentrum“ von El Niño in Peru
und Ecuador löst den Effekt des Küsten-El-Niños aus: sintflutartige
Regenfälle, die im Pazifikraum zu schweren Überschwemmungen und Erdrutschen
führen. Teile Perus, Bolivien, [2][Kolumbien], Venezuela und der Norden
Brasiliens erwarten schwere Dürren – was den geschwächten
Amazonas-Regenwald weiter unter Druck setzt. Im Süden von Brasilien und den
südlicheren Ländern (Argentinien, Paraguay, Uruguay, Chile) soll es zu
Starkregen und Überschwemmungen kommen.
## Dürren und Waldbrände
In Australien und Asien kann es hingegen extreme Dürren, Ernteausfälle und
eine erhöhte Gefahr von Waldbränden zur Folge haben. Auch der Indische
Ozean wird dadurch aufgeheizt und hat extreme Wetterlagen in Ostafrika zur
Folge.
Generell führt El Niño oft zu einem vorübergehenden Anstieg der globalen
Durchschnittstemperatur. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Erwärmung
durch den von Menschen verursachten Klimawandel verstärkt sich das
Phänomen. Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) der Vereinten
Nationen wird El Niño Ende des Jahres seinen Höhepunkt erreichen und könnte
bis ins Frühjahr 2027 anhalten.
Das World Food Programme der Vereinten Nationen warnt, dass durch das
Extremwetter mehr Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein
werden. Mittelamerika und Ostafrika zählen voraussichtlich zu den am
stärksten betroffenen Regionen. Weltweit sind Regierungen angehalten,
Maßnahmen zu ergreifen, um Katastrophen vorzubeugen. Klimaexperten der
Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) kalkulieren bereits, dass das
Extremwetter den Kontinent 10 bis 20 Milliarden Dollar allein in 2026
kosten könnte.
28 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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