# taz.de -- Drohendes Wetterereignis: Die Angst vor „Super-El-Niño“
       
       > Überschwemmungen in Uganda, Dürre in Indien, Stromprobleme in Kolumbien:
       > Besuche in drei Regionen, die vom Wetterdesaster besonders betroffen
       > wären.
       
 (IMG) Bild: Flut: In Uganda ertrinken jetzt schon jährlich rund 3.500 Menschen bei Überschwemmungen
       
       Kampala, Uganda
       
       Einen halben Meter hoch ist der Sockel aus Zement, der den Zugang zum
       Einkaufszentrum blockiert. Davor und dahinter liegen Steine, die den Tritt
       erleichtern sollen. Der Wachmann, der mit seiner rostigen Kalaschnikow
       danebensteht, reicht Besuchern die Hand, damit sie nicht stolpern. „Nach
       der letzten Überschwemmung haben wir den Sockel errichtet, damit das Wasser
       nicht mehr eindringt“, erklärt der Mann in Uniform und zeigt auf die braune
       Pfütze davor.
       
       Die Einkaufspassage Sekazinga liegt im Zentrum von Ugandas Hauptstadt
       Kampala. „Downtown“ wird das geschäftige Viertel auch genannt, wo sich
       Arkaden aneinanderreihen. Der historische Stadtkern liegt am Fuß des
       Nakasero-Hügels, wo sich Regierungsgebäude, Hotels und Bürotürme in den
       Himmel schrauben. Doch während sich Geschäftsleute früher darum rissen,
       ihre Läden in Downtown zu eröffnen, ist der Standort heute weit weniger
       attraktiv. Der Grund: Sobald es stark regnet und die Wassermassen den Hügel
       hinunterdonnern, stehen diese Einkaufszentren unter Wasser.
       
       Noordin Kiwalabye hat dies am eigenen Leib erlebt. Der Ugander ist um die
       40 Jahre alt und hat sein Matratzengeschäft im Untergeschoss der
       Sekazinga-Passage, direkt unterhalb der Treppe, die hinter dem Sockel nach
       unten führt. „Die Überschwemmungen während der letzten Regenzeit haben mich
       fast ruiniert“, seufzt er und zeigt nach oben zum Sockel: „Die Barriere
       wurde erst später errichtet, immerhin hält sie nun einen Großteil des
       Wassers ab.“
       
       Er zückt sein Handy und zeigt Videos, die er im November 2025 auf Tiktok
       gepostet hat: Bis unter die Decke steht in seinem Laden das Schmutzwasser,
       die Matratzen schwimmen davon. „Alles war zerstört, es war schrecklich“,
       sagt er. Umgerechnet rund 18.000 Euro hat ihn die Überschwemmung jenes
       Novembermorgens gekostet. „Wir wussten danach monatelang nicht, wie wir die
       Ladenmiete begleichen sollen“, sagt er, denn eine Versicherung für solche
       Schäden hat er nicht.
       
       Überschwemmungen wie die in Kampala könnten in den kommenden Monaten noch
       zunehmen. Die Vereinten Nationen warnen vor einem „historischen“
       Wetterdesaster. Als Hauptursache wird El Niño genannt, ein natürliches
       Klimaphänomen im Pazifischen Ozean, welches das globale Wettergeschehen
       durchschnittlich alle vier Jahre aus dem Gleichgewicht bringt und Dürren
       genauso wie Überschwemmungen nach sich zieht. Von einem „Super-El-Niño“
       sprechen die Meteorologen, von September 2026 bis ins Frühjahr 2027 hinein
       könnte er wüten.
       
       Bei der Frage, ob er vor erneuten Fluten Angst habe, blickt Kiwalabye mit
       sorgenvollem Gesichtsausdruck Richtung Sockel. Seit Mai herrscht
       Trockenzeit am Äquator. Diese war bereits heißer und länger als sonst,
       Ernten sind ausgefallen. Im Norden des Landes sind laut Regierungsangaben
       aus [1][Mangelernährung bereits 16 Menschen verhungert], die meisten davon
       Kinder. Dieser Tage ändert sich das Wetter radikal. Jetzt ballen sich
       wieder gewaltige, dunkle Gewitterwolken über dem Viktoriasee, an dessen
       Ufer Kampala liegt.
       
       Bereits Ende Juli wurden Warnungen herausgegeben: In den nächsten Monaten
       soll der Starkregen „um bis zu 25 Prozent“ schlimmer werden als im
       vergangenen Jahr, meldet das Katastrophenschutzministerium. Der
       Matratzenhändler zeigt auf sein Handy. Über eine App ist er mit einer
       Überwachungskamera verbunden, die im Laden direkt unter der Decke hängt.
       „Damit kann ich von zu Hause aus prüfen, ob Wasser eindringt“, sagt
       Kiwalabye. In der vergangenen Nacht hat es geregnet, allerdings nicht sehr
       stark. Er habe die ganze Nacht auf sein Handy gestarrt, sagt Kiwalabye.
       
       Dass der Sockel am Eingang die kommenden Fluten aufhalten wird – daran
       zweifelt er. „Doch was sollen wir machen? Die Regierung lässt uns im
       Stich“, seufzt er. In ganz Kampala sind derzeit Baumaßnahmen im Gange, um
       die Abwasserkanäle zu vergrößern, damit das Wasser bei Starkregen besser
       abfließen kann. Vielerorts wurden Bürgersteige und Asphalt aufgerissen, um
       unterirdische Rohre zu verlegen. Doch nun liegen die Baustellen brach, die
       Rohre stapeln sich unverbaut am Straßenrand.
       
       ## Korruption im Bauwesen
       
       Im Bausektor ist sehr viel Korruption im Spiel, die meisten Baufirmen
       bringen die Aufträge nicht zuende, weil das Geld verschütt geht, oder sie
       lassen sich bestechen und Baupläne werden geändert. So auch in Downtown.
       Bis 2025 verlief direkt vor dem Einkaufszentrum ein breiter, offener
       Abwasserkanal, über den die Wassermassen in den Viktoriasee abfließen
       konnten. Das Problem: Die Menschen warfen ihre Abfälle in den Kanal. Das
       Wasser staute sich und begann zu stinken.
       
       Per Handschlag von Präsident Yoweri Museveni erhielt der 42-jährige
       Immobilienmogul Hamis Kiggundu, einer der reichsten Männer des Landes, die
       Genehmigung, den Kanal zu versiegeln und auf dem lukrativen Grundstück
       weitere, vierstöckige Einkaufspassagen zu erreichten, ohne öffentliches
       Ausschreibungsverfahren und unabhängige Gutachten. Entlang der
       Nakivubo-Straße, wo sich nun gegenüber des Sekazinga-Einkaufszentrums die
       Rohbauten in die Höhe schrauben, wurden zwar Abwasserkanäle in den Asphalt
       eingelassen, allerdings weniger als geplant und alle ohne Gullideckel. Die
       Folge: Darin sammelt sich der Unrat und das Wasser kann nicht abfließen.
       Jetzt wird bei Starkregen rundherum alles geflutet – auch das Untergeschoss
       des Einkaufszentrums.
       
       Die Zahl der Tage, an denen Downtown Kampala hüfthoch unter Wasser steht,
       hat sich im vergangenen Jahr enorm erhöht, so zeigen es jüngste Erhebungen
       des Statistikamtes. Mittlerweile sterben in Uganda jährlich rund 3.500
       Menschen durch Ertrinken, vor allem Kleinkinder. Die Hälfte der Todesfälle
       geschieht nicht in den zahlreichen Seen und Flüssen des Landes, sondern bei
       Überschwemmungen in den Städten. Die Hauptursache mit rund 40 Prozent sind
       durch Müll verstopfte Abwasserkanäle. Ende Juli hat Ugandas Regierung
       deswegen einen nationalen Reinigungstag eingeführt. Jeden letzten Samstag
       im Monat sind alle Ugander*innen landesweit verpflichtet, Straßen und
       die daran entlangführenden Abwasserkanäle und Schächte vom Unrat zu
       befreien, damit die Wassermassen abfließen können. Das Problem: Die
       Einwohner lagern den aufgesammelten Müll entlang der Straßen, doch die
       Stadtverwaltung hat nicht genügend Müllautos, um den Unrat zu entsorgen.
       
       „Wir müssen die Stadt für den durch den Klimawandel verursachten
       zunehmenden Starkregen fit machen“, erklärt ein Mitglied von Ugandas
       Ingenieurverband gegenüber der taz. Er will nicht, dass sein Name
       veröffentlicht wird. „Wir haben alle Daten, wir haben auch Fluten und
       Extremwetterlagen einkalkuliert“, sagt der Ingenieur, der für Kanalsysteme
       zuständig ist. Laut Bauplan waren entlang der Nakivubo-Straße viel mehr
       Abwasserschächte vorgesehen. „Doch dann gibt es einflussreiche Personen,
       die gute Kontakte zum Präsidenten haben, die dann einfach entscheiden,
       diese Schächte doch nicht zu bauen“, sagt der Ingenieur. Oft würden Kosten
       gedrückt und das eingesparte Geld wandert in private Taschen.
       
       Matratzenhändler Kiwalabye versucht sich selbst zu helfen. Seit der großen
       Flut vom November 2025 kämpft er mit weiteren Mitgliedern von Ugandas
       Handelsverband vor Gericht. Premierministerin Robinah Nabbanja hat
       Entschädigung zugesagt. „Doch bis heute haben wir davon nichts gesehen“,
       sagt er.
       
       Mudigere, Indien
       
       Im südindischen Bundesstaat Karnataka ist es eher ein Zuwenig an Wasser,
       das den Menschen zu schaffen macht. Avin H. M. bewirtschaftet hier nahe der
       Stadt Mudigere eine rund 20 Hektar große Kaffeefarm. Zwischen den Blättern
       der Kaffeesträucher ragen schlanke Baumstämme in die Höhe. An einigen
       winden sich Pfefferpflanzen, dazwischen wachsen Kardamom, Orangen,
       Jackfruchtbäume und Betelnusspalmen. Avins Farm sieht mehr nach üppigem
       Wald als nach Plantage aus. Manche Schattenbäume sind über 20 Meter hoch.
       Ihre Kronen sollen die Kaffeesträucher vor direkter Sonne schützen.
       
       Doch Avin fürchtet, dass selbst dieser Schutz bald nicht mehr reicht. „Wir
       erleben extreme Hitze. Das ist schlecht für Arabica“, sagt der ehemalige
       Investmentbanker über die Kaffeesorte, die er anbaut. Im Sommer stiegen die
       Temperaturen auf über 37 Grad. Trockenheit und hohe Temperaturen
       begünstigen zudem die Vermehrung des Weißen Kaffeestammbohrers, eines
       Käfers, dessen Larven sich in die Stämme fressen. „Ich muss die ganze
       Pflanze ausreißen und verbrennen, damit die anderen nicht befallen werden“,
       sagt Avin, der seit über 10 Jahren Kaffee anbaut.
       
       In diesem Jahr kommt El Niño hinzu. Das globale Klimaphänomen kann den
       indischen Sommermonsun schwächen. Und der brachte 2026 zunächst deutlich zu
       wenig Wasser. Im Juni fiel landesweit 38 Prozent weniger Regen. Nach einer
       Erholung im Juli liegt das Defizit immer noch bei rund [2][15 Prozent].
       
       Avin misst den Regen auf seiner Farm selbst. „Mir fehlen in diesem Jahr
       rund 60 Prozent der Regenmenge“, sagt er der taz. Schwache Monsunjahre
       kenne er. „Aber El Niño hat es noch schlimmer gemacht.“
       
       Auf den ersten Blick sieht die diesjährige Ernte gut aus. Doch die
       Kaffeekirschen reifen zu früh. Sie dürften bereits im Oktober erntebereit
       sein statt Ende November. Von der Blüte bis zur Reife brauchen die Früchte
       sonst acht bis neun Monate. Werden sie früher reif, kann das die Qualität
       beeinträchtigen, erklärt Avin.
       
       Deshalb versucht Avin, Zeit zu gewinnen: Jedes Jahr pflanzt er mehrere
       Hundert neue Schattenbäume. In zwei Teichen sammelt er Regenwasser. Nun
       plant er, über Sprinkler zusätzlich zu bewässern, um die Reife
       hinauszuzögern. Die Hälfte seines Kaffees besteht inzwischen aus der
       hitzetoleranteren Robusta-Sorte. Ein kompletter Wechsel wäre trotzdem keine
       schnelle Lösung. „Ich müsste drei bis vier Jahre auf einen guten Ertrag
       warten.“
       
       Indien gehört zu den größten Kaffeeproduzenten weltweit, angebaut wird
       jedoch fast ausschließlich von Kleinbetrieben. Und es betrifft nicht nur
       Kaffee. Nach dem trockenen Juni verzögerte sich in vielen Regionen die
       Aussaat von Reis, Hülsenfrüchten und Ölsaaten. Der Wechsel von
       Trockenphasen und Starkregen erhöht zusätzlich das Risiko von
       Ernteausfällen.
       
       Der Monsun bestimmt nicht nur, wie viel Wasser Indiens Bäuer:innen haben,
       sondern auch, wann sie säen, düngen und ernten. Indiens Regierung hat
       inzwischen für besonders [3][gefährdete Regionen] Dürrepläne überarbeitet,
       in denen je nach den Bedingungen vor Ort geraten wird, auf Sorten
       umzusteigen, die mit weniger Wasser auskommen oder schneller reifen. Die
       Pläne sehen auch vor, dass Bauern mehr Regenwasser speichern und Felder
       gezielter damit bewässern sollen. Avin hat, wie viele Landwirte in der
       Region, in diesem Jahr auf den wasserintensiven Reisanbau verzichtet,
       obendrein war Dünger aufgrund des Irankriegs knapp: [4][Indien braucht
       Flüssiggas zum Herstellen von Stickstoffdünger] und ist dafür zum großen
       Teil von Schiffsimporten über die Straße von Hormus abhängig. Doch die ist
       seit Monaten de facto blockiert.
       
       LNG ist der entscheidende Rohstoff für die Herstellung von Urea, dem
       wichtigsten Stickstoffdünger für Indiens Landwirtschaft. Im März sank die
       heimische Urea-Produktion deutlich. Eine größere Urea-Knappheit konnte
       Indien abwenden, indem andere Gasquellen erschlossen und mehr Urea
       importiert wurde.
       
       Ibagué, Kolumbien
       
       Anderer Kontinent, ähnliche Schwierigkeiten: In einem ruhigen, von Bäumen
       beschatteten Wohnviertel in der zentralkolumbianischen Kleinstadt Ibagué
       versucht die kleine Kaffeefirma „Café 100 Años“ El Niño und dem Klimawandel
       zu trotzen.
       
       Expert:innen in Kolumbien warnen schon seit Monaten vor einem möglichen
       Strom-Blackout. Mehr als 60 Prozent des Stroms wird mit Wasserkraft
       produziert. Doch das Wasser in den Stauseen wird knapp. Seit Monaten führen
       die Flüsse, die sie speisen, weniger Wasser als sonst. Im August waren die
       Wasserstände ein Viertel unter dem Niveau der Vorjahre.
       
       Die staatliche Taktik gegen den Blackout: Heizkraftwerke hochfahren, um die
       Stauseen möglichst lange zu schonen. Doch diese funktionieren mit Kohle,
       Diesel und Gas – und sind deutlich teurer. Das Finanzministerium hat
       angekündigt, umgerechnet rund 400 Millionen Euro bereitzustellen, um diese
       Kraftwerke mit voller Kraft laufen zu lassen. Doch laut der kolumbianischen
       Vereinigung der Energieerzeuger (Acolgen) reicht diese Summe nicht einmal,
       um die Schulden der Energieerzeuger zu tilgen. Die Energieministerin María
       Nohemí Arboleda warnt die Kolumbianer:innen deswegen schon einmal vor
       Preissteigerungen.
       
       Darauf ist „Café 100 Años“ vorbereitet. Auf dem linken Dach der
       zweistöckigen Häuschen prangen sechs Solarpaneele. Drinnen im firmeneigenen
       Ladenlokal „Mr Wush Wush“ ist es kühl, eine Klimaanlage summt: 18 Grad
       zeigt sie an.
       
       „Mr Wush Wush“, so heißt die Kaffeemarke der Firma. Wush Wush ist eine
       Kaffeesorte aus Äthiopien, welche die Familie neben anderen Sorten auf
       ihrer Kaffeefinca in den Bergen anbaut, rund acht Stunden von Ibagué
       entfernt.
       
       In der Auslage stehen sorgsam aufgereihte Kaffeetüten. Auf allen ist hinten
       eine Zeichnung des Firmengründers alias Mr Wush Wush: ein ernst blickender
       Mann mit prägnanten Ohren. Hinter dem Tresen gießt Sohn Giovanit heißes
       Wasser auf das Kaffeepulver im Papierfilter.
       
       Wegen hoher Stromkosten ließ „Café 100 Años“ im Oktober 2025 die Paneele
       installieren. Gedacht war, dass sie ihre Stromkosten beim Eigenverbrauch
       senken. Den Rest des Stroms wollten sie an den örtlichen Stromanbieter
       verkaufen. Nach ihrer Rechnung hätten sich die Paneele, die rund 4.000 Euro
       kosteten, so in etwa vier Jahren amortisiert, sagt Buchhalterin Lyna
       Sánchez.
       
       Doch seitdem die Anlage auf dem Dach ist, haben sie noch keinen Strom
       verkauft, sondern alles selbst verbraucht: für Wasserkocher, Röstung,
       Computer im Büro – und vor allem für die Klimaanlage, die den Strombedarf
       verdoppelt hat. Die hatten sie Ende Juli angeschafft, um es Kund*innen im
       Laden angenehmer zu machen. Nun haben sie dort zwar 18 Grad, aber eben auch
       keinen Strom mehr übrig zum Verkaufen. Sie planen nun, sagt Buchhalterin
       Lyna Sánchez, in weitere Solarpaneele zu investieren.
       
       ## Neue Regierung: Fossile statt Solar
       
       Private Stromkonzerne kontrollieren in Kolumbien den Markt. Deshalb werde
       es Leuten, die Paneele installieren wollen, nicht leicht gemacht, meint
       Sánchez. Es sei sehr viel Papierkram mit dem Stromanbieter nötig gewesen,
       um die Anlage ans Netz anzuschließen. Auch können sich die Investition
       nicht viele leisten, sagt Sánchez, obwohl es mittlerweile bei manchen
       Banken günstige Kredite gebe.
       
       Im Mai meldete die linke Vorgängerregierung rund 24.500 registrierte
       Solardächer. Davon wurden mehr als 15.000 in den vergangenen zwei Jahren
       installiert – vor allem, um Stromkosten zu senken. Hinter dem Ziel der
       versprochenen Energiewende blieben die Linken von Präsident Gustavo Petro
       jedoch weit zurück – und die neue Regierung des ultrarechten Abelardo de la
       Espriella will wieder verstärkt auf Fossile setzen.
       
       Ibagué ist die Hauptstadt des Departamento Tolima, der [5][seit Monaten von
       heftigen Waldbränden heimgesucht] wird – mit befeuert von El Niño und der
       extremen Trockenheit. Firmengründer und ausgebildeter Kaffeeverkoster
       Newerly Gutiérrez kennt das Wetterphänomen gut. „Wir Kaffeebauern sind El
       Niño schon gewohnt.“ Dass aber die Wechsel extremer werden – das hat er am
       eigenen Leib erlebt, erzählt er, während er eine Maschine zum Schälen der
       Bohnen reinigt.
       
       In fünfter Generation baut seine Familie Kaffee an. Dort, wo in seiner
       Kindheit noch die Kaffeesträucher standen, ist es heute längst viel zu
       heiß. Etwa 400 Meter höher stehen die Pflanzen mittlerweile. Und sie haben
       sich andere Sorten gesucht: Der äthiopische Wush Wush etwa, der in
       Kolumbien noch ein Exot ist, halte Trockenheit und Kaffeerost besser stand.
       
       In Kolumbien bedeutet El Niño: deutlich seltener und weniger Regen.
       Landwirte und Fischer ächzen schon wegen der Trockenheit, die
       Waldbrandsaison begann früher und stärker. Wegen der schlechten
       Luftqualität rechnen Expert*innen mit mehr Atemwegserkrankungen und
       Krankheiten, die über Mücken übertragen werden wie zum Beispiel Malaria.
       Ganz zu schweigen von dem möglichen Blackout, der Stillstand und damit hohe
       Kosten verursachen würde.
       
       Auch „Café 100 Años“ muss sich trotz der Paneele nun auf einen Blackout
       vorbereiten. Denn der Solarstrom geht direkt ins Netz und wird mit dem
       Verbrauch verrechnet – und bedient nicht zuerst die eigenen Geräte. Akkus
       für die Energiespeicherung seien noch viel zu teuer. Fällt das Netz aus,
       haben sie auch bei „Mr Wush Wush“ keinen Strom.
       
       28 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bbc.com/news/articles/cvgljevwy82o
 (DIR) [2] https://www.indiatoday.in/science/story/10-days-left-monsoon-almost-over-indias-rain-deficit-at-15-recovery-bleak-2999111-2026-09-21
 (DIR) [3] https://timesofindia.indiatimes.com/business/india-business/monsoon-watch-centre-activates-drought-contingency-plans-as-imd-flags-el-nino-risk/articleshow/131467733.cms
 (DIR) [4] /Folgen-des-Irankriegs/!6180945
 (DIR) [5] /Hitze-in-Kolumbien/!6209279
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
 (DIR) Simone Schlindwein
 (DIR) Katharina Wojczenko
       
       ## TAGS
       
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